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OPETH: in höheren Sphären / Arena Wien

OPETH: in höheren Sphären / Arena Wien

Wenn jemand den Namen „Progressive“ verdient, dann die fünf Schweden von OPETH­­. Auch die Franzosen ALCEST lieferten vergangenen Donnerstag gekonnt eine sphärische Mitternachtsmesse ab.

Was als erstes an diesem ausverkauften Abend auffiel war, dass weder OPETH noch ALCEST eine gewisse Zielgruppe bedienen. Beide Bands rekrutieren ihre Fans nicht aus einer – mehr oder weniger – klar definierten Szene, sondern scheinen wirklich nur gewisse Menschen anzusprechen. Vom Goth über den Bilderbuchmetalhead bis hin zum Bubi von neben an und seinem Vater stand vergangenen Donnerstag ein repräsentativer Querschnitt durch die heimische Demographie in der Arena Wien.

Bereits bei ALCEST musste man sich schon fragen, wer von den beiden Bands überhaupt der Headliner war. Denn die Franzosen wurden mehr als gebührend für ihren sphärischen Post-Metal abgefeiert und die Menge schwoll während des 1:15 Stunden langen Sets immer mehr an. Dass dann zu diesem extrem langsamen Shoegaze-Metal stellenweise sogar geheadbangt wurde, war zwar etwas verwunderlich, zeugt aber von den musikalischen Qualitäten der Pariser.

OPETH @ Arena Wien

 

Erst als das Set von OPETH kurz bevorstand, war endgültig klar, wer heute der Headliner ist. In der Arenahalle gab es kein Vorankommen mehr, denn ausverkauft bedeutete in diesem Fall: „So vollgestopft, dass man kaum noch zur Bar kommt“.

Vom Opener „Eternal Rains Will Come“ weg wippten hunderte Köpfe wie Ähren im Wind und die Liturgie im künstlichen Mondlicht steigerte sich von einem Höhepunkt zum nächsten, während Sänger Mikael Åkerfeldt gemütlich mit – etwas bescheidenen – Deutschkenntnissen angab und auf Liebesbekundungen männlicher Fans ein herziges „Yeah? I love you too.“ erwiderte. Die Qualität von OPETH lag jedoch nicht nur bei Faninteraktionen und sinngemäßen „Habe die Ehre“-Ansagen, sondern dem Grollen das unter der abgespaceten Prog/Alt-Metal-Fassade schlummert. Denn sobald diese Fassade bröckelte, brach der erbarmungslos donnernder Melodic Death Metal hervor, mit dem OPETH die kuschelige Wohnzimmeratmosphäre gekonnt zertrümmerten. Und genau diese Mischung aus Hart und Verträumt brachte OPETH den grandiosen Auswärtssieg in der Arena Wien.

Nach über zwei Stunden Spielzeit war der Death Metal-Ausflug in die Stratosphäre bereits wieder vorbei und als OPETH wieder an der Arena Wien andockten, entließen sie die Fanmasse wohl wunschlos glücklich in die Nacht.

Opeth Setlist Arena, Vienna, Austria 2014, Pale Communion
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Markus liefert als Teil der Wiener Fraktion von Subtext Konzertfotos aller möglichen Genres. Egal ob Hip Hop oder Black Metal - Hauptsache die Musik geht unter die Haut und drückt in den Ohren.

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