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The Drums: Encyclopedia

The Drums: Encyclopedia

Der Mann mit den zu kurzen Shirts hat wieder einmal zugeschlagen. Johnny Pierce und sein Gründungskumpane Jacob Graham, mittlerweile die übrigen zwei Bandmitglieder losgeworden, schaffen mit ihrem neuen Album Encyclopedia kompositorische Höhen und Tiefen, die von atmosphärischen Underground-Klangspektren bis hin zu depressiv anmutenden Sounds führen. Stilistisch wäre es (wenn es möglich ist, einem so vielseitigen Album wie diesem, ein Genre zuzuschreiben) wohl am ehesten in Richtung No-Wave oder Garage einzustufen.

Gleich der erste Song Magic Mountain erinnert nicht gerade an die teils sonnigen Gemütslagen ihres selbstbetitelten Debutalbums. Diese vermisst man auch bei den restlichen Songs von Encyclopedia. Ein Stück weit zugänglicher scheinen Nummern wie I Hope Time Doesn’t Change Him oder Deep In My Heart zu sein, was vermutlich an den eher harmonierenden Hooks und Gitarren-Arrangements liegen mag, die (wenn man so will) in typischer The Drums-Manier gehalten sind und von ihrem langatmigen, aber einprägsamen Charakter leben.

Geradezu verstörend wirken die beinahe unerträglichen Intervalle des stechenden Synth-Sounds bei Bell Labs oder die Vokalarrangements der Strophen von Kiss Me Again. Man hat jedoch den Eindruck, dass Songs wie diese auch Anspruch auf das Erreichen dieser unliebsamen, weil schwermütigen Gefühlsebenen erheben.

Ohrwurmcharakter hat einzig There Is Nothing Left. Kurze Einwürfe des Synthesizers und der simple Aufbau des Refrains schaffen diese geradezu erleichternde Konnotation.Passend zur Stimmung und zu dem nebulösen Klangspektrum des Albums vermitteln die Texte keine euphorischen Ekstasen. Was aber nach oftmaligem Anhören der gesamten Platte feststeht ist wohl, dass The Drums mit großer Euphorie an das Projekt Encyclopedia gegangen sein müssen. Irgendwie (und es scheint unmöglich herauszufinden, welche Elemente dazu führen) schafft es dieses Duo, einen roten Faden durch die mannigfaltigen Ideen und Stile, die eindeutig als schwere Kost gelten, zu ziehen. Wenn es eine Schönheit in der Verstörung geben mag, dann wird sie vielleicht mit Encyclopedia auf den Punkt gebracht.

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Plattenliebhaber, leidenschaftlicher Konzertbesucher, Gitarrist und Sänger bei Back to Felicity, schreibt seit 2014 für Subtext (vorwiegend Konzert- und Albumrezensionen).

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