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Ein Abend voller Stahlstadt-Musik

Ein Abend voller Stahlstadt-Musik

Dass heimische Stahlstadt-MusikerInnen hervorragende KünstlerInnen sind, weiß man in Linz schon lange. Die breite Masse hat diese Botschaft jedoch leider noch nicht erreicht. Das Projekt Spielraum setzte am Mittwochabend alles daran, das zu ändern. 16 Linzer MusikerInnen haben 4 Locations bespielt, vom Central über den Posthof bis zu KAPU und Stadtwerkstatt.
Des einen Freud, des anderen Leid. Während sich die meisten Linzer wohl über den ersten hochsommerlichen Tag freuten, dürften die Veranstalter des Spielraums davon wohl weniger begeistert gewesen sein. Das schon grundsätzlich eher konzertscheue Linzer Publikum wollte sich nicht so wirklich bei 30°C Außentemperatur in geschlossene Konzerträume begeben.

Nachdem bereits um 18:00 der Konzertabend im Central gestartet wurde, ging der Highlightblock zwei Stunden später im Posthof los und wurde dort gleich von einer der wohl sympathischsten Künstlerinnen in ganz Linz eröffnet. Anna Katt dürfte wohl Genrefreunden spätestens seit ihrem Support-Gig der irischen Sängerin Wallis Bird im Oktober des letzten Jahres ein Begriff sein. Die halb österreichische, halb schwedische Songwriterin wusste bereits damals mit ihrem Charme das Publikum zu bezaubern. Dies gelang ihr am Mittwoch ein weiteres Mal. Mit einer unglaublich kraftvollen, aber gleichzeitig wunderschön sanften Stimme brachte sie einen guten Mix aus sowohl alten Liedern, darunter das großartige Seaside und schwedische Farväl, als auch neuen Stücken ihrer gerade erschienen Platte Blue or Gray auf die Bühne. Die anwesenden Fans durften sich sogar über ein komplett neues Werk freuen. Doch nicht nur musikalisch überzeugte Anna Katt auf ganzer Linie, auch persönlich. Dem Wetter geschuldet war der Große Saal des Posthofs leider noch weitestgehend leer. Schade darum, denn die Dame hätte sich mehr Publikum verdient! Gestört hat das die Künstlerin jedoch nicht, sie vermochte es, die Atmosphäre eines exklusiven Privatkonzertes zu vermitteln und interagierte sehr persönlich und warmherzig mit dem Publikum. Ein schönes Zeichen, dass sich sie sich ehrlich über jeden einzelnen Zuhörer im Saal freute. Alles in allem eine großartige halbe Stunde. Gerne mehr davon!

Nach den ruhigen Klängen ging es nun bei Parasol Caravan bedeutend härter zur Sache. Feinster, gittarenlastiger Stoner Rock wurde dem Publikum zum Besten gegeben. Das in der kurzen Umbaupause auf einmal locker um das Fünffache angewachsene Publikum konnte sich leider bis auf vereinzelte Fans nicht so wirklich von der Energie der Jungs anstecken lassen. Sei es drum, das machte überhaupt nichts, denn die Band brauchte kein extatisches Publikum, um in sehr guter Stimmung zu sein. Unterstrichen wurde das Konzert dann noch von einer sehr gut auf den Sound abgestimmten, leicht düsteren Lichtshow. Einzig und allein das etwas zu leise Gesangsmikro könnte man als Kritikpunkt anmerken, der geht jedoch an den Tontechniker und nicht an die Band. Zusammenfassend einfach ein hervorragender Gig. Da fragt man sich eigentlich, wieso die Jungs noch nicht bekannter sind! Ein Muss für alle Genrefans!

Nach der Halbzeit wechselte der Gesang nun vom Englischen in den oberösterreichischen Dialekt. Dalenz beehrte als nächster Linzer Künstler den nun endgültig vollen Posthof. Stimmlich und instrumental solide spielte die Band ihr Set herunter, ohne jedoch wie zuvor Anna Katt und Parasol Caravan wirklich Highlights zu setzten. Für Fans ein absolut guter und ausreichender Gig, für Neueinsteiger jedoch etwas zu schwach, um sie zu packen. Seltsam war jedoch vor allem die Lichtshow. Bei Parasol Caravan zuvor noch perfekt passend, war das genau gleiche Programm beim Lenz etwas seltsam.

Als Finale fand sich dann noch die Hip-Hop-Truppe von FLIP (Texta) & Average ein.

Ein insgesamt hervorragender Konzertabend, welcher wieder einmal bewiesen hat, was für großartige Künstler die Stahlstadt zu bieten hat.

 

 

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Musikliebhaber, Festivalreisender, Konzertsüchtig, Vinylnerd, Photograph, Konzertveranstalter, Linz-Liebhaber

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