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Filmreview: „Tage ohne Musik“ (Kinderfilmfestival)

Filmreview: „Tage ohne Musik“ (Kinderfilmfestival)

Zum bereits 26. Mal  fand in Wien, Teilen der Steiermark und in Linz das gut besuchte „KINDERFILMFESTIVAL“ statt. Mitorganisiert von den Kinderfreunden und dem Verein Pitanga ließ es die kleinen und großen Zuschauer für einige Stunden in eine andere Welt, die Welt der Filme, entschlüpfen.

Argentinien, Ende der Sommerferien, Hitze und der erste Schultag. Sebastián, der neunmalkluge Zehnjährige wird noch schnell in sein schönstes Hemd gesteckt, bevor er mit etwas mulmigem Gefühl die neue Schule betritt. Aller Anfang ist schwer, neue Stadt, neue Kinder, neue Schule, neue Freunde? Diese und andere Gedanken kreisen in Sebastiáns Kopf, als er auf die beiden Burschen Guzmán und Email trifft. In der Aula wird noch halb-ehrfürchtig, aber mehr gelangweilt die argentinische Nationalhymne gesungen, als die drei Burschen mit einem blöden Witz und mit der Kraft ihrer Gedanken die Musiklehrerin zu Tode wünschen. Gerade noch gelacht, scheint der innige, kuriose Wunsch seine Auswirkung zu zeigen und lässt die Frau tatsächlich tot umfallen. Fassungslos beschließen sie ihre geglaubte Gräueltat wieder gut zu machen, indem sie um Vergebung bitten wollen.

Durch den Vorfall bedingt wird die Schule für einige Tage geschlossen, was  Sebastián, Email und Guzmán näher zusammenkommen lässt. Aus beiläufigen Spielkameraden entwickeln sich schnell Freundschaften und dies lässt den oft harten argentinischen Alltag etwas leichter wirken. Durch die unterschiedliche soziale Herkunft der Freunde und deren Eigenschaften kristallisiert sich heraus, dass jeder der Jungs gebraucht wird, um einer Vergebung näher zu kommen. Egal ob der übergewichtige Email, der andauernd nur vom Essen träumt, Karate liebt und alles verteidigt, was ihm wichtig ist – selbst seinen drogendealenden Vater, der Analphabet ist. Guzmán muss bei seiner böswilligen Großmutter leben, die ihm bei Zuspätkommen das Essen verweigert und ihn seinem Vater verschweigt, der als Erntehelfer Trauben beim Nachbarn erntet. Oder Sebastián, der immer mit seinen klugen Artikeln aus den Wissenschaftsmagazinen die kleine Alltagswelt retten will, indem er beispielsweise seinen arbeitssuchenden Vater bei den Jobanzeigen unterstützt.

Mit vereinten Kräften besorgen sie sich die Adresse des Bruders der verstorbenen Musiklehrerin und brechen dort ein. Als sie von ihm gestellt werden, bitten die Freunde auch gleich um Vergebung. Doch dieser beginnt nur zu schmunzeln und erklärt, dass seine Schwester schon länger Krebs gehabt hätte und es ihr in der letzten Zeit gesundheitlich immer schlechter ginge. Mit einem Freunde-Foto radeln sie noch zur Urne der Musiklehrerin. Schon etwas mehr erleichtert aber noch immer nicht “ ganz freigesprochen“ von ihren Schulden, beginnen die drei Freunde sich von nun an eher mehr auf ihre eigenen Zukunft zu konzentrieren. Email verliert zwar seine Karatemeisterschaft, bekommt aber dennoch ein Mädchen ab, das ihn mag. Guzmán versteckt sich als blinder Passagier auf den Erntewagen Richtung Norden, um seinen Vater zu finden und Sebastián fährt nach Hause.

Obwohl dieser Film eher tiefgründig war, war der Mittelpunkt der Geschichte, die „Vergebung der Schuld am Tod der Musiklehrerin“ nicht intensiv und stark genug ausgebaut. Dennoch sind die besonderen Thematiken, wie die Vater-Sohn-Beziehungen der Jungs zu ihren Vätern, dass ohne Macho-Klischees auskommt, sehr gut herausgearbeitet und auch das Leben für Kinder in unterschiedlichen sozialen Schichten in Argentinien.

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Ich, ein Mädel aus Linzer Umgebung schreibe liebend gerne Konzert-Reviews, Filmkritiken und so manch anderes über Kultur, Leute und dem ganzen Drumherum. Wortspielereien mit Gefühlen, die echten Tatsachen und Stimmungen sind mein Metier, in dem ich mich am Wohlsten fühle. Kultur wie sie leibt & lebt im Linzer Raum und sonstwo, am Puls der Zeit, niemals vergessen, sondern dokumentiert, hier auf subtext.at Das ist meine Welt, ahoi!

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