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THE GASLIGHT ANTHEM: Broken Heart Syndrome

THE GASLIGHT ANTHEM: Broken Heart Syndrome

Ein großer Fisch in seichten Gewässern. Gut ist: Die aktuelle neue Platte von The Gaslight Anthem ist nicht so misslungen wie befürchtet. Schlecht ist: Sie kann leider nicht ganz mit den vier Vorgängern mithalten. Melancholisches Schmachten, Jersey Shore-Romantik, Hau-drauf-Mentalität und Workingclass-Lyrik von der Stange – auf „Get Hurt“ feiern Mainstream und Underground Arm in Arm. Will man das?

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Zwei Jahre nach dem bereits vieldiskutierten Majoreinstand „Handwritten“ hat sich die Band erneut umorientiert. Statt Bruce Springsteen und seiner E-Street Band zu huldigen, wurde kurzerhand Eddie Vedder als neue Galionsfigur auserkoren. Pearl Jam (in ihrer „No Code“-Phase) standen überhaupt Pate bei der Entstehung des Albums. Im Grunde kein schlechter Zug, wenn das Resultat bloß zufriedenstellender wäre. 2014 hat die Formation aus New Jersey auch keine Angst davor, ein plakativ fragwürdiges Covermotiv wie ein umgedrehtes Herz auszuwählen. Sei’s drum.

Die Devise: Neue Wege gehen und in Angriff nehmen, wenn die alten zu keinem Ziel mehr führen. Nichts bleibt, wie es ist – so die Aussage in „Selected Poems“, die weder neu noch wirklich aufschlussreich ist. Trotzdem beschleicht einen das Gefühl, dass hier viel zu vorsichtig, zahm und behutsam agiert wird. Angepasst und souverän statt knackig und überraschend – selbst der harte Einstieg mit „Stay Vicious“ wirkt kalkuliert. Der Opener ist zwar angenehm brachial, danach tritt die Gleichförmigkeit schnell auf den Plan. Der Titeltrack traut sich immerhin zu einer selbstbewussten Powerballade anzuschwellen, doch der Funke springt sprichwörtlich nicht über. Die Taschentücher können getrost aufgespart werden. Selbst die sensible Melodiösität von „Break Your Heart“ ist kein Gänsehautgarant. Gut, dass die muntere Single „Rollin‘ And Tumblin’“ noch das Zeug dazu hat, einen durchzuschütteln.

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Mit der wunderbaren Zeile „And if I thought it would help I would carve your name into my heart“ fräst sich gerade der unaufhaltsame Schlusspunkt „Dark Places“ in die Gehörgänge – und bleibt dort für eine Weile. Songs von diesem Kaliber fehlen auf ganzer Linie. Brian Fallon hat den Punkrock scheinbar nicht mehr nötig. Wer zuckt in dem Moment nicht mit seinen tätowierten Schultern?

„Get Hurt“ ist ein klassisches Trennungsalbum. Fallon verarbeitet die Scheidung von seiner Frau, die zu Beginn auch für alle Management- und Promobelange von The Gaslight Anthem zuständig war (hier spricht der Autor aus Erfahrung). Vor lauter Kummer über den Verlust scheint sich der Sänger aber nicht in einem tiefen Loch verkrochen zu haben. Musikalisch wird die raue Schale auch immer glatter. „Get Hurt“ ist letztendlich exakt das, was man von The Gaslight Anthem erwartet. Und das gab es schon mal besser. Was dieser Platte fehlt: Charme und Esprit. Flair und das gewisse Etwas. Wer den bisherigen Backkatalog der Band im Schrank stehen hat, muss „Get Hurt“ nicht zwingend dazustellen.

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