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Bitterböses Spiel mit der Angst vor dem Fremden

Bitterböses Spiel mit der Angst vor dem Fremden

Einen Tag vor der SVP- Initiative „Gegen Masseneinwanderung“ (Schweiz)hatte das Stück „Wir sind keine Barbaren“ (Löhle) Uraufführung. Ein Jahr später hat Angst als Mittelschichtphänomen durch PEGIDA, IS oder die Anschläge auf Charlie Hebdo weiter zugenommen. Ein Heimatchor zur Identitätsstiftung, dargestellt von Fuckhead, und idiotische Figuren, die man nicht komplett auslachen könne, fügen sich im Phönix Theater idyllisch zur Weltpolitik hinzu.

Harmonie: Die Gemeinschaft wird nicht nur großgeschrieben, sondern besungen. Wir haben schließlich dieselbe Lebenserwartung, Hobbys und Freunde. Ein erstes negatives Kennenlernen hält uns nicht von einer zukünftigen Freundschaft ab, gerade wenn wir gemeinsame Interessen wie Flachbildschirme und Yoga teilen. Wir heißen in diesem Stück Barbara (Rebecca Döltl), Mario (David Fuchs), Linda (Judith Richter) und Paul (Felix Rank). Wir sind zwei Paare, die nebeneinander wohnen. Eines Nachts taucht ein Fremder auf, den Barbara in ihrer Wohnung unterbringt. Das bisherige Wir verliert an Bedeutung; ist man sich doch uneinig darüber, ob man ihm Hilfe leisten oder doch lieber furcht-und wachsam sein soll. Man weiß ja weder seinen Namen noch könne man die von ihm ausgehende Bedrohung oder Verlockung einschätzen.
Bevor sich Mario, Linda und Paul eine feste Meinung bilden und eine Entscheidung treffen, sind Barbara und der Mann auch schon verschwunden…

Johannes Maile („Waisen“) inszeniert „Wir sind keine Barbaren“ im Löhle´schen Stil mit schwarzem Humor. Ein Spiel mit der Angst vor dem Fremden, abgrundtief, jedoch auch eine Verbindung von negativem mit positivem Rassismus. Einerseits Bezeichnungen wie Sozialschmarotzer/innen, salonfähige Einwände gegen Ausländer/innen und andererseits Übertriebenes wie das Hören von Musik, die ausschließlich von einer bestimmten Ethnie produziert wird(weil man dieser z.B. mehr Rhythmus zuschreibt).

Der Heimatchor dient dabei zugleich zur Abschottung und zur Stärkung einer Identität, eines Wir-Gefühls. Didi Bruckmayr, Fuckhead-Gründer (zuletzt im Theater Phönix mit „Heart of darkness“), bringt neben seiner musikalischen Darbietung (Musik: Armin Lehner) Statistiken und westliche Ängste ins Geschehen ein. Dadurch werde das Stück allgemeiner, das Publikum schiebe die Thematik weniger von sich weg, so Philipp Löhle (*1978; „Genannt Gospodin“, „Lilly Link“, „Die Überflüssigen“ u.a.)im Gespräch mit Mirka Döring.

Zu sehen gibt es „Wir sind keine Barbaren“ fast täglich bis zum 15. März, jeweils um 19.30 Uhr.

Titelbild: Christian Herzenberger
Link zur Stückbeschreibung: http://www.theater-phoenix.at/spielplan.php?action=content&s_id=370

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Katharina ist Soziologin und Sozialforscherin (P und P Sozialforschung). Darüber hinaus ist sie regelmäßig journalistisch tätig, z.B. in Form von Praktika (Radio Oberösterreich, Neues Volksblatt,...) oder freier Mitarbeit bei Redaktionen. Sie beschäftigt sich vor allem mit gesellschaftlichen und kulturellen Themen.

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