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NUKE Festival: Generation 2.0

NUKE Festival: Generation 2.0

Nach so langer Abwesenheit kam das Nuke-Festival letztes Wochenende mit Pauken und Trompeten wieder zurück. Knapp 25.000 Leute pilgerten zur Grazer Messehalle, um gemeinsam mit Wanda, Bilderbuch, Parov Stelar, Seeed und vielen weiteren grandiosen Bands zu feiern.

Um 12:00 Uhr wurden am Samstag die Pforten der Messehalle geöffnet und tausende wartende Festivalbesucher erstürmten das Gelände. Leider wurden wir durch die lange Parkplatzsuche davon abgehalten die beiden Opener Kayef und Olympique zu lauschen. Spricht jedenfalls für den Ticketverkauf!

Der erste Act, der dann zu 100 Prozent wahrgenommen wurde war Wanda. Routiniert wie immer und wie immer viele begeisterte Menschen vor der Bühne – nichts neues für jemanden der die Show heuer schon öfters sehen durfte. Aber den Menschen gefällst, und der Sänger Marco wurde sprichwörtlich auf Händen durch das Publikum getragen.

Jeder, der heuer eine von den 25.000 Personen am Nuke war weiß, dass es mitunter einer der heißesten Augusttage war, und bekam die Wasserknappheit am Gelände am eigenen Leib zu spüren. Gratis Trinkwasser wurde nur an wenigen Stellen ausgeschenkt, und man musste mit fast einer Stunde Wartezeit rechnen bis zum vollen Becher in der Hand. Da das Nuke noch in den Kinderschuhen steckt sei es dem Festival diesesmal verziehen, solange es beim nächsten Mal Verbesserung gelobt. 3,80 Euro für den halben Liter Sodawasser waren die nicht ganz billige Alternative.

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Die meisten ließ die knappe Wasserversorgung kalt und feierten das Comeback von Mono & Nikitaman gebührend. Die beiden sind für ihre politische Aktivität berühmt und nehmen diese auch mit bei ihrer Show – schön zu sehen, dass Graz da großteils ihrer Meinung ist. In den letzten Jahren wurde es still um das Duo, umso mehr Energie hatten sie übrig um am Nuke alles zu geben. Kaum zu glauben, dass die beiden mittlerweile 11 Jahre gemeinsam Musik machen –  und das immer noch so enthusiastisch. Willkommen zurück liebe Monika und lieber Nick.

Nach knapp 15 Minuten Umbaupause betrat der deutsche Hiphop-Musiker Prinz Pi die Bühne. Prinz Pi alias Friedrich Kautz schaffte es schnell das Publikum in seinem Bahn zu ziehen. Der früher aggressive und revoltierende Künstler ist ruhiger geworden und wie es scheint ist er auf die aktuelle Erfolgswelle vom deutschen HipHop durch Casper, Marteria und Cro aufgesprungen – schade darum, somit gibt es keinen Zucker für die Affen.

Mittlerweile gestaltete sich die Suche nach Freunden schwierig bis nicht machbar, ein Grund dafür wurde kurz darauf verlautbart, das Nuke war ausverkauft! Nicht nur die langen Schlangen, die sich vor den Bars und den Essstandln (und ja auch den Dixoklos) tummelten, waren Indikatoren dafür, dass das Gelände so wie es letzten Samstag aufgebaut wurde, nicht vorteilhaft für so eine Masse an Menschen ist. Da bekam auch der Name Slow Food, das in der „Feinsten Halle“ erwerblich war, eine neue Definition – weniger ist oft mehr.

WASSER FÜR ALLE – forderte die nächste Band. Die Senkrechtsarterter und unter anderem bestangezogenen Männer Österreichs eroberten die Bühne. Bilderbuch zelebrierten ihren Auftritt von der ersten Sekunde bis zur letzten. Als Maurice die Bühne mit den „berühmten“ gelben Handschuhen betrat, wird dieser mit lauten Teenie-Gekreische herzlich in Graz willkommen geheißen. Von Maschin, Spliff, und Softdrink war alles verdrehten. Das die Musiker auch nur Menschen sind merkte man bei dem kleinen Patzer bei Schick Schock – wurde aber gekonnt überspielt. Der Challenge Wasserschläuche bis zu dem Lied Plantsch aufzutreiben wurde leider von Seitens der Veranstalter verloren, kurzerhand lernten unzählige Wasserfalschen fliegen und fanden den Weg von der Bühne zum Publikum. Danke für die Abkühlung.

Pandabären für alle –  von Cro man kann was man will aber der kleine auf- und abhüpfende Panda auf der Bühne begeisterte und schuf eine Stimmung sondergleichen. Nicht jedermanns Sache, live aber ein Erlebnis.

Nach dem Auftritt von Cro und den Umbauarbeiten, kamen plötzlich alle Musiker auf die Bühne, begleitet von der berühmten Charlie Chaplin Rede. Nikitaman forderte die Festivalgemeinde auf gemeinsam den 71 Opfer, die diese Woche unbemerkt in unsere Mitte auf grausamer Weise umgekommen sind, zu gedenken . Danke, Nuke, für dieses wundervolle Zeichen.

Nach der Schweigeminute ging es mit The Parov Stelar Band weiter. Mit Stil und Swing ging es in die vorletzte Runde des Nukefestivals. Für die Band war es das einzige Heimspiel der heurigen Festivalsaison und das wurde gebührend gefeiert. Mit neuen Songs vom aktuellen Album „The Demon Diaries“ im Gepäck wurde der Abend ein voller Erfolg, aber natürlich durften Titel wie „All Night“ und „Booty Swing“ nicht fehlen. Schön die erfolgreichste Band Österreichs wieder einmal in heimische Sphären live zu erleben.

Mit viel Bass und Bumm sprengte Seeed als letzter Act des heurigen Nukes die Bühne. Die von vorne bis hinten durch choreografierte Show ließ wenig Platz für Innovation und Persönlichkeit. Musikalisch waren die Künstler top und die gewünschte Stimmung wurde auch erfolgreich transportiert, aber die Tatsache, dass diese Show schon X-mal wo anders gesielt wurde und nur der Name der Stadt bei den Ansagen ausgetauscht wurde, hinterlässt doch einen kleinen bitteren Beigeschmack. Aber deswegen lies sich niemand den Abend verderben und es wurde bis zum letzten Ton mit den berliner Musiker abgeshaked. Danke Nuke für so viele schöne Momente, und wir sehen uns nächstes Jahr am 2.-3.9.2016!

Foto: Christoph Thorwartl

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