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Bananenblatt: Satire, Skurriles, Spiele mit Worten und Klischees

Bananenblatt: Satire, Skurriles, Spiele mit Worten und Klischees

„Catinator 2 – Der Veggie-Film des Jahres“ erinnert an einen Plakattext. Die grünen und roten Buchstaben zieren jedoch das Cover des Bananenblattes. Eine Anlehnung an den Fokus auf Veganismus, dem die Satirezeitschrift mit Textbeiträgen und Cartoons begegnet. Das Magazin der komischen Künste ist eine bunte Mischung aus unterschiedlichen Beiträgen und (nicht immer komischen) Themen.

Gemeinsam ist den Beiträgen bis auf wenige Ausnahmen (z.B. ein Interview mit einem Karikaturisten) ein humorvoller Zugang- sei es in Form von Satire wie „Like ins Dunkel“, Skurrilität bei Inseraten („Willnichthaben!“, „Jobinserate aus der Hölle“) und Titeln (z.B. Lebensratgeber „Ich bleib so scheiße, wie ich bin: Lockerlassen und mehr vom Leben haben“) oder anhand eines Spieles mit Worten („Veggie-Terrier“) und Klischees. „Woran erkennen Sie einen Veganer?….Egal! Er wird es ohnehin von selbst erzählen“, schreibt Renato Kaiser, Slam Poet, Kabarettist und Satiriker.

Zehn Seiten handeln von Veganismus. Vor allem eine vegane Ernährungsweise einschließlich Restaurants und deren Namen („Seitan Jahr“), aber auch vegane Kleidung, „Body Gardening“ und ein veganes TV-Programm sind im Fokus zu finden. Bekannte Serien und Filme bekommen neue, ähnlich klingende Titel wie „Desperate Housemais“ und „Kohlumbo“. Eine Alternative bietet der Sender „kabelschweins“ mit Shows wie „Germany´s next Topkotlett“ und „Wetten, Lachs…?“.
Laut einer Grafik bestehe die größte Herausforderung für Veganer/innen darin, mit Leuten essen zu gehen, ohne ihre Ernährungsweise erklären zu müssen. Der geringeren Herausforderung, vegane Lebensmittel zu bekommen, kann mit „Body Gardening“ entgegen getreten werden. Nach Urban Gardening folge ein Trend, den eigenen Körper gärtnerisch und nachhaltig zu nutzen. Kresse könne etwa einer Glatze trotzen, Tomaten seien für den Anbau auf körpereigenen Fettzellen geeignet.

Satirische Kommentare, Haikus aus dem Buch „Wie man hassen soll“, Antworten zu Teenager-Fragen, ein Interview mit dem Karikaturisten Bernd Ertl und ein Auszug aus dem Buch „Unnützes Wien Wissen: Musik“ (Rezension) bilden weitere Textbeiträge im Bananenblatt.
In die Kategorie „Aus dem Netz gefischt“ ließe sich nicht nur der Beitrag „Willnichthaben!“ (Harlekin aus Venedig,…) einteilen. Bei „Hart und nicht herzlich“ beantwortet Dr. Klopfer im Internet gefundene Fragen zu Liebe und Sex. Auf die Praxis bezogene Tipps – wie es andere Menschen etwa nicht merken würden, dass man noch Jungfrau sei- gibt es nicht.
Ebenfalls einen Bezug zum Internet haben die Beiträge „Jobinserate aus der Hölle“ und „Like ins Dunkel“. Bei ersterem ist z.B. ein Inserat des Schwarzen Brettes der ÖH abgebildet, in welchem ein/e Detektiv/in gesucht wird. Es gelte, personenbezogene Details in Erfahrung zu bringen.
„Like ins Dunkel“ baut auf der Sexismus-Debatte um Andreas Gabalier, Marcus Franz und Frank Stronach auf. Ihre Aussagen schließen an kurze Steckbriefe an. Leser/innen können Mitleids-Likes vergeben und weißen, heterosexuellen Männern auf diese Weise noch mehr Toleranz entgegenbringen.

Neben „Like ins Dunkel“ hat auch der Beitrag „Newsflash: Zeit in Cartoons“ politische und gesellschaftskritische Hintergründe. Weder das Abkommen TTIP, Flüchtlingskatastrophen noch der Klimawandel erhalten die Aufmerksamkeit des Gegenübers. Die Empörung folgt erst nach der Meldung, dass Facebook zehn Minuten nicht erreichbar gewesen sei.
Im Bananenblatt sind sowohl reale Hintergründe („Pegida. Satire. Nur in echt“, Hervorhebung glutenfreier Lebensmittel,…) einschließlich entdeckter skurriler Inserate und Namen („Tattoo-Tata“ für ein Tattoo-Studio, etc.) als auch komplett erfundene Beiträge wie „Body Gardening“ zu finden. Cartoons, Karikaturen und Diagramme machen einen wesentlichen Teil der Zeitschrift aus. Wohin Kühe vor dem Fleischhauer fliehen, wie sexistische Dinosaurier aussehen und von wo der Wind in Wien kommt- all dies lässt sich mit einem Augenzwinkern durch Grafiken herausfinden. Das Spiel mit Klischees ist dabei (und bei den Textbeiträgen) nicht unangenehm, sondern selbstironisch. Schweizer Stereotype werden etwa auch von einem Schweizer angesprochen.

Umrahmt wird das Bananenblatt von Buchtipps, Veranstaltungshinweisen zu Poetry Slams, Theaterstücken usw. und partizpativen Beiträgen. „Der psychedelische Starschnitt. Ein lebensgroßer Rolf Rüdiger für deine Bude“, so lautet die Beschreibung eines auszuschneidendes Posterteiles. „Rolf Rüdiger ließ sich erfolgreich vegan klonen“- ob diese und andere Schlagzeilen je in Medien zu lesen waren? Das Bananenblatt bietet Interessierten ein Quiz an.

Ob es Themen gibt, zu denen Ertl nichts zeichne, ist hingegen eine der Fragen im Interview mit dem Karikaturisten. „Viele. Und seit Jänner 2015 noch eines mehr“, antwortet dieser. Um welche Themen es sich handle, erfährt der/die Lesende leider nicht mehr.

Um über die aktuelle Sommerausgabe des Bananenblattes schmunzeln zu können, braucht es aber kein Hintergrundwissen („Like ins Dunkel“ ist mit diesem dennoch lustiger) und nicht unbedingt Interesse für Literatur. Haikus und Buchtipps sind die literarischsten Beiträge, oft sind Bild und Text miteinander kombiniert.

„Das Bananenblatt ist ein Satiremagazin und erscheint seit Herbst 2010 vierteljährlich. Wenn es groß ist, will es Politiker in einer Regierungspartei sein“ ist auf der Webseite zu lesen. Bis dahin kann die 20. Ausgabe „Veggie Special“ direkt auf der Webseite oder per E-Mail bestellt sowie im Buchhandel erhalten werden.

Die 30-seitige Zeitschrift ist im A4-Format erschienen und kostet (ohne Porto) €3,99.

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Katharina ist Soziologin und Sozialforscherin (P und P Sozialforschung). Darüber hinaus ist sie regelmäßig journalistisch tätig, z.B. in Form von Praktika (Radio Oberösterreich, Neues Volksblatt,...) oder freier Mitarbeit bei Redaktionen. Sie beschäftigt sich vor allem mit gesellschaftlichen und kulturellen Themen.

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