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Crossing Europe 2015: Welp

Crossing Europe 2015: Welp

Ein Wochenende in wilder Natur, abseits der Annehmlichkeiten von Zivilisation und Technik, abends Gruselgeschichten am Lagerfeuer. Das alles gehört so selbstverständlich zu einem Pfadfinderlager wie die Badehose zum Strandurlaub. Was aber, wenn die Geschichten plötzlich zur Realität werden?

Als in der Nacht einige Gegenstände verschwinden, verdächtigen die Aufsichtspersonen natürlich erst die Kinder. Auch wenn Außenseiter Sam behauptet, er habe Kai, den Werwolf aus der Gruselgeschichte, gesehen. Als Lügner bezichtigt streift Sam auf der Suche nach Kai durch den Wald und stolpert dabei über ein seltsames Baumhaus unweit des Lagers. Doch die Kreatur, die dort lebt, ist nicht die größte Bedrohung, diese lauert unter der Erde. Denn unter dem Wald erstreckt sich ein weit verzweigtes Tunnelsystem.
Anfangs werden die ZuseherInnen mit wunderschönen Landschaftsaufnahmen auf den Campingtrip eingestimmt. In schnellen Schnitten präsentiert Regisseur Govaerts dann jedoch die actiongeladenen Szenen – wenn etwa der Tunnelbewohner, aber nein, das würde jetzt spoilern… Insgesamt findet Welp eine hervorragende Balance zwischen Storyelementen, Action, Schockerszenen und Suspense. Und auch den mitunter ziemlich fiesen Fallen wird der nötige Platz eingeräumt ohne damit zu nerven (SAW, I’m looking at you!).
Ähnlich ausgewogen ist auch der Sound. Meist dezent im Hintergrund trägt der Soundtrack ungemein zur insgesamt dichten Atmosphäre bei. Und auch die Effekte wurden angenehm eingepegelt und nicht wie bei viel zu vielen Horrorfilmen auf unerträgliche Lautstärken gehoben.Als Kritikpunkt könnte man den mitunter derben Humor anführen, aber wer nicht lachen kann, wenn Kinder massakriert werden, sollte von Welp ohnehin die Finger lassen.

Fazit: Eine Pfadfindergruppe campt mitten im Wald, was kann da schon schief gehen? In einer Horrorkomödie wie Welp natürlich alles. Vor allem wenn in diesem Wald (angeblich) ein Werwolf haust. Jonas Govaerts‘ Debütfilm überzeugt mit Witz, raffiniertem Design (Kais Maske!) und einem für aktuelles Horrorkino eher ungewöhnlichen Ende. Und wie der Regisseur bei der Filmpräsentation treffend anmerkte, haben wir hier in Österreich ja eine gewisse Affinität zu Irren mit Folterkellern. Fieser, feiner Horror aus Belgien.

 

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