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Olympique: „Wir sind als Band endlich bereit für das Album!“

Olympique: „Wir sind als Band endlich bereit für das Album!“

Olympique – das sind die drei Salzburger Fabian Woschnagg, Leo Scheichenost und Nino Ebner. Auf den Indie-Rock-Bühnen dieses Landes haben sie sich schon einen Namen gemacht. Nach zwei Jahren Vorlaufzeit ist jetzt ihr erstes Album „Crystal Palace“ erschienen. Im Rahmen des Ahoi! Pop-Festivals im Linzer Posthof haben wir die Jungs vorab zum Interview gebeten.

subtext.at: Gibt es irgendetwas, was ihr gleich zu Beginn hinter euch bringen möchtet?
Leo: Ja, das unweigerliche „Wie seid ihr zu eurem Bandnamen gekommen?“.
Fabian: „Was kann man vom neuen Album erwarten“?

subtext.at: Warum glaubst ihr, dass diese alten Frage immer wieder auftauchen? 
Leo: Weil das wahrscheinlich das subtilste ist, was man eine Band fragen kann.
Fabian: Wie beim Smalltalk, so quasi wie „wie gehts dir heute“.

subtext.at: Bleiben wir zumindest indirekt beim Bandnamen. Ihr habt ja auch vorher schon in einer Band zusammen gespielt, bevor Olympique überhaupt entstanden ist. Ist der Name nicht ziemlich egal?
Fabian: Ist komplett wurscht, ja.
Leo: Bei uns ist es damals eher darum gegangen, dass wir vorher in einer Schülerband gespielt haben. Wir wollten professioneller werden und da war es ein bewusster Schritt. Da musste dieser Namenswechsel einfach sein, um auch einen Schlussstrich zum Alten zu ziehen.

subtext.at: Bleiben wir aber bei „Olympique“. Crystal Palace, eurer erschienenes Album, soll ein „Konzeptalbum wider Willen“ sein. Könnt ihr mir erklären, was für euch ein Konzeptalbum ist?
Fabian: Grundsätzlich ein Album, das unter dem Schirm eines gewissen Gefühls passiert. Wir haben in der Zeit, wo wir Crysal Palace aufgeommen haben, als Band ein gewisses Gefühl gehabt. Das haben wir, glaube ich, ganz gut festgehalten. Jetzt, im Nachhinein, ist es nicht nur textlich eine Reise. Das Motto „Der Weg ist das Ziel“ hat sich im Laufe der Zeit herauskristallisiert. Es war aber zu Beginn sicher nicht so geplant.

subtext.at: Also ursprünglich eher als Sammelsurium aller Tracks geplant, die dann auf eine CD gepresst werden?
Fabian: Eine Mischung aus dem und sehr harter Arbeit an Songs, die speziell für das Album geschrieben wurden. Aber eben ohne den geplanten Kontext.

subtext.at: Dafür, dass erst jetzt euer Debutalbum erscheint, gibt es euch schon relativ lange. Banale Frage: warum hat es solange gedauert?
Leo: Der erste Grund ist sicher –  und das klingt jetzt relativ blöd – ist, dass wir ganz einfach noch nicht bereit waren dafür. Für uns war schon immer die Devise, dass, wenn wir schon ein Album herausbringen, alles Hand und Fuß haben muss. Also schon im Sinne von Professionalät. Und da waren wir noch nicht ready dafür. Warum es dann aber trotzdem solange gedauert hat, ist auch relativ leicht. Wir wollten das bestmögliche aus dem Album herausholen – und da muss man sehr viel vorplanen. Und dann gleichzeitig noch sehr viel Vorlaufzeit haben. Das waren dann gleich zwei Jahre – vom Songs schreiben, Aufnehmen und so weiter.

subtext.at: Ihr seid also draufgekommen, dass das Dasein als Musiker nurmehr zu einem Teil aus Musikmachen besteht?
Fabian: Es ist wichtig, dass alle Faktoren zusammenspielen. Ohne unsere Musik würde es ja das ganze Projekt nicht geben – das ist der Grundstein. Das Drumherum einer „Plattenpräsentation“ haben wir vorher nicht in diesem Ausmaß wahrgenommen – und wir sind natürlich extrem froh, dass wir Leute an unserer Seite haben, die uns da an der Hand genommen haben.
Leo: Das ganze Drumherum macht man aber trotzdem nur deswegen, um am Schluss auf der Bühne stehen zu können. Es ist schon eine Unmenge an Arbeit über uns gekommen – die Musik ist aber schon noch das Wichtigste.

