Ein sogenannter „falscher Fünfziger“ eröffnete am letzen Tag des verregneten Augusts die dreißigste Saison des Linzer Posthofes. Die ersten Gäste zu den Jubiläumskonzerten hatten ihrerseits auch eines zu feiern – Blumfeld sind aktuell mit „20 Jahre L’etat et moi“ auf Reunion-Tour.

Blumfeld selbst muss man nicht mehr beschreiben. 1994 sorgten sie mit ihrem damals zweiten Album „L’etat et moi“ für Furore und gelten seitdem als Vorreiter der „Hamburger Schule“. Jochen Distelmeyer, Andre Rattay und Eike Bohlken haben sich zwei Jahrzehnte danach dazu entschlossen, doch wieder mal auf Tour zu gehen. Die Jubiläumstour, in oben genannter Originalbesetzung, führte sie auch zum Ende der ersten Hälfte nach Linz. Trifft sich gut, haben sich die Posthof-Verantwortlichen gedacht. Diese haben im Vorfeld den insgesamt zweimillionsten Besucher begrüßen dürfen und ihn auch gleich mit einer Gratis-Jahreskarte belohnten. So wurden an diesem Abend gleich zwei Jubiläen gefeiert.

Die Partygäste waren dabei gut gemischt – von älteren Semestern, die wohl auch schon bei der Posthof-Eröffnung dabei waren, bis hin zu jungen Pop-Anhängern war alles vertreten. Aber zum Konzert: Als Blumfeld zu „Draußen auf Kaution“ die Bühne betreten, wird bereits in Erinnerungen geschwelgt. Eine Zeitreise sozusagen, zurück ins Jahr 1994, wo manche der gut 700 Besucher im Posthof ihre wilden Zwanziger hatten (und andere noch in die sprichwörtlichen Windeln gemacht haben).

Der Spagat zwischen altbacken und dennoch, noch immer, zeitgenössisch, glückte allerdings. Kein Konzert, wo völlige Ekstase herrscht, wie man es in neueren, vor allem musikalisch simpleren Konzerten gewohnt ist. Ekstase bei Blumfeld findet eher im Inneren statt – falls man sich mit ihnen identifizieren kann. Der Fokus wird auf die Texte gelegt – „Diskurs-Pop“ nennt man das angeblich. Da gibt es keine Drei-Zeilen-Refrains, da sind die Texte, ja, man verzeihe dieses Wort, eloquente Abhandlungen über Gott (eher weniger) und die Welt (eher mehr). Und man wirft unweigerlich die Frage auf, ob Blumfelds „Diskurse“ nicht aktueller denn je sind.

Knapp eineinhalb Stunden wühlen sich Distelmeyer und Co durch das Blumfeld-Repertoire, schwitzen und spucken auch heute noch auf der Bühne, und spätestens als „Verstärker“ als Abschluss erklingt, waren eigentlich alle glücklich. So glücklich, dass gleich noch eine Zugabe gespielt wird. Sollte man verzeihen können, dass Jochen Distelmeyers Humor über die Jahre noch trockener geworden ist, wurde man prima unterhalten und gratulierte nicht nur dem Posthof, sondern auch der Band zu einem gelungenen Jubiläum.

Fotos: Christoph Thorwartl, Julia Dresch

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