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Bernhard Eder – Nonsleeper

Bernhard Eder – Nonsleeper

Erstmal den nicht vorhandenen Schlaf aus den Augen wischen und sich dann von Bernhard Eder aus dem Bett ziehen lassen – auf eine melancholische Reise für alle Nichtschläfer.

Rund zweieinhalb Jahre hat der Oberösterreicher gebraucht, um aus der grandios vollbrachten Trennung noch gestärkter zurückzukehren: Denn obwohl Post Breakup Coffee bereits ein von vielen Seiten gefeiertes Werk war, schafft er es, mit Nonsleeper noch eine Stufe höher zu steigen. Und bleibt, trotz der hörbaren Weiterentwicklung, seinem Sound glücklicherweise so treu, dass man eigentlich von einem „waschechten Eder“ sprechen muss.

Für alle, die Bernhard Eder (noch) nicht kennen, der Versuch einer kurzen Erklärung: Der oberösterreichische Musiker (aus dem Hausruckviertel) singt Englisch, hat bisher fünf Alben veröffentlicht, tourt (offenbar) dauerhaft und gilt schon seit einiger Zeit als der Inbegriff eines österreichischen Singer-/Songwriters internationalen Formats. Und das hat nicht nur damit zu tun, dass seine Stimme jener des viel zu früh verstorbenen Elliot Smith sehr ähnlich ist. Nein: Eders Texte sind gehaltvoll, seine Songs großartig geschrieben und komponiert – und im Gegensatz zum vergangenen Album kommt seine Stimme in diesem Album wieder voll zur Geltung. (Im Nachhinein verstehe ich die stimmliche Rücknahme im Post Breakup Coffee übrigens besser- bei so eine Trennung wird man schon mal von anderen Geräuschen übermannt und muss zwangsläufig ruhiger werden.

Was definitiv neu ist (oder?), sind die Gastmusiker und -musikerinnen, die er zu Nonsleeper eingeladen hat: So ist „In Confidence“ ein Duett mit der Berliner Singer-Songwriterin Mari Mana inklusive Kalimbaklängen der Australierin PHIA, Oliver Welter von Naked Lunch greift bei „Inside Joe Hill“ unter die Arme, und gemischt wurde das ganze Album vom Fuzzman (und Naked Lunch-Mitglied) Herwig Zamernik. Zu meinen Favoriten des Albums zählen dabei „The Queen and The Knight“, das besagte Duett „In Confidence“ und das Abschlusslied „The great Gig under the rose-coloured sky“.

Fotografin: Cornelia Reidinger

Fotografin: Cornelia Reidinger

Wie beschreibt man Eders Musik am Besten? Die Lieder haben eine besondere Ruhe (bis auf Nonsleeper, dessen „Outro“ einen soundtechnisch irgendwie wachrüttelt), sie sind wunderbar melodisch, ziehen sich langsam durchs ganze Album, aber nicht träge oder schwermütig, sondern doch in einem bestimmten Tempo. Sie berühren schon beim ersten Hören (obwohl man vielleicht den Text noch nicht versteht) und sind – das hört der Musiker wahrscheinlich nicht so gern – auch großartig zum Einschlafen. Aber nachdem ich Eder vor 8 Jahren das erste Mal live und erst dann auf CD gehört habe (und seither zwei weitere Male live), empfehle ich sowieso jedem Fan (und Noch-nicht-Fan) ihn einmal auf seiner diesjährigen Tour anzuhören: Da hinterlässt Eder einen noch tieferen Eindruck, erzeugt Gänsehaut und schafft eine ganz besondere Atmosphäre.

15.05. Linzfest, Linz (A)
22.05. Arge Kultur, Salzburg (A)
23.05. Fluc, Wien (A) – Tron Records Labelnight
24.05. Papierfabrik, Graz (A)
28.05. Die Bäckerei, Innsbruck (A)

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29 Jahre alt - Literarischer Blogger (Neon|Wilderness), Autor ("Volle Distanz. Näher zu dir"), Medienblogger (dominikleitner.com), Printschreiber (MFG Magazin), freier Journalist (u.a. BZ), CD-Kritiker (subtext.at) und Detektiv (365guteDinge)

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