SÓLSTAFIR sind ein Phänomen der Extraklasse – wie kaum eine andere Band haben sie der Metalszene ihren unverwechselbaren Stempel aufgedrückt. Im Viper Room feierten sie daher ihre erste Headlinershow in Österreich. Mit dabei: ESBEN AND THE WITCH und OBSIDIAN KINGDOM.

Vom Semi-Opener beim Paganfest 2012, über den Co-Headliner beim Gig mit LONG DISTANCE CALLING bis hin zum ausverkauften Headliner-Gig im Viper Room vergangenen Dienstag – die Wellen, die SÓLSTAFIR schlagen, werden immer größer.

Verdienter Weise, denn mit ihrem aktuellen Werk „Ótta“ legt die Isländische Konzeptkapelle ein weiteres Meisterwerk vor, welches alle bisherigen Veröffentlichen wieder mal übertrumpft. Dies ist auch einer der Gründe, warum der Auftritt im Viper Room bereits Wochen vorher ausverkauft war. Zugegeben: der Viper Room ist nicht der größte Veranstaltungsort Wiens, doch ein so schneller Ausverkauf, trotz darauffolgendem Arbeitstag und relativ üppigem Eintrittspreis, zeugt von der Begeisterung, die SÓLSTAFIR mittlerweile weltweit auslösen.

Bevor jedoch die Fanmassen den atmosphärischen Aschewolken aus Island lauschen durften, konnten sie zwei nicht weniger eindrucksvolle Bands begutachten.

OBSIDIAN KINGDOM aus Spanien trumpften gleich zu Beginn vor einem halbvollen Haus auf und präsentierten einen markanten Mix aus experimentellem und progressivem Black Metal und verschiedensten sonstigen Metaleinflüssen. Äußerst schräg, äußerst eigensinnig, äußerst theatralisch und dabei äußerst empfehlenswert!

OBSIDIAN KINGDOM @ Viper Room

Auch das Britische Dreiergespann ESBEN AND THE WITCH ließ so manche Kinnlade auf die Viper Room-Fliesen schnalzen. Die verzerrten, basslastigen Visionen eines Fiebertraums lassen sich bei bestem Willen in keine der üblichen Genrekasteln packen. Irgendwo zwischen rohem Garagenrock, hippem Indie und düsterem Post-Rock fühlen sich die Musiker auch ohne Genrebezeichnung mehr als wohl.

ESBEN AND THE WITCH @ Viper Room

SÓLSTAFIR sind genretechnisch ja ebenfalls sehr schwer einzuordnen. Die Wurzeln im Viking Metal brechen auch bei den neuen, melodisch-ruhigen Songs gerne durch und die Würzung mit avantgardistischen Post-Rock/Metal-Elementen tut ihr übriges.

Bei den Livedarbietungen glänzen die vier Inselwikinger nicht nur mit technischen und künstlerischen Qualitäten, auch die Publikumskontrolle ist atypisch. Gewohnt wortkarg und dennoch aussagekräftig fragte Sänger Aðalbjörn Tryggvason nach dem Befinden, leitete Jubelchöre und entpuppte sich als lebender Albtraum für die Isländische Tourismusbehörde („Don’t go there. We only have vulcanos, black sand and sheep fucking each other.“). Setlisttechnisch wurde abermals auf Qualität statt Quantität gesetzt – doch bei SÓLSTAFIR bedeutet „nur zehn Songs“ dann doch „zehn Songs, die jeweils zwischen vier und zwölf Minuten dauern“. Grund zum Sudern gab es wirklich keinen – klar „78 Days in the Desert“ und „Love is the Devil“ wären toll gewesen, ebenso „Ljós í Stormi“, doch wäre dann selbst um Zwei in der Früh noch keine Schicht im Schacht gewesen.

SÓLSTAFIR @ Viper Room

So hingegen war kurz nach halb12 Ruhe im Viper Room und die Menschenmassen verabschiedeten sich nach einem ausgedehnten donnernden Abschiedsapplaus von den vier Isländern.

Und auch wenn so ein düsteres, verrauchtes Clubkonzert atmosphärisch 1A zu SÓLSTAFIR passt, gönnt man den Isländern die Rückkehr auf die größeren Bühnen Wiens – mal schauen, wie die nächste Headlinertour aussieht. Die Zeichen stehen immerhin schon mal auf Weltherrschaft!

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