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GET WELL SOON: Liebe und Langeweile / Ottakringer Brauerei

GET WELL SOON: Liebe und Langeweile / Ottakringer Brauerei

Die FM4 Indiekiste… Für Indiefans ein Traum, für alle anderen eine gute Möglichkeit Insomnia und Lebensfreude zu besiegen. Bei der letzten Ausgabe mit GET WELL SOON und INNER TONGUE war nicht alles schlecht, aber so richtig gut war auch nur wenig.

Begonnen hat dieser lauschige, leicht überfüllte Abend mit INNER TONGUE. Wer das ist? Kein Plan, aber die anwesenden Hipster haben die Band aus Wien natürlich schon gekannt, bevor sie cool waren. Beziehungsweise kann das eigentlich jeder behaupten, denn so richtig cool sind sie nach wie vor nicht. Stilistisch pendelt die electronisch angehauchte Pop-Indie-Truppe irgendwo zwischen Soundtrack zum Adernöffnen oder Untermalung des reibungslosen Abgleitens in die purste Form des Nihilismus. Den Wunsch zur Aderöffnung führen INNER TONGUE aber nicht durch besonders deprimierende Texte herbei, sondern durch die schiere Langeweile, mit der die Band ihre kaum einprägsamen Werke durch die Verstärker streichelt und die an einen Gartensessel erinnernde Ausstrahlung des Sängers. Ähnlich apathisch sind die Fans unterwegs und mehr als ein viertelherziges „Wuhu…“ und „Yay…“ samt Anstandsapplaus bringt die überraschend große Ansammlung im alten Brauwerk nicht hervor. Wie denn auch, wenn man schon im Stehen wegpennt? INNER TONGUE: der perfekte Soundtrack für den nächsten A1-Werbespot – belangloses Dahergedudel und im Hintergrund auch gut ignorierbar. Das reißt leider auch der äußerst tolle Trompeteneinsatz nicht mehr raus.

© Markus Wetzlmayr / @wetphoto / www.wet-photo.at NO USE WITHOUT PRIOR WRITTEN PERMISSION // KEINE VERWENDUNG OHNE VORHERIGE SCHRIFTLICHE ERLAUBNIS.

GET WELL SOON hingegen machten im Anschluss – zum Glück, das Frustbesäufnis hätte sonst zum Exitus geführt – alles richtig, was man nur richtig machen kann und der Name ist eine metaphorische Aufmunterung nach dem Vorbanddebakel. Die Truppe um Chef-Melancholiker Konstantin Gropper zeigt, warum sie so beliebt und erfolgreich sind: gekonnt wird ein Gesamtpaket aus Melancholie, Liebe, Schmerz, Leid und noch mehr Liebe geschnürt und mit Druck und Bestimmtheit in die Gehörgänge verfrachtet. Auch beim Publikum tut sich merklich was und der ein oder andere schüttelt sogar die eingeschlafenen Füße zu den etwas härteren Parts von GET WELL SOON aus. Der Abend ist gerettet und deswegen verzeiht man Herrn Gropper und seinen Musketieren auch gerne das „Careless Whisper“-Cover.

Get Well Soon Setlist Ottakringer Brauerei, Vienna, Austria 2016

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Fotos: © Markus Wetzlmayr

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Markus liefert als Teil der Wiener Fraktion von Subtext Konzertfotos aller möglichen Genres. Egal ob Hip Hop oder Black Metal - Hauptsache die Musik geht unter die Haut und drückt in den Ohren.

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