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Southside Festival 2014 – the day after

Southside Festival 2014 – the day after

„The day after“ – oder der erste Tag nach dem ersten musikalischen Erdbeben in Neuhausen. das Southside Festival 2014 geht am Samstag in die zweite Runde – für all jene, die schon munter sind, bereits um 12 Uhr.

Da eröffnen nämlich Marathonmann die Konzertorgie des zweiten Tages. „Die Stadt gehört den Besten“ trifft auch auf die Konzertbesucher zu, die bereits zu dieser frühen Stunde die erste „Wall of Love“ bildeten. Auf der anderen Stage waren es „Heisskalt“, die für Stimmung sorgten. Unverständlich, warum das Konzert in Linz Anfang Mai mangels Interesse abgesagt werden musste. Die gehen live ab wie Sau, was auch von den (schon sehr zahlreich!) erschienen Fans honoriert wurde.

Danach präsentierten sich Drenge. Die Menge vor der Bühne war deutlich kleiner geworden, der Auftritt selbst war es nicht. Rory und Eoin Loveless bringen live eine Mischung aus Stoner Rock mit Pop-Einflüssen. Mehr als hörbar.

Einer der Überraschungsacts des Festivals waren Blaudzun. Genauer gesagt eigentlich das Projekt von Johannes Sigmond, kann die Full-Band-Show mit Harmonika, Violine und dem unverwechselbaren Gesang von Blaudzun mehr als nur punkten. Genauso punkten können Blood Red Shoes, die bereits zu den Southside-Urgesteinen zählen. Bereits zum fünften Mal stehen sie hier in Neuhausen auf der Bühne. Macht aber nix – auch beim fünften Mal können Steven Ansell an den Drums, der dabei ein echtes Energiebündel ist, und Laura-Mary Carter aus der Partystadt Brighton ein Live-Set bieten, das sich gewaschen hat. „Boring“ wird es mit ihnen sicherlich nicht!

Danach wurde die Auswahl schwierig. The Naked and Famous auf der einen Seite, die rockig angehauchten Elektro-Pop boten, und nicht nur bei „Hearts like ours“ das Publikum zum Mitgrölen aminierte, und auf der anderen Seite The Subways. The Subways, dieser Festival-Evergreen. Mühsam sind zwar die deutschen Zwischanansagen, Billy und Charlotte können aber noch immer jede Crowd rocken. Diesmal leider ohne Crowdsurf, dafür mit Klassikern wie „Rock and Roll Queen“ und „Oh yeah“. Oh yeah! triffts auch ganz gut.


Unterschiedlich war der folgende Act-Teil. Flogging Molly auf der einen Seite – über die braucht man nichts mehr sagen. Ekstase, Moshpits, immer wieder cool, was diese „Irish Bastards“ auf die Bühne zaubern. Manchem Fan wurde das zu steil und das Sanitätszelt war einer Belagerung ausgesetzt. Weitaus ruhiger auf der anderen Seite „The Sounds“, die man getrost als „Mainstream-Pop“ abtun kann. Zwar stimmlich durchaus erwähnenswert, ansonsten leider nichts Besonderes. Was man angesichts der passablen Alben nicht so erwarten durfte. Ein kurzes Blackout tat sein Übriges dazu.


Im Anschluss fiel die Wahl schwer, musste man doch fast schon Stagehopping betreiben angesichts des Staus an ähnlichen Musikern. Zum einen der Bombay Bicycle Club, der auf der Blue Stage die wohl größte Menge an Fans versammelte, oder, im Zelt, Angus und Julia Stone. Diese verzauberten das Publikum mit ihren melancholisch arrangierten Balladen, und das Zelt war mehr als einer personellen Belastungsprobe unterzogen. Schwer hatte es angesichts dieser Konkurrenz Elbow, der aber im Laufe seines Konzertes immer mehr aufzutauen schien und immer mehr Spaß hatte, wenngleich der Zuspruch am Anfang spärlich war.



Zum Ausklang stellte sich auch heute wieder die Frage: deutsche Welle oder internationale Stars? Ich habe mich hier für die deutsche Welle entschieden. Der Hamburger Thees Uhlmann stand zuerst auf der Bühne. Gut gelaunt präsentierte er sich, der Platz vor der Bühne war zum Bersten gefüllt, und Thees konnte eines: begeistern. Egal ob Klassiker wie „Vom Delta bis zur Quelle“, das im Refrain zur A-capella-Nummer wurde, oder neue Tracks wie „Am 7.März“, die sich mittlerweile auch schon eingeprägt zu haben scheinen. Und spätestens als bei „Zugvögel“ am Ende die Sonne untergeht, sind alle wieder glücklich. Mission accomplished!

Apropos deutsche Welle. Die Wahl zwischen Arcade Fire und Casper fiel wirklich schwer. Aus dem Bauch heraus lande ich dann bei Casper, und das ist, wie so oft, nur schwer in Worte zu fassen: Reihenweise umkippende Kiddies in den ersten Reihen, die schon Stunden auf ihren Platz warteten, Großeinsatz für das technische Hilfswerk und die Securities, und: ein absolutes Wahnsinnskonzert, wo vom ersten Track „Im Ascheregen“ an bis zum letzten Takt durchgetanzt wird. „Auf und davon“ wird genauso euphorisch gefeiert wie „Hinterland“, und das abgeschossene Feuerwerk wird dieser Urgewalt auf der Bühne nicht annähernd gerecht! Daran änderte auch das Schild „Dieses Schild hat mehr Inhalt als ein ganzes Casper-Album“ nichts. Dass gemeinsam mit Thees Uhlmann dann auch noch der Tomte-Evergreen „Ich sang die ganze Zeit von dir“ gespielt wurde, tat das Übrige dazu.

Den Abschluss des „deutschen“ Konzertmarathons boten danach die Hamburger Urgesteine von Tocotronic, die soundbedingt mit Verspätung begannen und dem Publikum darbieten wollten, „wie wir leben wollen“. Apropos Publikum. Das war so ganz anders als bei den Konzerten zuvor. Oder: ein Tocotronic-Besucher kommt alterstechnisch sicher auf zweieinhalb Casper. Das Feeling im Zelt war eher vergleichbar mit einem Konzert denn einem Festival – gut so. Fast schon intim. Danke dafür!

Den Abschluss für die Nacht bot Macklemore. Man muss ihn schon mögen – um ihm auch zu verzeihen, „Can’t hold us“ zweimal zu spielen. Wobei man ihm zu Gute halten muss, dass das Publikum das erste Mal sicher vergessen hat. Insgesamt elf Songs in eineinhalb Stunden sind jetzt auch nicht die Offenbarung – angesichts des Besucherzustroms und der Resonanz darf man allerdings trotzdem von einem gelungenen Konzert sprechen!

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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