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CITY AND COLOUR: Bluestrunken

CITY AND COLOUR: Bluestrunken

Canada calling: Mit „If I Should Go Before You“ rauschen City And Colour, nun zur kompletten Band angewachsen, weiterhin lichterloh und unbeirrbar auf ihrer eigenen Landstraße hinunter. „I want to put a few miles down, I’d like to feel my two feet on the ground“, heißt es an passender Stelle. Das fünfte Album von und mit Dallas Green scheut nicht den Fortschritt, gibt Bewährtes aber auch nicht so leicht auf.

Promo

Dallas Green hat schon einige Platten produziert, deren Größe im Kleinen lagen. Diesmal läuft es ein bisschen anders. Zu Beginn erwartet einen mit „Woman“ ein äußerst beeindruckendes und erhabenes Statement: 9 fiebertraumhafte Minuten, die den Funken der Liebe heraufbeschwören und die Flamme erneut entfachen möchten, die einen unweigerlich aus dem Alltag reißen. Das ist Wohlklang in angemessener, schierer Größe und ein Meisterstück in Balance und Verdichtung, was man so von City And Colour nicht erwartet hätte. Man kann versuchen gegen die Melancholie anzukämpfen, die hier aus jeder Pore dieses Progrock-Stücks auszuströmen scheint – vergebens. Danach geht es in Gefilde weiter, die man zwar kennt, auf die man jedoch gerne wieder trifft, weil sie einen trösten, besänftigen und betören.

Der „Nothern Blues“ groovt sich genüsslich ins Gehör, schenkt dem Teufel keine Beachtung, der zu Verführen versucht. Im Titeltrack ist man schon weiter, wird in dem Stück doch der eigene Tod besungen. „I wanna change direction“ heißt es offen im schmissigen „Mizzy C“, die eigene Entwicklung vor Augen. „Lately I’ve been thinking about just who I’m supposed to be“, fragt sich der 29-Jährige in „Killing Time“. Die Musik gibt sich beschwingt wie nahezu alle Songs auf dieser Platte, die vorwiegend im Midtempo angesiedelt sind. „Wasting Life“ zeigt sich von einer eingängigen Seite, die Liebe mit dem Krieg („You make me feel so powerless“) vergleicht.

Cover

„Runaway“ locker Country-esk, „Lover Come Back“ bleibt dem Genre ebenfalls treu, drosselt das Tempo allerdings noch etwas. „Map Of The World“ steigert die Geschwindigkeit dann wieder und wird von der akustischen Gitarre dominiert. Das windstille „Friends“ leistet sich gegen Ende eine Wall Of Sound und das abschließende „Blood“ ist der einzige ruhige Song, der vorwiegend harmonisch und idyllisch interpretiert wird, mit Hilfe einer Harfe noch einen wunderschönen Ausklang bildet.

„If I Should Go Before You“ ist eine City And Colour-Platte, die eher untypisch geraten ist. Richtige Balladen fehlen zur Gänze, was nicht negativ erscheinen soll. Ein Gewohnheitstier ist man ja trotzdem. Lieder, die von der Schwierigkeit des Miteinanders erzählen und die berühren, sind dennoch enthalten. Die Stimme von Green, die so warm schabt wie weiterhin keine, tut ihr Übriges. Die Umgestaltung ist in vollem Gange.

AlysseGafkjen

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