Now Reading:

„Heart of darkness“: Fuckhead, raum.null und J.Maile im Phönix Theater

„Heart of darkness“: Fuckhead, raum.null und J.Maile im Phönix Theater

Fuckhead, raum.null und J.Maile waren am 27.und 28.6. zu Gast im Phönix Theater. Gezeigt wurde eine an Conrads Roman angelehnte Performance, welche die Abgründe des modernen Subjekts auf eine ungewöhnliche Weise behandelt.

Welche Auswirkungen hat es auf die Menschen, wenn ehemals Sinnstiftendes wie Religionen ihre Daseinsbehauptung verliert? Können neue Werte wie Spaß Lebenssinn verschaffen?

Die Performance „Heart of darkness“ steht diesen Fragestellungen äußerst kritisch gegenüber: Bewegungen der Akteur/inn/e/n verlaufen anfangs mechanisch, steigern sich über tierähnliches Verhalten (Wälzen im Dreck) bis hin zu einem (wortwörtlichen) Festgebunden-Sein. Redensarten wie „eine Last auf sich nehmen“ wirken bildlich dargestellt. In einer Szene erinnert die Haltung der Mitwirkenden auf der Bühne an Jesus auf dem Kreuz.

Spaß ist ebenfalls noch nicht die neue, frei gewählte Religion geworden: Feiern scheint nur wegen der Gewohnheit und Norm stattzufinden. Das eigene soziale Umfeld wird durch Machteinfluss und Gewalt von Autoritäten später gar zum Feind.

Verfremdung und Unbehagen sind Konstanten in der gesamten Inszenierung. Die Musik von Fuckhead setzt vor allem auf schräge Töne und Geräusche, die nicht immer kategorisierbar sind, aber sich stets an das Dargestellte anpassen: Man wird an Tiere erinnert, schreckt hoch oder bekommt überhaupt ein kurzfristiges Ohrensausen.
Eine überdimensionale Pyramide bietet Platz für projizierte Halluzinationen, Illusionen und Akteur/inn/e/n, die plötzlich aus ihr hochklettern. Stroboskoplicht, Dunkelheit und Nebel tragen ihren weiteren Teil zum ungewöhnlichen Verlauf bei. Man weiß als Zuseher/in nicht, was als Nächstes geschieht, kann sich aber dennoch an einem roten Faden anlehnen.

Die Anlehnung an Joseph Conrads 1899 erschienenen Roman ist nur mehr in Ansätzen erkennbar: Auf Themen wie den Kolonialismus wird in der Performance komplett verzichtet, Böses und Wahnsinn werden jedoch in die Gegenwart versetzt. Unheimliche Stimmen sind wiederum sowohl im Roman als auch in der Inszenierung einer der Bestandteile. Weitere Aspekte haben zwar nicht in den Inhalt, dafür als Elemente in das Bühnenbild Eingang gefunden: Dieses leuchtet bedrohlich, bekommt Wasser hinzugefügt und ähnelt gegen Ende hin einem Wald, Brennholz und Hütte inklusive. Den Weg im Wald kennt niemand mehr.

„Heart of darkness“ ist durch das Zusammenspiel von Musik, Effekten und Bewegungen sowie die Einbettung in die gegenwärtige Zeit ausdrucksstark. Die Performance ist gewöhnungsbedürftig, aber vielleicht genau deshalb spannend. Trotz der Abwesenheit von Text und dem Auslösen von Verfremdung und Unbehagen (die zugleich Kernelemente des Stückes sind) bei de/r/m Zuseher/in lässt sie Platz für eigene Interpretationen.

Einen Eindruck von der Musik Fuckheads (Siegmar Aigner, Didi Bruckmayr, Didi Kern und Michael Strohmann) kann man sich zunächst am 1.8. während dem Hammerwerk Festival in Ybbsitz (NÖ) machen.

Foto: CC-by-nc, silentnatasha

Share This Articles
Written by

Katharina hat einen Abschluss in Soziologie und studiert Politische Bildung in Linz. Darüber hinaus ist sie regelmäßig journalistisch tätig, z.B. in Form von Praktika (Radio Oberösterreich, Neues Volksblatt,...) und derzeit als Redakteurin für FROzine, das Infomagazin von Radio FRO. Sie beschäftigt sich vor allem mit gesellschaftlichen und kulturellen Themen.

Kommentare werden geladen...
Suchbegriff hier eingeben und mit Enter bestätigen