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Tori Amos: Unrepentant Geraldines @ Brucknerhaus Linz

Tori Amos: Unrepentant Geraldines @ Brucknerhaus Linz

Einen fulminanten Konzertabend konnte man Anfang Juni im Großen Saal des Brucknerhauses erleben. Die amerikanische Singer-Songwriterin Tori Amos stoppte im Rahmen ihrer Tour zum aktuellen Album Unrepentant Geraldines auch in Linz. Gehostet wurde das Konzert vom Posthof Linz. Als erste Kooperation in der Geschichte der beiden LIVA-Einrichtungen war es nicht nur ein voller Erfolg, es schreit ja förmlich nach mehr.

Eingeleitet wurde der Abend vom britischen Folk Duo Trevor Moss and Hannah Lou – die zwar ganz nette, aber im großen und ganzen nicht sehr spannende Folk-Balladen auf die Bühne brachten. Ob es der Verliebtheit der Beiden, der Bühnenshow oder Sparbemühungen zuschulden kam, dass beide sich ein Mikrofon teilten, war nicht wirklich zu ergründen. Jedoch war – außer dass es aufgrund der beiden Gitarren einfach nur unbequem aussah – wenig weiterer Nutzen erkennbar.

Was im Posthof normalerweise kein Problem ist, zeigte sich im Brucknerhaus durchaus als störend: zu spät kommende Gäste, welche durch das Öffnen der Saaltüren immer wieder einen breiten Lichtstreifen in den ansonsten abgedunkelten Saal warfen.

Wie bereits eingangs erwähnt absolvierte mittlerweile doch schon 50 – jährige Amerikanerin mit einem Brillenfaible ihren Besuch in Linz im Zuge ihrer Unrepentant Geraldines – Tour. Nachdem aber nach dem Supportact noch eine gute halbe Stunde Pause eingelegt wurde, ging – dem Applaus nach zu urteilen – für viele ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung.

Zurück zu den Wurzeln sollte es gehen. Also auch zurück zu den nur mit Klavier begleiteten in Musik verwandelten Geschichten. Vorweg – dies kann definitiv als gelungen bezeichnet werden, bestand die Ausstattung der Bühne doch nur aus dem typischen Bösendorfer-Flügel, einem E-Piano und einer E-Orgel. Der Eröffnungssong, „Parasol“ zeigt gleich, dass die angekündigte Reduzierung eine sehr gute Entscheidung war. Ähnlich reduziert waren aber auch die Wortspenden, mit denen das Publikum bedacht wurde (in einer nach dem Konzert veröffentlichten Setlist, wird die Begrüßung sogar als eigener Punkt angegeben).

„I never did this before. I mean, fucking never.“

Mit diesen Worten wurde zum insgeheimen österreichischen Höhepunkt übergeleitet. Auch wenn anfangs noch etwas Verwirrung über die rot-weiß-rot gehaltene Beleuchtung herrschte und die Ersten Zeilen weniger geläufig waren als erwartet, schlug die Stimmung spätestens bei der eingängigen Bridge zum Refrain in frenetischen Jubel um. Tori Amos coverte Rise Like A Phoenix, den österreichischen Gewinnertitel des diesjährigen Eurovision Songcontests – spätestens jetzt dürfte auch jede unfreiwillige Begleitung restlos überzeugt worden sein.

Dass der Begeisterung auch dem restlichen Konzert kein Abbruch getan war, muss fast nicht mehr erwähnt werden. Dass die Frau wirklich vergöttert wird, zeigte sich auch beim letzten Song vor den Zugaben: beinahe die komplette erste und zweite Reihe Mitte stürmte zum Bühnenrand – eine durchaus stutzig machende Szenerie.

Alles in allem kann das Konzert genauso wie die Kooperation zwischen Posthof und Brucknerhaus als vollends gelungen bezeichnet werden. Der beinahe ausverkaufte Saal lässt auch auf eine Fortführung dieser Kooperation hoffen. Tori Amos selbst war eine Wohltat für Augen und Ohren und auch das (wohl für so manchen Besucher ungewohnte) Konzept „Sitzkonzert“ passte in diesem Fall wirklich gut.

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