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Der Posthof schreit nach Wanda, und bekommt Schnaps!

Der Posthof schreit nach Wanda, und bekommt Schnaps!

Am 29. Oktober wusste man bereits, dass,  wenn man sich den Toren des Posthofs näherte, heute etwas Großes stattfindet. Nur wenige Bands schaffen es, dass die Securities vor den Türen stehen und es sogar Wartelisten gibt, wer denn eventuell eine nicht abgeholte Karte abstauben kann. Eine schaffts aber auf jeden Fall! Nämlich die österreichischen Durchstarter des Jahres – Wanda.

Eröffnet wurde der Abend von den beiden Herren von „Da Billi Jean is ned mei Bua“. Die zwei sehen theoretisch sehr adrett und ordentlich aus. Und dann ertönt eine Stimme, die vom Klang her eher an einen 60+Wirtshaussitzer erinnert, der sich eine Tschick nach der andren anzündet und den Geschmack mit einem Obstler runterspült. „Hoachts zua und lossts eich ei auf unsa Klompfarei“, so die Devise.  Und eingelassen hat sich das liebe Linz auf jeden Fall. Denn „Billi Jean is ned mei Bua“ legen ein Konzept an den Tag, wo sie Popklassiker, wie Michael Jackson, Bruno Mars oder Eros Ramazotti neu auf österreichische Art vertonen. Dank ihrer „Wir nehmen kein Blatt vor dem Mund“ – Einstellung und natürlich herrlicher Untermalung von Gestik, Mimik und showwürdigen Tanzeinlagen, gleicht das ganze dann oft schon mehr einem Kabarett als nur einer musikalischen Meisterleistung. Linz hatten die beiden auf jeden Fall sofort auf ihrer Seite und wenn der Applaus der Vorband easy mit den Headlinern mithalten kann, spricht das eigentlich für sich.

Doch wegen wem der Posthof eigentlich da ist, zeigt sich spätestens, als bereits bevor auch nur irgendjemand die Bühne betritt, alle wild zu schreien und zu applaudieren beginnen. Endlich gehen die Scheinwerfer an und ein zwei Meter großes Kruzifix aus Schnaps- und Weinflaschen schafft das perfekte Ambiente, um alle schönen Wandahymnen zu vertonen. „Letzte Nacht waren wir unvernünftig! Heute sind wir gemeinsam unvernünftig“. Mit diesen Worten eröffnet Herr Wanda höchstpersönlich die Show. Daraufhin folgen sowohl die alten „Amore“- Klassiker, wie „Luzia“ und zum Schluss „Bologna“, aber natürlich auch einiges von der neuen Platte „Bussi“. Gerade bei den Anfängen und den Abschlüssen der Songs zeigen Wanda, dass sie auch ein bisschen mehr können als nur ein bisschen Rockmusik zu spielen und dabei zu rauchen und zu saufen. So beginnt zum Beispiel „Schickt mir die Post“  mit einem melancholisch-jazzigen Intro und „Gib mir Schnaps“ zieht sich über fast 10 Minuten. Eine weitere Überraschung: sogar wenn nur ein Wort in die Menge geworfen wird, besitzt das Publikum eine unglaubliche Textsicherheit und schafft es mühelos, die weitern Strophen mitzugrölen und den Posthof zum Beben zu bringen. Trotzdem wirkt es manchmal, als würde der Funke einfach nicht ganz überspringen. Ein klassisches Problem. Alle stehen da wie angewurzelt und wirken, als hätte man ihnen Zement in die Schuhe gegossen. Liebes Linz, wenn es nicht mal Wanda schafft, dass ihr zumindest ein bisschen mit dem Popo wackelt – wer denn bitte dann?? Wanda selbst scheints jedenfalls nicht zu stören – sie feiern sich selbst auf der Bühne, rauchen, saufen und lassen sich sogar auf die Füße blasen, wenn sie ein Wehweh verspüren. Trotzdem scheinen sie auch nach den unzähligen Auftritten, den Spaß an dem Ganzen nicht verloren zu haben. So gibts nach der Zugabe sogar noch eine – so schön wies begonnen hat endets auch wieder mit „Luzia“! Und eins muss man schon sagen: auch wenns viele gespaltene Meinungen über Wanda gibt – sie sind und bleiben trotzdem einfach geile Typen.

Foto: Andreas Wörister, Christoph Thorwartl

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