Mit Don Hertzfeldt hat das Vienna Independent Shorts (VIS) letzte Woche einen herausragenden Animationsfilmkünstler nach Wien eingeladen. Neben Screenings aller seiner bisherigen Filme konnte das Festivalpublikum in einer „Masterclass“ tiefer in sein Filmschaffen eintauchen.

Sein neuester Film World Of Tomorrow wurde bereits am Sundance Festival als bester Kurzfilm ausgezeichnet und gewann schließlich auch am VIS einen Audience Award – insgesamt sind es schon 16 Auszeichnungen. Im Eröffnungsprogramm des Filmfestivals lief ein „Couch Gag“, den Hertzfeldt 2014 für die Fernsehserie The Simpsons produziert hatte. Es habe ihn immer fasziniert, dass die Simpsons nie älter werden, erzählte der langjährige Fan der Serie dazu. Der Film zeigt daher eine Version der Simpsons in ferner Zukunft.

Hertzfeldt wirkt bei seinen Auftritten am VIS homorvoll und aufgeschlossen. Er habe anfangs einige Überwindung gebraucht, um hinter einem Mikrofon stehen zu können, erzählt er. Zeichner, die den Großteil ihrer Tage alleine in einem Zimmer verbringen, seien nicht unbedingt Menschen, die gerne an die Öffentlichkeit treten. Dennoch teilt er nun im Rahmen einer Masterclass („there is neither a master nor a class“) gerne seine Erfahrungen mit den Festivalgästen. Immer wieder versucht er die jungen KünstlerInnen, die ihm zuhören, zu ermutigen. „Sell all your work“ sagt er da etwa, in Bezug auf die heutige Gratiskultur in der Kunst, und „I want artists to not do art on the side“. Viele KünstlerInnen sehen in ihrem künstlerisches Schaffen nur ein Nebenprojekt zu einem Brotberuf in der Werbung, der ihnen keinen Spaß macht. Dabei sei es wichtig, eigene Projekte zu schaffen und nicht nur den Vorgaben der Wirtschaft zu folgen. Er selbst habe trotz vieler Angebote nie Werbefilme gemacht. Seine Filme haben stattdessen immer die jeweils nächsten finanziert. Wäre ein Misserfolg darunter gewesen, das gibt er auch selbst zu, dann wäre es aber schwierig geworden.

Bereits als Jugendlicher spielte Hertzfeldt mit Filmen und animierte Videos auf VHS. Mit dem festen Plan, Spielfilmregisseur zu werden, besuchte er eine Filmschule. Aus Kostengründen, wie er sagt, landete er dann aber beim Animationsfilm. Hier konnte er bereits mit einer Rolle 35mm-Film ein Projekt verwirklichen – es waren noch die Zeiten des Analogfilms, die wenigen Computerprogramme erschienen ihm unbrauchbar. So verbrachte er viel Zeit am Zeichentisch. „Animation is long, hard and boring work!“, gibt er dem Publikum mit auf den Weg. Seine ganzen 20er habe er dafür verschwendet. Es lohne sich aber, durchzuhalten. Der analogen Arbeitsweise blieb Hertzfeldt dann lange treu, auch als digitale Animationstechniken bereits weit verbreitet waren. Er beklagt, dass Animationssoftware die Filme alle ähnlich aussehen lasse. Kürzlich hat er sie doch für sich entdeckt: World of Tomorrow wurde komplett am Computer umgesetzt. Der Vorteil sei, dass er so schneller arbeiten und damit mehr seiner zu vielen Ideen umsetzen könne.

Still aus The World of Tomorrow - © Don Hertzfeldt

World of Tomorrow – © Don Hertzfeldt

Heute sind viele der Filme, auch die analogen, im Internet verfügbar: Für ein paar Dollar lassen sie sich auf Vimeo oder Netflix streamen. Auf Facebook schreibt der Filmemacher dazu: „imagine it’s a crazy new twist on kickstarter, in which a project’s actually created first and then sold“. Die Strategie scheint zu funktionieren. Man müsse ja auch mit der Zeit gehen, meint Hertzfeldt. Außerdem habe er über das Internet noch viel mehr Menschen erreicht als zuvor. Wenn die sich seine Filme lieber auf Computer- oder Handybildschirmen ansehen wollen, dann sollen sie das ruhig tun.

Bemerkenswert an Hertzfeldts Filmen ist das herausragende Gespür für Timing. Die Pointen sitzen, alle Einstellungen nehmen sich die nötige Zeit. Eine Sache der Erfahrung, außerdem viel Bachgefühl, meint Hertzfeldt. Er würde darum auch nie darauf verzichten, seine Filme in Kinos zu zeigen. Im Internet haben Filmemacher oft das Problem, dass sie keine direkte Rückmeldung vom Publikum bekommen. Das könne Leute sehr verunsichern.

Zu zukünftigen Projekten konnte Hertzfeldt noch nicht viel sagen. Er spiele gerade mit dem Gedanken, eine Fortsetzung zu World of Tomorrow zu machen. Vielleicht werde er auch irgendwann doch einen Realfilm drehen. Aber das stehe alles noch in den Sternen.

Links:
bitterfilms.com
viennashorts.com

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