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Crossing Europe 2016: Heimatland / Wonderland

Crossing Europe 2016: Heimatland / Wonderland

Die Schweiz befindet sich im Ausnahmezustand – eine große, bedrohlich wirkende Wolke verspricht Unheil und Chaos. Zehn verschieden Regisseure schlossen sich zusammen und fabrizierten im Kollektiv einen beeindruckenden Film.

Kurz zum Inhalt des Filmes: die Haupthandlung, nämlich der Untergang der Schweiz, der durch eine große Unwetterwolke herbei geführt werden soll (die nur die Schweiz betrifft und an den Grenzen halt macht), wird von vielen Nebenhandlungen begleitet, um die prekäre Situation anschaulicher zu gestalten. Bei den Nebenhandlungen dürfte sich jeder Regisseur ausgetobt haben – und hat somit einen Kurzfilm im eigentlichen Film fabriziert. Immer wieder wird man durch die nebenbei laufenden Medien am Laufenden gehalten und erkennt somit den Verlauf der Katastrophe.

Die Situation kann man vergleichen mit  bei einem Kriegsausbruch oder einer Atomkatastrophe – leer geplünderte Lebensmittelgeschäfte, volle Luftschutzbunker, und einige großkotzige Menschen schwingen populistische Reden, wer nicht alles Schuld an der momentanen Lage ist. Das eigene Hab und Gut wird mit Gewehren verteidigt und flüchtende Personen als Landverräter verfolgt. Europa beschließt gegen Ende des Filmes, die Grenzen zu schließen und keinen Schweizer Staatsangehörigen die Flucht in die Europäische Hochburg zu gewähren – naja, Karma is a bitch.

Der Film schafft es, auf seine eigene Art zu faszinieren. Ungewöhnlich gute Kameraführung, die leicht auch mit den großen Playern mithalten kann. Den Charme, den zehn Regisseure versprühen, kann für einige nervig sein, aber für den anderen gerade richtig. Auch wenn einige Nebenhandlungen zuviel des Guten waren, so waren diese zumindest für das Verständnis der Handlung nicht störend, sondern nur nette, schöne Bilder am Rand der Geschichte. Erschreckend ist es, wie schnell es gehen kann, dass aus einer zivilisierten Bevölkerung innerhalb von Stunden eine Horde an stehlenden, egoistischen und panischen Menschen werden kann. Ein Film, der vielleicht auch zur Aufklärungsarbeit im Bezug der Flüchtlingsproblematik beitragen kann. Zu sehen, dass auch ein „Deutschsprachiges Volk“ so schnell die Kontrolle verlieren kann – und dies nicht nur eine „Besonderheit“ der östlichen Staaten ist. Hier kommt noch der Fakt hinzu, dass auch wir flüchten würden.
Großartiger Film, den man nur weiterempfehlen kann, und wo sich die aufwendige Produktion zu 100 % gelohnt hat!

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Konzerte - Filme - Bücher - Musik - Kunst // Studentin - Veranstalterin - Redakteurin - Fotografin

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