Turbobier: „Wir saufen gerne mit allen, die nett zu uns sind!“

Turbobier: „Wir saufen gerne mit allen, die nett zu uns sind!“

„A Fuasboiplotz ohne Bier, is wia a Heisl ohne Tia!“ – ja, wenn es eine Band gibt, die man mit Bier und Spaß assoziiert, dann ist das Turbobier. Fleißig am Touren, fleißig am Biertrinken, und nebenbei auch stark mit der BPÖ, der Bierpartei Österreichs, verbandelt. Wir haben uns mit Marco Pogo auf ein kühles Blondes getroffen.

subtext.at: Das letzte Mal hat Turbobier bei der ArgeToR (Arbeitsgemeinschaft Tribüne ohne Rassismus, Anm.)-Party in Linz gespielt. Obviuos question: Wie politisch ist Turbobier?
Marco Pogo: Turbobier ist hochpolitisch. Wobei wir natürlich die Ideale der Bierpartei vertreten. Insofern also klarerweise politisch. Um einen Gegenpol zum Establishment bilden zu können, und mittlerweile auch zu bilden.

subtext.at: Bleiben wir gleich bei diesem Anti-Establishment, beziehungsweise bei einem österreichischen Aushängeschild: dem Bier. Wenn man sich das Turbobier-Album anschaut – von „Arbeitslos“ bis „Fussballplatz“ bedient ihr damit ja „klassisches“ Klientel. Das ist politisch vielleicht nicht immer auf der Linie von Turbobier – wie schafft ihr da eine Abgrenzung?
Marco Pogo: Ich glaub, wenn man sich Turbobier anschaut, weiß man schnell, dass wir mit Rechtsaußen nichts zu tun haben. Und wenn, und das muss man leider so sagen, die Rechte in Österreich so blöd ist, um Turbobier nicht zu verstehen, und Turbobier für ihre Zwecke verwendet, dann sind sie wieder mal einfach nur zu blöd für alles. Sicher passiert das – wir positionieren uns aber auch ganz klar und sagen immer wieder, dass wir mit Ausgrenzung und rechtem Gedankengut so überhaupt nix zu tun haben. Hoffentlich verstehen das auch mal die Dümmsten der Dummen.

Turbobier @ Posthof Linz

subtext.at: Bleiben wir gleich mal beim – euch manchmal verliehenen – Genre „Sauf-Rock“. Da gibt’s ja in Österreich eine Band, die das schon Anfang der 90er-Jahre gemacht hat. Alkbottle. Alkbottle wird dann zumindest in diesem „Genre“ gleich mal mit euch verglichen. Gibts da auch bewusste Parallelen?
Marco Pogo: Na, überhaupt nicht. Wir verstehen uns mit denen auch sehr gut. Wennman dann Musik relativ oberflächlich bewertet, kommt man natürlich schnell drauf, dass Turbobier und Alkbottle vielleicht dasselbe machen. Musikalisch an sich haben wir mit ihnen gar nichts zu tun.

subtext.at: Klar klingt ihr anders – die Assoziation ist aber dann doch da. Warum?
Marco Pogo: Weil die Leute, die nicht wissen, dass zwischen Simmering und Meidling noch ein Bezirk liegt, dann gleich glauben, dass es dasselbe ist. Aber die Wiener können sehr wohl unterscheiden (lacht).

subtext.at: Bleiben wir gleich in Wien. Ein prominenter Fan von Turbobier dürfte Michael Häupl sein, beziehngsweise zumindest sein Team. Habt ihr nach der Schelte im Rahmen des Wiener Wahlkampfes mittlerweile schon einen Rathausempfang gehabt?
Marco Pogo: Nein, der steht leider noch immer aus. Ich würde gern mit Michi Haüpl auf ein oder zehn Achterl in den Rathauskeller gehen. Wir würden uns zumindest auf alkoholtechnischer Ebene sicher treffen. Ideel, politisch ist er natürlich der politische Mitbewerber. Wir verstehen natürlich, dass sich seine Partei, die sich am absteigenden Ast befindet, mit Denunzieren der Bierpartei abgeben muss. So leicht wird das natürlich nicht gehen.

Turbobier @ Szene Open Air 2015

subtext.at: Bleiben wir dann gleich mal bei der BPÖ, der Bierpartei Österreichs. Das ist ja eine relativ neue politische Kraft. Im April steht mit der Präsidentschaftswahl eine wichtige Personenwahl an. Gibt es hier seitens der Bierpartei Bestrebungen, einen Kandidaten aufzustellen?
Marco Pogo: Wir haben diese Woche meine Kandidatur bekanntgegeben, was natürlich auch in den Medien gut aufgenommen wurde. Als Gegenpol zu Khol quasi. Ob ich es dann selber mache, oder nur einen Strohmann sende, dem ich dann direkt aus dem Arena-Beisl meine Weisungen gebe, ist noch offen.

subtext.at: Die Wahlkampfzentrale also im Arena-Beisl?
Marco Pogo: Genau, dort sind dann auch die Pressekonferenzen. Und natürlich die Programmpräsentationen. Ich werde es wohl nicht selber machen, das ist zu viel Verpflichtung mit all den depperten Empfängen und hohen Anlässen. Das ist nix für mich. Aber eine Marionette entsenden wär möglich.

