RACHEL RISING: Manchmal kommen sie wieder

RACHEL RISING: Manchmal kommen sie wieder

Satire, Drama oder Horrorstory? „Rachel Rising“ von Schöpfer Terry Moore platziert sich gekonnt zwischen verschiedenen Stühlen und will mehr sein als die Summe der einzelnen Teile. Der Autor/Zeichner lässt seine Titelfigur von den Toten auferstehen und übt sich in abendländischer, mythisch-religiöser Erzähltradition. Ein Comic für Erwachsene mit dem gewissen Etwas.

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Stell dir vor, du wachst eines Tages inmitten eines Waldes auf. Du liegst in der Erde, begraben, kämpfst um Luft, willst dich befreien. Es gelingt dir mit Mühe und Not. Wie du dahin gekommen bist? Du weißt es nicht. Deine Erinnerungen sind verblasst. Du stellst fest, dass um deinen Hals eine Narbe ist. Wurdest du erwürgt? Erdrosselt? Die frisch verstorbene Rachel, die mehr tot als lebendig ist, macht sich jedenfalls auf, sozusagen post mortem, ihren Mörder ausfindig zu machen und das Geheimnis ihres Ablebens zu lüften.

Gewaltsame Geschichten müssen nicht heftig erzählt werden, um Eindruck zu erzielen. Terry Moore, ein Verfechter des „Do-It-Yourself“-Prinzips, kennt die Tricks. Reglements menschlichen Zusammenlebens werden hier niedergerissen und neu zusammengesetzt, Wahnwitz inklusive. Er gestatte es, dass „Rachel Rising“ viel Skurrilität enthält, sich erfreut- und entsetzt sein am Ende zu einem einzigartigen Gefühl vermischen, wenn extreme Splatterpanels auf humorvolle Dialoge folgen. Dank dem Verlag Schreiber&Leser wird die Serie in schicken Sammelbänden nun auch auf Deutsch veröffentlicht.

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Zusammen mit der Handlung, die sich in bemerkenswerter Konsequenz durch Respektlosigkeit gegenüber der Kirche, dem Glauben und Gott auszeichnet, gelingt es diesem Konglomerat müheos, mich als Leser für sich einzunehmen. Und dann die liebevoll gestalteten Figuren. Es sind realistisch wirkende, sorgsam charakterisierte Erscheinungen wie Tante Ema, die als Pathologin arbeitet, eine lesbische Beziehung pflegt und ihrer Nichte Rachel mit neunmalklugen Ratschlägen zur Seite steht.

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Diese Mittelklasse-Suburbia, in selbst der ansässig Pfarrer eine sadistische Ausgeburt der Hölle zu sein scheint, zieht in den Bann. „Rachel Rising“ ist ein poppiger Hybird in schwarz-weiß, der Religion und Aberglaube vor einer modernen Kulisse aufeinanderprallen lässt und mit viel Witz und Charme dafür sorgt, dass man sich anständig und wirklich unterhalten fühlt.

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rachel-rising.com
terrymooreart.com
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