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Ekstase mit den Beuteltieren – The Wombats erobern Linz

Ekstase mit den Beuteltieren – The Wombats erobern Linz

Man ist es ja gewohnt im Posthof Linz gute Konzerte von fabelhaften Bands geboten zu bekommen. Der Posthof besitzt dafür auch die besten Gegebenheiten – angenehme Größe, abwechslungsreiches Programm und Licht- und Tontechniker vom Feinsten. Doch was leider Gottes in Linz oft nicht funktioniert ist die Stimmung. Viel zu oft musste ich mich schon über verlorenen Konzertflair ärgern, weil sich niemand im Publikum bewegt und hald gnädigerweise von Zeit zu Zeit halbherzig mitklatscht wird. Dass es auch gaaaaaaaaaaaaaanz anders sein kann, wurde allerdings diesen Samstag bewiesen! Denn das Liverpooler Trio The Wombats sorgte dafür, dass die Wände bebten und die Endorphine überschwappten!

Bereits um 20.00 Uhr konnte man hysterische Teenieschreie wahrnehmen. Denn die Vorband Kid Astray hatte definitiv auch eine Fanbase mit an Bord. Die sechs Norweger eröffneten den Abend mit gekonnt performtem Gute-Laune-Indiepop, der für die richtige Einstimmung sorgte. Kein Wunder, dass die Wombats diese Band ausgewählt haben, um sie die Tour über zu begleiten. Denn auch wenn Kid Astray ein bisschen an eine Boyband mit Justin Bieber als Frontman erinnern, so kann man ihnen das musikalische Talent keines Falls abstreiten. Und was diese jungen Herrschaften auch besonders sympatisch machtm ist die Motivation, die sie an den Tag legten. Kein Bühnenmitglied stand still und selbst jene, die nicht mal ein Mikro vor sich hatten,  sangen die Texte auf der Bühne mit. Auch wenn die Lieder nicht wirklich neu erfunden klingen, verkörpern sie trotzdem einen perfekten Einheizer und daher können sie auch gegen Ende einen Applaus einheimsen, über den sich wohl auch einige Hauptacts freuen würden.

Als Kid Astray dann die Bühne verließen, erkannte man zum ersten Mal in voller Pracht die Skyline der Stadt, wo Träume wahr werden und die ja auch das Albumcover von Glitterbug ist. Auch wenn man vielleicht anfangs dachte, dass ein Großteil wegen der Vorband gekommen sei,  bewies der Einlauf der Wombats, dass eindeutig sie die Männer der Stunde sind.
„Give Me A Try“ertönt und völlig ohne Aufforderung begann der gesamte Saal zu klatschen, zu springen und zu singen. Teilweise hatte man das Gefühl als sei ein Chor in die Menge miteingeschleust, wenn man die Textsicherheit und Lautstärke seiner Konzertnachbarn von der Seite mithörte. Völlig egal, ob Oldies wie „Patricia the Stripper“ oder „Moving to New York“ gespielt wurden oder obs was von der neuen Scheibe gibt – der Text sitzt und eine lachende Menge tanzt sich dazu die Seele aus dem Leib. Kein Wunder, denn auch auf der Bühne gings nicht anders zu! Gerade Gitarrist Tørd nutzte jeden Zentimeter Bühne und hüpfte, wie von der Tarantel gestochen, hin und her. Schade war es nur, dass Drummer Dan völlig versteckt im Hintergrund war.
Einziger Moment der Ruhe ist, als Murph sein Bedauern zu der aktuellen Situation in Paris aussprach. Trotzdem legte er das Augenmerk darauf, dass man solch schlimmen Ereignissen trotzdem nicht die Oberhand gewinnen lassen darf und dass er dankbar dafür ist, dass soviele gekommen sind. Passend dazu folgte kurz darauf die einzige Ballade des Abends. Bei dem Song „Isabell“ sah man, wie sich Freunde in den Arm nahmen, zu schunkeln begannen oder das Feuerzeug zückten. Natürlich währte die Zurückhaltung nur kurz. Denn als Murph ankündigte, dass nur noch zwei Lieder folgen, gab jeder noch einmal alles. „Greek Tragedy“ ertönte und ließ die Wände wackeln. Höhepunkt und Abschluss des Abends konnte jedoch trotzdem nur eins sein – „Let’s dance to joy division and raise our glass to the ceiling – ‚Cos this could all go so wrong BUT WE’RE SO HAPPY“ waren die letzten Worte, die der Posthof diesen Abend hörte! Und von meiner Seite ist eindeutig zu sagen: SO HAPPY haben mich auf jeden Fall die Wombats gemacht!

Fotos: Benedikt Reiter

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