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Der Tod aus Thüringen – EISREGEN @ ((szene))

Der Tod aus Thüringen – EISREGEN @ ((szene))

Der fleisch- und bandgewordene Splatter-Horrorfilm namens EISREGEN kehrte am Freitag nach fast genau einem Jahr wieder auf die Bretter der ((szene)) Wien zurück. Mit im Gepäck: die Metzger von DEBAUCHERY, sowie die drei Lokalhelden TEUFELSKREIS, AMONG RATS und HARMANIC.

AMONG RATS, die das gestrige Schlachtfest starten durften, standen bereits seit längerem auf meiner „Must See“-Liste. Ihr Ruf eilt den vier Oberösterreichern voraus und wenn man die Band live erlebt, weiß man auch warum. Der Death Metal-lastige Grindcore (bzw. Grindcore-lastige Death Metal?) wirkt frisch und haut kräftig in die Fresse. Den Schlag ins Gesicht fürchteten offensichtlich einige der Zuschauer und gingen lieber auf Sicherheitsabstand im hinteren Sektor des Konzertsaales. Selber schuld, denn auch wenn AMONG RATS gerne böse Dreinschauen, gebissen haben sie meines Wissens noch niemanden.

Bei TEUFELSKREIS (Sänger Ronny kennt man noch vom letztjährigen EISREGEN-Gig, bei dem er mit INSANITY auftrumpfte) war dann auch schon mehr Bewegung im Saal. Kein Wunder, denn die Band zog eine massive Anhängerschaft aus Fans, Freunden und Familie an und TEUFELSKREIS-Shirts und -Pullis gewannen schnell die Oberhand. Spätestens nach den ersten paar Songs merkte man auch, warum das so war: Astreiner, extremst schwerer, aber dennoch schneller Hard Rock mit starken Heavy Metal-Einflüssen! Gepaart mit dem eigensinnigen Gesang von Ronny (Stagename Mephisto) ergab das eine explosive Mischung, zu der ohne Bedenken abgerockt werden konnte.

DIE Überraschung des Abends, waren für mich dennoch HARMANIC. Thrashiger Death Metal der höchsten Güte und eine sympathische Liveshow, die man nicht oft erlebt. Wie genau es die fünf Wiener geschafft haben, seit über sechs Jahren unter meinem Radar zu fliegen, ist mir ein Rätsel. Klarer Anspieltipp – klarer Liveshowtipp – klarer Support-Those-Guys-Tipp!

Nach den drei Vertretern der heimischen Metalfraktion übernahmen die Metzger aus Stuttgart die Bühne. DEBAUCHERY begeisterten bereits während der Umbauzeit mit den filigran gearbeiteten, minimal sexualisierten Mikrophonständern. „Sex, Gewalt und gute Laune“ ist offenbar die Lebenseinstellung von DEBAUCHERY. Der blutige Feministenalbtraum überzeugte aber nicht nur dank verstümmelter Schaufensterpuppen (die Blood Babes), sondern trumpfte auch mit ihrem – leicht sarkastischen und dezent selbstironischem – Death Metal mit starken Rock ’n‘ Roll-Einflüssen auf. Alleine dafür hätte sich schon die Anreise in die ((szene)) Wien gelohnt.

Das Cocktailkirscherl auf diesem ganzen morbiden Metal-Eisbecher, war jedoch trotzdem – wie zu erwarten – der Tod aus Thüringen um Sänger Blutkehle Roth. Es fällt schwer, bei EISREGEN nicht über ihren angeblichen Beitrag zur Verrohung der Jugend und die etlichen, dem Verbreitungsverbot unterliegenden CDs zu reden. Doch das Quintett vom Rand des Thüringer Waldes liebt und lebt diesen Ruf. Dementsprechend sortiert war auch die Setlist. „Greatest Hits“ wie „1000 Tote Nutten“, „Eisenkreuzkrieger“ und das obligatorische „Elektrohexe“ sorgten erwartungsgemäß für Stimmung. Auch der Kontrast zu diesen schnelleren Songs gelang EISREGEN spielend: mit „Mein Eichensarg“ wurde erneut tief in der Bandvergangenheit gewühlt und auch der obligatorische Closer „Erscheine“ traf den Geschmack der Fans.

Unter den Tisch fiel jedoch – zum allgemeinen Unmut – „Krebskolonien“. Rufe danach wurden relativ schnell laut, doch die Blutkehle wies diese schnell mit einem „Immer das Gleiche wird ja langweilig“ zurück – zu Recht! Beschweren konnte sich bei der 15 Songs (bzw. 16 mit Intro) umfassenden Setlist kaum jemand, denn abermals lieferten EISREGEN dank des gelungenen Querschnitts ihres Schaffenswerks eine astreine Liveshow ab, die der letztjährigen in kaum einem Punkt nachstadn. Die Lust auf ein erneutes Treffen im nächsten Jahr wurde erfolgreich geweckt/verstärkt!

via WET-photo.at

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Markus liefert als Teil der Wiener Fraktion von Subtext Konzertfotos aller möglichen Genres. Egal ob Hip Hop oder Black Metal - Hauptsache die Musik geht unter die Haut und drückt in den Ohren.

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