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PEGIDA und noPEGIDA – In & Out

PEGIDA und noPEGIDA – In & Out

Rund 1800 GegendemonstrantInnen, 700 Polizisten, 100 PEGIDA-AnhängerInnen und ein Hubschrauber – das ist die Schlussbilanz der zweiten PEGIDA/noPEGIDA-Demo in Linz. Durch die Polizei weit besser abgetrennt als bei der letzten Demonstration stießen die Fronten dieses Mal nicht ganz so hart aufeinander, die Pegida-DemonstrantInnen konnten ihre Anliegen so jedoch nur abgeschirmt von der Öffentlichkeit (und mancher Journalisten) kund geben. subtext.at hat sich sowohl unter die GegendemonstrantInnen als auch unter die PEGIDA-AnhängerInnen gemischt.

PEGIDA IN

Für heute hat die PEGIDA Oberösterreich ihren zweiten Spaziergang in Linz angekündigt. Der Termin wurde von Sonntag auf Samstag verschoben, um halb 4 soll es dann losgehen. Kurz nach 13.00 beginnt die Polizei, die Straßen rund um den Bahnhof abzusperren und den Verkehr umzuleiten. Ein Platzverbot vom Landesdienstleistungszentrum über die Kärtnerstraße bis zur Goethekreuzung wird errichtet. Mitten im Volksgarten parken an die 30 Busse der Polizei, das Volk muss den Park hingegen verlassen. Die Straßenbahn darf bei der Haltestelle Goethekreuzung nicht mehr stehenbleiben. Ich begebe mich zur Schleuse vor dem Bahnhof und werde von der Polizei nach Kontrolle des Presseausweises und Rücksprache per Funk eingelassen. In der Sperrzone sind noch viele Passanten unterwegs die noch nicht so recht wissen was hier gerade passiert. Vor dem LDZ sind fünf Mitglieder von Pegida mit dem Aufbau beschäftigt. Es ist 13.45.

Eine Dame mit Kinderwagen spricht mich an, wo denn die Demo ist die um 13.30 beginnen hätte sollen. Ich erkläre ihr, wer wo und wann demonstriert, sie wollte anscheinend zum Hauptplatz. Dafür ist die ältere Dame und Pegida-Anhängerin schon hier, die letztes mal versehentlich am Hessenplatz in der Gegendemo gestanden ist.  Wir plaudern freundlich. Mittlerweile steht ein PKW-Anhänger als Bühne  für die Kundgebung in Position. Als ich ihn fotografiere, kommt Markus Hametner, der Sprecher von PEGIDA OÖ, auf mich zu und will mich dazu bewegen, die Sperrzone zu verlassen. Ich hätte da nix verloren, sagt er. Später will er mich nochmal, vor mehreren Medienkollegen, rauswerfen.  Sonst tut sich nicht viel.

Um 15.00 sind schon deutlich mehr JournalistInnen hier, Hametner wird von der Polizei nochmal gebrieft. Kundgebung und Spaziergang werden mitgefilmt und ausgewertet, bei groben Verstößen wird eingeschritten und aufgelöst. Auch die Gegendemonstranten sind bereits eingetroffen und im Park vor dem Bahnhof deutlich zu hören. Ein Bus der Pegida dürfte auch eingetroffen sein, die Menge wird größer. Hameter betritt die Bühne am Anhänger und sagt, der Gastredner und einige Anhänger werden außerhalb der Sperre aufgehalten und kommen nicht durch. Aber er beginnt schon mal. „Lasst die Hände unten“, sagt er wie bereits beim letzten Mal,  und „wenn, dann nur mit der Linken“.

Kurz drauf ist der Gastredner hier. Ignaz Bearth, der Chef der Direktdemokratischen Partei Schweiz spricht. Seine Partei hat enge Verbindungen zur rechtsextremen französischen Front National. Im Park werden die Gegendemonstranten lauter, die Boxen werden für Bearth voll aufgedreht. Danach kommt auch noch Bernhard Scheurecker von der Direkt-Demokratie-Initiative zu Wort. Auch er nicht unbekannt, ist auch bei der letzten Demo mit vielen Flugblättern unterwegs gewesen und hat gerne mit Gegnern und Befürwortern der Pegida diskutiert.