subtext.at: Vorbild Herbert Kickl?
Marco Pogo: (lacht) Also ob ich der Kickl der Bierpartei wäre? Ich will mich ja nicht mit Kickl vergleichen, aber rein strategisch gesehen: eventuell. Ideel natürlich nicht.

subtext.at: Zurück zum Aushängeschild der Bierpartei, Turbobier. Ihr spielt ja von Arge-Tor-Parties über das Stadion des Wiener Sportklubs bis hin zu Festivals quasi überall, auch wenn ihr da musikalisch nicht immer dazupasst. Warum gibt es diese Breitenwirkung? Nur wegen des Über-das-Saufen-Singens?
Marco Pogo: Ich glaube, dass rein die Motivation, zu trinken, nicht ausreicht, um noch aktiv hinzugehen. Eher spricht Turbobier eher das Lebensgefühl an – natürlich können sich Leute mit dem identifizieren, was wir verkörpern. Das soll sich aber nicht nur auf Alkohol beschränken – wobei es halt hier in Österreich mit dem Alkohol schon sehr gut läuft.

Turbobier @ Szene Open Air 2015

subtext.at: Eine relativ berühmte Statistik sagt, dass nur in Litauen mehr pro Kopf gesoffen wird als in Österreich. Gibt es dort schon Anfragen?
Marco Pogo: Noch nicht – aber mir hat auch jemand, ein Philosoph quasi, erklärt, warum das so ist. Litauen ist ein relativ „junges“ Land, und durch das kurze Bestehen Litauens ist das Selbstvertrauen der Litauer etwas hinten nach.

subtext.at: Und wo war diese philosophische Diskussion? Im Arenabeisl?
Marco Pogo: Nein, in Berlin (lacht). Aber wenn die Bierpartei 2016 den Präsidenten stellt und wir auch weiterhin die Motivationssongs im Internet releasen, dann kann auch Österreich zur Nummer Eins werden!

subtext.at: Die litauische Botschaft also in der Arena?
Marco Pogo: Oder wir holen sie einfach irgendwo hin. Wir saufen gerne mit allen, die nett zu uns sind. Und die, die nicht leiwand sind, sollen bleiben, wo sie sind. Wir nehmen auch gerne alle Litauer – solange sie Durst mitnehmen (lacht)!

subtext.at: Wie schafft man es, als „Politiker“ aufzutreten, anstatt eines „Assel-Punks“ ja eigentlich gegen dieses zu stehen?
Marco Pogo: Die Bierpartei steht ja eigentlich auch für eine Systemwende. Wir stehen ja auch für „Drangla zuerst“, damit die Entknechteten der kapitalistischen Lohngesellschaft auch mal eine Lobby erhalten. Bis dato ist die Interessesvertretung der „Assis“ schlecht – das soll sich ändern Insofern bleibt man ja dann auch authentisch.

subtext.at: Wird dann das AMS zum BMS, dem Biermarktservice?
Marco Pogo: Wir fordern natürlich die sofortige Auflösung des AMS!

subtext.at: Und in die leeren Gebäude kommen dann Brauereien?
Marco Pogo: Klar! Und alle, die mitarbeiten wollen, können das auch. Aber eigentlich ist es keine Arbeit, sondern der Weg zum Glück – da kann dann jeder sein Bier erschaffen! In Franken ist es auch so – da gibt es pro Kopf die meisten Brauereien, aber die niedrigste Arbeitslosigkeit deutschlandweit!

Turbobier @ Posthof Linz

subtext.at: Wie kann man dann verschiedene Brauereien bei Stange halten?
Marco Pogo: Wir halten natürlich die einzige Aktie an unserem Turbobier, das man immer öfters trinken kann. Wir trinken also gern viel, aber am liebsten dann doch unser eigenes Bier. Da bleibt die Kirche im Dorf – nach dem Motto „Fahr nicht fort, sauf im Ort!“. Man sauft also quasi in die eigene Geldtasche.

subtext.at: Craft-Beer-Festivals sind also nix für euch?
Marco Pogo: Das Problem dort ist einfach, dass die Gläser zu klein sind. Ich war einmal dort – da haben sie mir quasi ein Schnapsglas gegeben. Das war eindeutig zu wenig.

subtext.at: Also Tankstelle und Dosenbier?
Marco Pogo: Ja, das ist sympathischer.

subtext.at: Wie werden die Ideen der Bierpartei eigentlich international aufgenommen?
Marco Pogo: Gut! Vor allem in Deutschland – denen müssen wir ja Entwicklungshilfe geben, die sind im Trinkranking ja deutlich hinter Österreich zurück. Ein sauftechnisches Dritte-Welt-Land, dem man helfen muss.

subtext.at: Wie sehr ihr eigentlich dann das „Problem“ der Islamisierung? Alkohol und Islam geht ja nicht Hand in Hand.
Macro Pogo: Ich glaube ja, dass die weltweiten Spannungen im Rahmen von Religionen, die ich ja auch im Grunde ablehne, viel entspannter wäre, wenn sie alle mal auf ein Bier gehen würden. Das klingt trivial – aber die Lage ist dann doch so trist, dass man nur einen schlechten Scherz machen kann. Dennoch würden wir unsere muslimischen Freunde dazu einladen, mit uns auf die Sonnenseite des Lebens zu kommen und ein Bier zu trinken. Dann würden sie sowieso auf der Sonneseite bleiben!

Fotos: Christoph Thorwartl

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geschrieben von

Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eishockeyfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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