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Crossing Europe 2014: Archipelago

Crossing Europe 2014: Archipelago

Edward (Tom Hiddleston) reist in kürze nach Afrika, um dort einen 11 Monate langen Volontärsdienst anzutreten. Seine Familie macht sich natürlich Sorgen, und so beschließt man, vor seiner Abreise zwei Wochen gemeinsam auf der britischen Insel Tresco ein Haus zu mieten, um so noch einen letzten Urlaub gemeinsam zu verbringen. Chloe, seine Freundin, darf als nicht blutsverwandter Teil der Familie nicht mit- was Edward irritiert. Zumal seine Schwester Cynthia und Mutter Patricia den lokalen Maler Christopher und Köchin Rose zu einem fixen Bestandteil ihres Trips machen.

Die anfängliche Idylle weicht schon bald dem angespannten Zustand unausgesprochener Themen, die ihren emotionalen Höhepunkt meist am Esstisch finden. So ermöglicht es Hogg dem Zuseher, langsam unter die Fassade ihrer liebevoll geschaffenen Charaktere zu blicken und sich selbst, sowie eigene familiäre Muster, darin wieder zu erkennen. Je tiefer der Film in die Seelen seiner Protagonisten schaut, desto unsicherer werden diese. Cynthia weint nachts alleine in ihrem Zimmer, Patricia teilt ihrem Mann am Telefon mit, dass dieser (anscheinend um Edward von seiner Reise abbringen zu können beschlossener) Urlaub ihr zu viel abverlangt und Edward fängt an daran zu zweifeln, ob Afrika wirklich die „richtige“ Entscheidung ist.

Doch wie Christopher es gut zusammenfasst, so ist die Unterscheidung von „richtig“ und „falsch“ in manchen Angelegenheiten eventuell nicht anwendbar. Jede Sache, die man probiert und die sich als nicht richtig herausstellt, ist eine Sache, die einem helfen wird, sobald man seinen Weg gefunden hat. Es ist nicht verloren, nur gelernt.

Joanna Hogg schafft es mit Archipelago einen unverschleierten Blick in eine Familienkonstruktion zu ermöglichen, die es einem erlaubt, sich selbst und seinen eigenen Ängste darin wiederzuerkennen. Trotzdem bleibt er meist ruhig und bescheiden. Genauso wie Christopher den ganzen Film über durch Malstunden und eigene Werke den Geist der Insel auf Gemälden festhält- so malt auch Archipelago Schicht für Schicht das Bild eines Ortes, einer Familie und gegensätzlicher Lebensentwürfe.

Hogg selbst verbrachte seit ihrem 7. Lebensjahr viele Familienurlaube auf der Insel Tresco und verriet, dass der Film durchaus biografisch, jedoch nicht autobiografisch zu verstehen ist. Während sie ihren Schauspielern viel Luft für die Interpretation der Szenen lässt, so finden sich doch Fixpunkte, die aus dem echten Leben gegriffen sind. Archipelago war ihre zweite Zusammenarbeit mit dem mittlerweile in Hollywood agierendem Schauspieler Tom Hiddleston und stellt ihn darin auch in den Mittelpunkt des Geschehens, ohne ihn jemals aufdringlich wirken zu lassen. Die Charaktere wirken echt, man fühlt sich als unsichtbarer Beobachter und bekommt Raum für eigene Interpretationen der Ereignisse.

Die Bewertung der subtext.at-Redaktion:
4/5 Punkte

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