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AmenRa: ein etwas anderer Gottesdienst

AmenRa: ein etwas anderer Gottesdienst

Wenn an einem Dienstagabend 300 Leute in den Linzer Posthof pilgern und beim Headliner der wohl – oder auch nicht so wohl – duftende Geruch von Weihrauch in der Luft ist, dann ist das keine Veranstaltung irgendeiner christlichen Sekte, sondern ein Konzert von Amenra. Die „Church of Ra“ hatte für ihre Jünger einiges zu bieten!

Den Anfang machten Hessian. Die kommen aus Belgien, und die können vor allem eines: abgehen wie Sau. Fast konträr zu AmenRa, mit kurzen, prägnanten Songs – und ideal für einen Opener, um die Besucher aufzuwecken. Mit nur zwanzig Minuten Stagetime ein allerdings etwas kurzes Vergnügen.

Etwas melodischer gingen des danach die Herren und die Dame von Oathbreaker an. Aber nicht unbedingt schlechter. Die stimmlichen Fähigkeiten von Sängerin Caro beeindruckten in dieser Darbietung am meisten – düster, verträumt, und doch eingängig. Weiter so!

Den finalen Aufwärmact für die musikalische Messe nannte sich danach Treha Sektori. Das Soloprojekt des Franzosen Dehn Sora ist eine Entführung in eine Gefühlswelt, die man so nicht oft erklimmt. Eine Mischung aus Loslassen, Sehnsucht, Träumereien – aber für einen Aufwärmact für AmenRa nicht unbedingt die beste Wahl. Was wohl auch die knapp 300 Besucher so sahen, waren die während der Darbietung vor allem draußen vor dem Saal anzutreffen.

Aber nun zum Hauptact – AmenRa. Die zelebrierten danach eine gut einstündige Messe, die im Gegensatz zu diversen langweiligen Kirchenveranstaltungen eines nicht ist: fad. Orchestrale Arrangements, die sich abwechseln mit Screams, dass einem das sprichwörtliche Herz aufgeht, Dynamik, dazwischen Stillstand – eine musikalische Achterbahnfahrt auf höchstem Niveau. Man könnte fast so weit gehen: in die Kirche von AmenRa treten auch überzeugte Agnostiker gerne ein!

Fotos: Christoph Thorwartl

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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