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Falling in Love with the Lakeside – again…

Falling in Love with the Lakeside – again…

„Fall in Love with the Lakeside“ – mit diesem Spruch hat sich das Acoustic Lakeside Festival im kärntnerischen Sittersdorf einen Namen gemacht. Das wohl entspannteste Festival des Sommers war auch heuer reich an Höhepunkten – fast wie eine Freundin, in die man sich immer wieder aufs Neue verliebt!

Aufs Neue verlieben – ja, so könnte man das Acoustic Lakeside wirklich beschreiben. Kaum am Gelände angekommen, fühlt man sich fast schon wie zu Hause. Auch der Warm-Up-Tag hatte es heuer wieder in sich – da sei auch gerne verziehen, dass der Grazer „Sado Maso Guitar Club“ alles andere als akustisch agierte. Gas geben können die Jungs auch so – und den Sound der Ex-Band „The Incredible Staggers“ können sie nicht ganz verleugnen. Bei der anschließenden Afterparty wurden die Bierzapfhähne einer ersten großen Belastungsprobe unterzogen – welche diese auch bestanden. Außerdem auffallend: der inflationäre Intervall, in dem Bilderbuchs „Maschin“ gespielt wird. Man kann’s auch übertreiben – was aber nichts gegen Bilderbuch heißen soll!

Freitag, der erste „echte“ Festivaltag. Dieser begann – in typischer Lakeside-Manier – mit einer Lesung. Wobei Lesung hier der falsche Ausdruck wäre: Kommando Elefant nahmen die Lesung kurzerhand zum Anlass, zwischendurch, getreu dem Festivalmotto, mit Akustik-Nummern aufzutrumpfen. Auch der anschließende Frühschoppen mit the-one-and-only „Gösselsdorfer Trio“ ist Lakeside-Veteranen mittlerweile ein Begriff. In traditioneller Frühschoppen-Atmosphäre verspürt man spätestens hier den Druck, das erste Bier des Tages zu verzehren. Kleiner Tipp: Ja, es hilft!

Den „echten“ Bandmarathon eröffneten danach „Refuse the Mammon“. Hm, die kannte man doch schon, oder? Ja, richtig! Die kommen aus Völkermarkt, sind sozusagen die Local Heroes und waren bereits zum zweiten Mal als Opener am Start. Dieses Mal verstärkt mit einem Streicherinnen-Trio. Und musikalisch: besser als erhofft, sogar richtig gut. Dürften also durchaus einer breiteren Hörerschaft ein Begriff sein!

Anders danach „Broken Twin“. Das dänische Damen-Duo versuchte sich am Stile von First Aid Kit. Allerdings auf Valium. Ein liebloser Auftritt, der sich eher am Versuch, technisch möglichst perfekt zu sein, orientierte und dabei gründlich in die Hosen ging. Ein bisschen weniger „pflichtbewusstes Programmrunterspielen“ wäre schön gewesen. Schade.

Erstmals voller vor der Bühne wurde es danach bei „Farewell Dear Ghost“. Ausflüge in die Anfangsjahre, genauer gesagt ins Schlafzimmer von Frontmann Philipp, und gelungene Arrangements wechselten sich hierbei ab. Dass die Band derzeit am aufsteigenden Ast ist, ließ sich anhand der beachtlichen Anzahl an Fans vor der Bühne, die noch dazu textsicher waren, erkennen. Wer das Konzert verpasste, durfte Farewell Dear Ghost trotzdem live erleben – sowohl beim samstäglichen Fußballturnier, als auch bei den Afterparties.

„The Elwins“ aus Kanada waren der erste internationale Act. Ein Stil, so ganz anders, als man es aktuell aus Europa im Indie-Pop gewöhnt ist: eindringlich, tanzbar. Und auch der Band war der Spaß auf der Bühne deutlich anzumerken. Nebenbei sind sie auch der Gewinner des „Best Beard“-Awards – so einen Moustache hat das Lakeside-Festival noch nicht gesehen!

Aber weiter im Programm. Frightened Rabbit-Frontmann Scott Hutchinson performte ein Solo-Set. Singer/Songwriting, wie es sein soll. Ohne viel Show, ohne viel Ablenkung, Konzentration voll auf die Songs. Thumbs up!

Heiß erwartet wurde danach der Auftritt von Frank Turner. Ausverkaufte Shows quer durch Europa stehen bei ihm mittlerweile an der Tagesordnung, und die rare Gelegenheit, ihm akustisch zu lauschen, war für viele wohl ein Hauptgrund, auf das Festival anzureisen. Die Fans wurden nicht enttäuscht. Songs wie „Recovery“ und „The Way I Tend to Be“ funktionieren auch akustisch blendend. Ein Konzert, das einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte. Das Duett gemeinsam mit Scott Hutchinson sowieso.

