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Szene Open Air 2014 – Das Finale!

Szene Open Air 2014 – Das Finale!

Tag drei, der Marathon der letzten Tage macht sich langsam bemerkbar. Der finale Tag am Szene Open Air 2014 ließ aber nochmals mit einem hochkarätigen Lineup aufwarten: die Babyshambles, Airbourne, Milky Chance, Deez Nuts und viele mehr ließen das Festival ausklingen.

Ok, ja, ich gebs zu. Auch für mich waren die letzten beiden Tage anstrengend. Deshalb habe ich auch den Singer/Songwriter Daniel Benzer und die Metal-Brigade „Machine Gun Horror“ verpasst. Sorry an dieser Stelle, es dürfte aber einigen so gegangen sein!

Mein Anfang daher heute „Young Rebellion“. Die sind zwar biologisch jung, starteten dafür aber mit einem der wohl schwersten Songs: einer Coverversion von „Radioactive“. Aber auch die anderen Songs, die selbst arrangiert waren, dürfen sich durchaus sehen lassen. Man darf also mal gespannt sein, ob, wann und vor allem was man von ihnen noch hören wird.

„65 Days of Static“ standen danach auf der Hauptbühne. Der Wettergott dürfte deren Namen als Programm genommen  haben, setzte doch mit Beginn des Konzertes sintflutartiger Regen über dem Festivalgelände ein. Einige Unerschrockene wagten dennoch, getreu dem Motto „Hupf in Gatsch!“, den Weg nach vorne in die erste Reihe. Enttäuscht wurden sie nicht, die Mischung aus elektronischen Einflüssen mit einer Prise Stoner Rock erweist sich als gelungenes Duett.

Gelungen kann man auch den Auftritt der australischen Hardcore-Legenden „Deez Nuts“ beschreiben. Auch wenn JJ Peters gehandicapt an den Start ging – der Mittelfinger funktioniert mit einer Gipshand nicht – wurde gemosht, als gebe es kein Morgen mehr. Selten hat man am Szene Open Air eine solche Performance um 16 Uhr am Nachmittag gesehen! „Tonight we’re gonna party like there’s no tomorrow!“, so zumindest der Eindruck, denn die vier Jungs gekonnt vermittelten.

Kurz bevor die Fans die Hiobsbotschaft erreichte, dass die Babyshambles nicht auftreten werden, gaben „Sortout“ im Zelt nochmals richtig Gas. Melodic Metal, der zum Headbangen direkt einlud, was überraschend Viele auch taten und den Bereich vor der Bühne in einen großen Moshpit verwandelten. Thumbs up dafür, wenngleich der Sound stellenweise doch arg übersteuert geklungen hatte.

Da das Lineup aufgrund des Doherty’schen Nichterscheinens danach doch erheblich durcheinander gewirbelt wurde, war zunächst die Verwirrung groß. Nicht so beim Konzert von Milky Chance. Traurig dabei, wie so oft, dass nur bei „Stolen Dance“ so richtig Stimmung aufkommen wollte. Die – nicht schlechten! – anderen Songs wurden bei Weitem nicht so lautstark abgefeiert wie die Hitsingle. Schade, denn das deutsche Folk-Pop-Duo hätte einiges zu bieten.

Weiter im Programm. „Eyes Seem Shut“ standen als Ersatz von „Defrage“ auf der Bühne. Defrage? Ja, die. Das sind jene Esten, deren CDs oft in den Bahnhöfen und Fußgängerzonen dieses Landes feilgeboten werden. Sie sagten aus „bandinternen Gründen“ ab. Der Ersatz konnte sich sehen lassen und bot ambitionierten, wenn auch nicht komplett ausgegorenen Hardcore. Fans dürften sie angesichts des guten Slots trotzdem einige neue gewonnen haben.

Danach begann die Rochade. Claire, ursprünglich als letzte Band geplant, spielte ihr Set nun vor Airbourne. Und hier dasselbe Bild wie bei Milky Chance zuvor: „Games“ wurde gefeiert, alles andere war gut, wurde aber vom Publikum höchstens wohlwollend zur Kenntnis genommen. Auch hier: schade drum, und nicht auszudenken, wie gut die Band Late-Night in einem vollen Club ankommen würde!

Apropops Late-Night: während man sich im Zelt gleich zwei Mal mit Chronic City unterhalten durfte, rutschten Airbourne in den Headliner-Slot. Und die vier Jungs rund um die Gebrüder O’Keefe bewiesen einmal mehr: so muss Rock! Egal ob beim Opener „Ready to Rock“, O Keef’schen Eskapaden auf der Bühne (inklusive Wieselburger-Vernichtung), oder bei der Zugabe „Live it up“ – Airbourne rocken live immer ab! Die Stimmung ausgelassener, als sie bei den Babyshambles je sein hätte können, und das zufriedene Gefühl, eine sensationelle Show gesehen zu haben. Mr. Doherty, please stay where you are!

Nach drei intensiven Tagen ging das Szene Open Air zu Ende. Ein abwechslungsreiches Lineup, das oft zu viele Stilbrüche auf einmal bot und ein zumindest überdenkenswertes Pfandsystem sind die größten Kritikpunkte. Dass am Sonntagmorgen die Müllrückgabestelle geschlossen war und Viele um den Müllpfand umfielen, auch. Dass der Novarock-Campingplatz im Vergleich wie ein Naturschutzgebiet anmutete, ebenfalls. Hier bitte dringendst nachbessern! Ansonsten: viel Abwechslung, einige Highlights, und ein neuer Besucherrekord mit 28.000 Leuten. Bis nächstes Jahr!

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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