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ED SHEERAN – Nebendarsteller im Displaymeer

ED SHEERAN – Nebendarsteller im Displaymeer

Kuschelginger ED SHEERAN sorgte mit Sack und Pack für ein ausverkauftes Arena Open Air. Live erlebt hat ihn und seine Supportacts RYAN KEEN und SAINT RAYMOND etwa die Hälfte der Anwesenden.

Konzertfotos gibt es dank dem Management von ED SHEERAN übrigens keine. Die Tourleitung entschloss sich kurzfristig doch keine Fotopässe auszuhändigen. Aber als kleine Entschädigung werden ein paar „Übersichtsaufnahmen“ dazwischengesprenkelt. Die Ironie, dass diese Fotos übrigens mit einem Smartphone erstellt wurden, bleibt dabei natürlich nicht unentdeckt.

ED SHEERAN @ Full Hit of Summer w/ ED SHEERAN & Guests

Aber gut, optisch hat man eh nicht viel versäumt, auch wenn Herr SHEERAN um einiges energiegeladener und interessanter ist, als man es im Vorfeld vermutet hätte. Opener RYAN KEEN aus Totnes, UK hingegen ist eine Schlaftablette, wie sie die Welt bis dato nicht gesehen hat. Hier wirkt im Vergleich sogar Vorzeigenarkoleptiker PAUL BANKS wie ein hyperaktiver Überrockstar. Gemütlich würgt RYAN KEEN seine Klampfe und haucht seine Herzschmerzbotschaften ins Mikrophon.
Gekreischt wurde von der überwiegend weiblichen, minderjährigen Kundschaft trotzdem bis zum Exitus. Ob dies auf eine eindrucksvolle Anhängerschaft von RYAN KEEN hindeutet, oder einfach die Ausprägung des lange grassierenden bieber’schen Kreischsyndroms ist, konnte nicht näher bestimmt werden.

Aus dem gerade einsetzenden, vorabendlichen Halbschlaf wurde man von Herrn SAINT RAYMOND etwas unsanft geweckt. Na da schau her, ein bissl Rock wurde geboten! Naja, eigentlich Indie … naja, eigentlich klingt alles von SAINT RAYMOND wie eine weichgespülte Hipstervariante zahlreicher U2-Songs. Und eigentlich klingt alles nur wie ein schlecht abgekupfertes „City of Blinding Lights“. Den Teens war’s wurscht *kreiiiiiisch*!

Nach diesen zwei Acts mit Einsparpotential legte sich langsam aber sicher die Nacht über Wien III. Und als dann der metaphorische Vorhang aufging und ED SHEERAN die Bühne betrat, gab es natürlich kein Halten mehr. Wo vorher kein Bedarf bestand, war nun der Gehörschutz Pflicht. Das Kreischkonzert hätte selbst McCartney, Lennon & Co. blass werden lassen, Mr. SHEERAN ist dies aber mittlerweile gewohnt und gab sich gewohnt routiniert.

ED SHEERAN @ Full Hit of Summer w/ ED SHEERAN & Guests

Besonders (mittels gescheiter Vorrecherche wahrscheinlich weniger) überraschend: ED SHEERAN ist ein Livelooper! Sprich er ist seine eigene Band, nimmt einen Gitarrentrack live auf und spielt ihn über eine Loopstation wieder ab, nimmt seinen zweiten Gitarrentrack live auf, klopft auf der Gitarre die Schlagzeugtracks und nimmt sie live auf, usw, usf. Bekannt geworden ist diese Technik hauptsächlich durch liveloopende Beatboxer à la FII oder dem ungekrönten Kaiser dieser Disziplin, DUB FX. Visuell unterstützt wurde diese Einmannshow von drei ferngesteuerten HDSLR-Videokameras, die im Hintergrund die passende Stimmung erzeugten.

Hut ab, Herr SHEERAN, das hast gut gemacht! Die Fans, die nicht an ihren Smartphones klebten, hatten ihren Spaß. Die anderen sabberten geistesabwesend vor sich hin und produzierten kollektiv geschätzte 20.000 Dateien an Videosondermüll.

ED SHEERAN @ Full Hit of Summer w/ ED SHEERAN & Guests

Bereits seit Jahren wird ja gerne auf die „Generation Selfie/Smartphone“ hingewatscht und eingedroschen. Das anwesende Klientel bei ED SHEERAN zeigte auch wieder deutlich warum: eine ausverkaufte Arena und tausende Swaghetti Yolonese-Bobos, die den sympathischen Rotschopf lieber durch ihren Smartphonebildschirm betrachtete, statt die Arme zu entspannen und die Augen etwa 3° nach oben zu justieren. Während „früher“ (ja, im ominösen „Damals“ war natürlich alles besser) die Freundin auf Schultern getragen wurde, hält man nun halt das Handy nach oben. Die schmächtige Knochenstruktur der anwesenden Burschen sagt Danke. Die #YOLO-„Bewegung“ verrät sich und ihre kaum existenten Prinzipien also selbst. You only live once (Carpe Diem/Noctem für geistige Nackerbatzl) heißt es wahrlich nicht ohne Grund. Dennoch starrt die Schafherde lieber konzentriert und emotionslos auf ihre UltraHD-Displays und nimmt grottenschlechte Videos von noch grottigerer Qualität auf, die nie wieder gesichtet werden. #soMuchFun, oder so.

Klatschen fällt natürlich auch schwer, wenn das Galaxy S97 geknuddelt werden will. Wer ohne Handy dastand feierte ED SHEERAN ab, klatschte und sang mal mehr, mal weniger schief mit. Insgesamt schaffte es ED SHEERAN dennoch locker, ein wohlig-warmes Gefühl im Bauch der wirklichen Fans zu hinterlassen. Eben dieses Gefühl lässt Konzerte zu Erinnerungen werden. Und darauf kommt es ja schließlich an.

ED SHEERAN @ Full Hit of Summer w/ ED SHEERAN & Guests

#EdShamalamadingdong #nofilter #bestFuckingConcertEVER #like4Jesus #häshtäg

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Markus liefert als Teil der Wiener Fraktion von Subtext Konzertfotos aller möglichen Genres. Egal ob Hip Hop oder Black Metal - Hauptsache die Musik geht unter die Haut und drückt in den Ohren.

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