subtext.at: Kommen wir gleich zu eurer Musik. Wenn man sich Olympique anhört, kommt man gleich in die Indie-Rock-Schiene. Ich habe den Eindruck, dass die Entwicklung wellenförmig verläuft – in den vergangenen Jahren eher in Richtung Indie-Pop, jetzt mehr in die Richtung Rock. Würdet ihr dem zustimmen, dass ihr gerade auf dieser Welle reitet?
Leo: Dass wir auf dieser Welle reiten, würde ich jetzt so nicht sagen. Für uns war es eher der natürliche Weg, wie unsere Lieder entstanden sind.
Fabian: Aber es stimmt schon, dass gerade die Indie-Szene so läuft. Wobei mit der Begriff „Indie“ gar nicht mehr so gefällt – für mich ist es eher schon Rock. Es passt schon sehr gut hinein für uns, dass das gerade so läuft.
Leo: Ich glaube, dass generell ein Umdenken stattfindet. Dieses Plastik-Produkt gerät immer mehr in den Hintergrund – es wird wieder mehr Wert auf die Wertigkeit gelegt. Das war uns auch in der Produktion von „Crystal Palace“ wichtig – vielleicht auch ein Mitgrund, warum es so lange gedauert hat.
Fabian: Und wir uns wirklich akribisch mit jedem Puzzleteil beschäftigt haben, um ein gelungenes Gesamtkonstrukt zu schaffen.

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subtext.at: Hat es für euch auch einen Punkt gegeben, wo ihr auch mal gedacht habt, den Hut drauf zu hauen, weil so viel auf einmal zusammen gekommen ist?
Leo: Es hat natürlich auch mal ein ordentliches Tief gegeben. Wenn man ein Album aufnimmt, und keine Perspektive hat, das auch mal wirklich rauszubringen, und es unsicher war, ob wir es überhaupt veröffentlichen können, dann schlaucht das schon. Und sich an diesem Punkt nochmals motivieren zu können und den Promoprozess und Videos vorzubereiten, ist schwer. Da hat es schon mal Krisen gegeben.
Fabian: Wenn jeder auch mal privates Geld in die Hand nimmt, um die Platte zu realisieren, dann tauchen natürlich Spannungsmomente auf. Wir sind aber sicher auch gerade daran gereift – und uns kann jetzt sicher nichts mehr so leicht aus der Bahn werfen wie vorher. Insofern sind wir auch für diese Erfahrungen dankbar.

subtext.at: Ironisch gefragt: gibt es einen Grund, diese Platte nicht zu hören? Gibt es etwas, wo ihr auf diesem Album nicht zufrieden seid?
Leo: Ich sehe das als große Stärke von uns, dass wir generell sehr unzufrieden sind. Nicht im Sinne, dass wir uns selber schlecht machen, sondern eher als Lernprozess. In den letzten beiden Jahren haben wir viel erlebt, auch live. Das ist dann aber eher als Lernprozess in unsere Musik verwertet worden. Natürlich, wenn wir morgen bei Null anfangen und im Studio die selben Tracks aufnehmen würden, dann würde es ganz anders klingen.

subtext.at: Als ist Crystal Palace ein Rückblick auf die letzten beiden Jahre?
Leo: Auf jeden Fall, ja.
Fabian: Ja, und wir haben im Laufe dieser Zeit ja auch auf unseren Instrumenten massiv dazugelernt. Und auch an unserer Art, Musik zu machen – der Horizont hat sich erweitert. Darum schreiben wir auch jetzt schon an neuen Songs – damit kein Stillstand auftreten kann.

subtext.at: Also es soll nicht wieder zwei Jahre bis zur nächsten Platte dauern?
Beide (unisono): Hoffentlich nicht!

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subtext.at: Bleiben wir bei der aktuellen Platte – was Gigs angeht, habt ihr auch das Gefühl, dass der Plafond an verschiedenen Gigs relativ schnell erreicht ist?
Fabian: In Österreich schon ja, gerade für unsere Musik. Österreich ist ein so kleines Land – da ist es fast unmöglich, jedes Wochenende ein Venue zu bespielen, wo unsere Musik gefragt ist. Also wenn man nicht gerade auf Hochzeiten und dergleichen spielen will. Darum sind wir auf Reaktionen in Deutschland sehr gespannt.

subtext.at: Habt ihr auch das Gefühl gehabt, dass es schwer ist, auch in Deutschland Fuß zu fassen?
Leo: Man muss es angehen – man muss das Material liefern, um die ganze Promo anzugehen. Rückblickend ist es also schon fast gut, dass es eben solange gedauert hat. Wir sind wirklich ready, das Album zu präsentieren. Auch als Band.

subtext.at: Auch von mir eine Standardfrage zum Schluss: euer absolut beschissenster Gig so far?
Fabian: Bergwerk Neusiedl. Ganz klar. Weil es einfach scheisse war.
Leo: Das war schon der Tiefpunkt.
Nino: Wir sind da zu naiv herangegangen. Wir wollten halt in Österreich wieder mal spielen – da in Graz und Neusiedl. Natürlich kannte uns dort keine Sau, aber lehrreich war es sicher.

subtext.at: Also eher eine öffentliche Probe?
Nino: Der Auftritt war schon gut, halt weniger live, sondern eher eine Live-Probe.

Links und Webtipps:

Fotos: Christoph Thorwartl

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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