Den Abschluss des ersten Abends boten „The Fratellis“. Normalerweise doch stärker in den Alternative/Glam Rock-Bereich zu Hause, boten sie einen überraschend guten Abschluss des Abends. Wenngleich sie auch ihre Wurzeln nicht verleugnen konnten – tanzen konnte man zu ihnen trotzdem.

Der Samstag, der letzte Tag des Festivals. Das mittlerweile auch schon zum guten Ton gehörende FM4-Sandkisten-Fußballturnier war auch heuer fixer Programmpunkt. Inklusive eines Gastauftrittes des Headliners Maximo Park, und dem, naja, kreativen Ansatz, den unsäglichen Freistoß-Markierungs-Spray auch anderweitig einzusetzen – was für schallendes Gelächter beim Schlagsahne-auf-Spieler-Sprühen sorgte.

Zurück zur Musik aber. Der Tag begann mit einer schlechten Nachricht: Lucy Rose war mit einer Autopanne liegengeblieben und musste den Auftritt canceln – was die Verschiebung des Lineups nach hinten bedeutete. Das hieß allerdings auch, dass ein Opener-Slot frei wurde. Dieser wurde von niemand geringerem als – tadaaa! – dem „Gösselsdorfer Trio“ genutzt. Ein seltsames Deja Vu vom Vortag – wo war nochmal die Bier-Bar?

Pünktlich zum Start des regulären Programmes öffnete auch der Himmel seine Pforten. „The Astronauts have landed“ eröffneten den Bandreigen – und fanden offensichtlich einen Planeten vor, der vornehmlich aus Wasser zu bestehen scheint. Den wohl sentimentalsten Auftritt boten danach Dawa. Zu Tränen gerührt waren sie, als eine große Schar an Fans mitten in einem Wolkenbruch ihre Songs lautstark mitsang. Ein sympathsicher Auftritt einer sympathischen Band, von der man sicher noch einiges hören wird.

Apropos sympathisch. Das waren danach auch Mumm-Ra. Von denen hatte man ja schon länger nicht mehr unbedingt viel mitgekriegt – die Truppe rund um James New ist seit heuer wieder mit einer EP am Start und dürfte sich versöhnt haben. Zumindest dem Auftritt am Acoustic Lakeside nach zu urteilen – Lachsalven häuften sich sowohl in der Band als auch im Publikum aneinander.

Ganz speziell auch danach der Auftritt von I Am Kloot-Frontmann John Bramwell. Einen betrunkenen Fan – nennen wir einfach mal Kevin – so spontan in das Set zu integrieren, schaffen nur wenige. Wenn dieser auch so dreist ist, sich an der Weißweinflasche von John bedient, und dieser trotzdem bestens gelaunt und stimmlich so gewaltig gut durch die Bandgeschichte pflügt, ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.!

Wenn wir schon bei speziell sind, und das im positiven Sinne. William Fitzsimmons ist so eine spezielle Erscheinung. Geht auf die Bühne, stimmt die ersten Takte an, und zieht das Publikum sofort in seinen Bann. Eine unverwechselbare, berührende Stimme, und ein facettenreiches Repertoire, das seine bewegte Lebensgeschichte fast spüren lässt – als Gesamtpaket ein großartiger Singer/Songwriter. Spätestens mit „Lions“ im Olymp dieser Zunft angekommen.

Es ging dann auch schon dem Ende zu. Aber, was für ein Ende! Maximo Park bildeten nämlich den Abschluss dieser zweieinhalbtägigen Liebesbeziehung. Paul Smith in feinster Dandy-Manier auf der Bühne, und das wohl intimste Setting, das Österreich je bei einem Maximo-Park-Konzert gesehen hat. Ganz leugnen konnten sie ihre Wurzeln nicht – Paul stand ebensowenig still wie die Fans vor der Bühne. Dieses Konzert schreit förmlich nach einer Akustik-Platte – genauso wie dieser Abschluss fast nach einer Wiederholung schreit.

Eine Liebesbeziehung, die auch im Jahr 2014 Bestand hatte. We definetely fell in love with the Lakeside, again! Und freuen uns schon auf das Intermezzo im Jahr 2015!

Text: Christoph Thorwartl
Foto: Christoph Thorwartl,  Benedikt Reiter, Michael Straub, Ella Kronberger

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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