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Crossing Europe 2014: Talk „The future of music video”

Crossing Europe 2014: Talk „The future of music video”

Am 28.4. fand in Kooperation mit der Creative Region ein Talk zum Thema „The future of music video“ statt. Angesprochen wurden unter anderem die derzeitige Situation des Marktes und der Musikvideos, die Vermarktung vs. dem dahinter stehenden Kunstwerk oder die Feedbackkultur.


Als Diskussionsgäste waren Nathan James Tettey (Großbritannien, Colonel Blimp), Timo Schierhorn (Deutschland, Video- Künstler, produzierte z.B. Videos für Deichkind), Anna Kohlweis (Österreich, Musikerin und Video-Künstlerin, produziert sich ihre Videos selbst) und Luzi Katamay (Österreich, Video Regisseurin und Video-Künstlerin) eingeladen. Viktoria Pelzer, Kuratorin des Crossing Europe Filmfestivals, moderierte.

Aktuelle Situation
Die momentane Situation für Musikvideos stand am Anfang des Gesprächs und gab den weiteren Verlauf vor. Musik- Fernsehsender wie MTV sind am Zurückgehen, Plattformen auf dem Internet im Kommen. Auf Youtube werden etwa bereits 72 Stunden Videomaterial pro Minute hochgeladen. Fan-Videos werden teils öfter aufgerufen als die offiziellen. Einerseits stelle Youtube eine Möglichkeit dar, schnell Feedback zu bekommen, andererseits könne der/die Sehende verlernen, Qualität zu erkennen. Einig ist man sich weitgehend, dass die Arbeit ohne das Internet nicht auf dieselbe Art und Weise gemacht werden kann als mit diesem.

Konträr dazu werden auch Einschränkungen thematisiert, die künstlerische Freiheit nur in einem akzeptierten Rahmen zulassen: Kohlweis hat ein ruhiges, mit langsamen Bewegungen versehenes Musikvideo für einen Freund produziert und meint, dass dieses keine Chance hätte, auf Musikkanälen gezeigt zu werden. Es würde sich vielleicht eher in einem Museum anbieten.

Differenziert zum Internet werden Festivals betrachtet: Diese bieten eine größere Fläche für Musik-Videos, besseren Sound sowie anders verlaufende Gespräche, auch wenn man teils dasselbe Publikum wie vor dem Bildschirm erreiche. Eingewandt wird, dass sich für ein Festival ebenfalls nicht jedes Musik-Video eigne, für kostengünstig produzierte sei das Hochladen im Internet manchmal die bessere Variante.

In Großbritannien wird die Marktstruktur als sehr aggressiv bezeichnet: Es herrsche viel Konkurrenz, manche Künstler/innen würden 20 Regisseur/inn/e/n zur selben Zeit anfragen. Der Hintergrund des/der Regisseur/s/in sei dann weniger wichtig als die Tatsache, überhaupt ein Video zu drehen.

Vermarktung vs. Kunstwerk?
Für Kohlweis haben Videos genau dieselbe Relevanz wie die Musik selbst. Habe sie eine gute Idee, setze sie diese um. Das Resultat hängt auch von der zur Verfügung stehenden Zeit ab. Sie habe sich vor kurzem eine neue Kamera zugelegt, investiere aber kaum Geld in ihre Musikvideos: Drehorte sind beispielsweise ihr Zuhause oder bei Freund/inn/en. Die Miete kann davon nicht bezahlt werden, dennoch sind die Videos zugleich Promotion für ihre Musik.

Ähnliches berichten Katamay und Schierhorn: Es gebe kaum staatliche Förderungen im Bereich der Musik-Videos, und wenn eher für Künstler/innen, weniger für die Regisseur/inn/e/n. Schierhorn erzählt, zusätzlich beim Theater zu arbeiten, doch gerade aufgrund dieser Abwechslung zu Ideen zu gelangen. Katamay bezeichnet das Produzieren als eine Art Luxus neben ihren anderen Tätigkeiten. In Österreich könne man kaum von der Produktion von Musik-Videos leben, durch weitere Jobs schaffe man sich allerdings mehr künstlerische Freiheiten.
Labels würden Künstler/innen in deren Vorstellungen oftmals einengen. Einen weiteren Teil dazu tragen die Sehgewohnheiten des Publikums bei. Darüber, dass Musik-Videos auch ein Stück Kunst sein sollen, liegt bei den Diskussionsteilnehmer/innen größtenteils Konsens vor: Ein gutes Musik-Video sei jedoch möglich, wenn man die dazugehörige Musik nicht mag. Laut Katamay komme man auch wenig vorwärts, wenn man ausschließlich Musik-Videos für diejenigen Künstler/inn/en produziere, die den eigenen Geschmack treffen (Nur: Wenn einem die Musik zusagt, sei das Resultat eventuell besser.).

Feedbackkultur
Außer dass Youtube die Option des schnellen Feedbacks beinhaltet, wird die Feedbackkultur nochmals gegen Ende des Talks aufgegriffen: Im Internet werde eher die Musik selbst diskutiert, bei den Festivals lege das Publikum mehr Wert auf die visuellen Effekte und die Regie.

Veränderte Versionen seiner Videos hat bisher nur Tettey gefunden: Er ergänzt, dass diese teils Parodien seien, gegen die er keinerlei Einwände hegt. Der nächste Talk im Rahmen des Crossing Europe Filmfestivals findet am 29. 4. um 16 Uhr mit Joanna Hogg, Regisseurin und Drehbuchautorin, statt.

 

 

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Katharina ist Soziologin und Sozialforscherin (P und P Sozialforschung). Darüber hinaus ist sie regelmäßig journalistisch tätig, z.B. in Form von Praktika (Radio Oberösterreich, Neues Volksblatt,...) und derzeit als Redakteurin für FROzine, das Infomagazin von Radio FRO. Sie beschäftigt sich vor allem mit gesellschaftlichen und kulturellen Themen.

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