Nach der Kundgebung macht sich Pegida bereit für den Spaziergang. Fast im Laufschritt legen die AnhängerInnen los, werden von Hametner immer wieder gebremst. Vor dem Musiktheater stehen unzählige BesucherInnen einer Vorstellung, die etwas irritiert über den Demozug hinwegblicken. „Was ist denn das für eine Veranstaltung“, fragt mich eine Theaterbesucherin. „Die Pegida? Aha.. und wer ist das?“. Die Demo dreht eine Runde um den Park, innerhalb der Absperrung der Polizei. Außerhalb stehen an vielen Querstraßen Gegendemonstranten.

Am Rückweg zum Bahnhof macht Hametner noch auf eine Spendenkassa aufmerksam, die helfen soll, den Spaziergang zu finanzieren. Vor dem LDZ wird noch für ein Gruppenbild posiert, dann folgt der Hinweis, sich geordnet und in kleinen Gruppen aufzulösen. Schnell ist ein Großteil der 100 TeilnehmerInnen verschwunden. Nur ein harter Kern möchte in den Bahnhof, vor dessen Eingang die Gegendemonstranten feiern. Drinnen muss die Polizei die beiden Gruppen dann nochmal trennen, die Pegida lässt den Abend in einem Lokal im Untergeschoß ausklingen.

PEGIDA OUT

Nach einem Demonstrationsmarsch des Bündnisses „Linz gegen Rechts“ vom Linzer Hauptplatz zum Hessenplatz mit rund 1800 TeilnehmerInnen versammelten sich die meisten GegendemonstrantInnen vor dem Hauptbahnhof um die polizeilich großräumig abgeschottete PEGIDA-Kundgebung so gut wie möglich zu stören. Rund 1300 Menschen gaben für zwei Stunden mit Buh-Rufen, Sprüchen und Trillerpfeifen ihre Abneigung gegen die auf der PEGIDA-Bühne sprechenden Personen und ihren ZuhörerInnen bekannt. Bei den GegendemonstrantInnen waren von satirischen Bannern wie „Deutsche raus aus der Ostmark“ oder „Dumbledore hätte das verhindert“ bis hin zu solidarischen Transparenten für Muslime und AsylwerberInnen alles vertreten.

Nachdem die PEGIDA-AnhängerInnen ihre Kundgebung am Bahnhof beendet hatten, machten sich diese auf einen Spaziergang durch den Volksgarten, welcher größräumig von der Exekutive abgesperrt war, auf. Auch die GegendemonstrantInnen setzen sich sofort in Bewegung um (vorbei am Platzverbot) in der Volksgartenstraße/Ecke Stelzhamerstraße erneut ihre Abneigung gegen PEGIDA kundzutun.

Nur knapp 500 Metern marschierte PEGIDA, um dann wieder Richtung Bahnhof umzukehren. Auch die GegendemonstrantInnen machten sich wieder auf den Weg um dort rund 20 verbliebenen PEGIDA-AnhängerInnen die Rückreise so schwer wie möglich zu gestalten. Kurzzeitig verlagerte sich die Demonstration sogar in das Bahnhofsgebäude, während am Vorplatz noch gegen PEGIDA getanzt wurde.

Von DemonstrantInnen als auch Exekutive konnte friedliches Verhalten beobachtet werden. Zwischenfälle sind uns keine bekannt, die Polizei berichtet von einem Pressefotografen, der von Gegendemonstranten „beschimpft und leicht verletzt“ wurde.

UPDATE 1Diese Information traf erst nach Veröffentlichung des Artikels ein
Nach den Protesten wurden laut mehreren Quellen GegendemonstrantInnen von PEGIDA-AnhängerInnen am Bahnsteig angegriffen. Vier Personen mussten in Folge dessen im Krankenhaus behandelt werden. In Reaktion darauf fand am Montag eine Kundgebung gegen Rechte Gewalt am Linzer Taubenmarkt statt. Auch schon in Wien konnten ähnliche Vorkommnisse beobachtet werden.

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Benedikt ist verantwortlich für die Organisation der junQ.at-Veranstaltungsreihe qlash.at und hält auch subtext.at technisch in Schuss. Er studiert derzeit an der Kunstuniversität Linz und gibt alles für ein paar Takte gute Musik.

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