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Thanks: „Als Musiker ist man nie hundertprozentig zufrieden!“

Thanks: „Als Musiker ist man nie hundertprozentig zufrieden!“

Dass Portland zu den wohl spannendsten Orten der USA zählt, wenn es um gute Musik geht, ist hinlänglich bekannt. Zu den wohl interessantesten Bands aus Oregon zählen wohl Thanks – und das nicht nur, weil die Leadsängerin Jimi Hendrix heißt. Ausgefeilte Arrangements, und Platten, wo man bei jedem Track aufs Neue überrascht wird, zeichnen sie aus. Im Juni erscheint das neue Werk „No Mercy On The Mountain“ – im Mai sind Thanks wieder auf großer Europa-Tournee unterwegs, und haben uns vorab ein Interview gegeben. 

subtext.at: Zuallererst mache ichs mir wieder mal einfach: was ist das erste, was ihr in einem Interview zum neuen Album beantworten möchtet?
Jimi Hendrix: Ich glaube, dass es wichtig ist, über den Albennamen und die Lyrichs zu sprechen – die sind mir sehr nahe, und darum auch sehr wichtig. „No Mercy On the Mountain“ ist ein Album über Dichotomie und Ausgeglichenheit. Das Hin und Herr zwischen Licht und Dunkel – und der Titel bedeutet grundsätzlich, dass du niemand anderen um Antworten fragen kannst, wenn man nicht für die Wahrheit bereit ist, in welcher Form auch immer.

subtext.at: Als ich in euer vorhergehendes Album, „Blood Sounds“, reingehört habe, habe ich die Platte als „emotionale Achterbahnfahrt“ bezeichnet. Würdest du dem zustimmen? Ist das das, was THANKS mit ihrer Musik auch erreichen wollen, und hat sich das auch in diesem Album fortgesetzt?
Jimi Hendrix: Thanks-Songs sind eher textlich „Achterbahnfahrten“ als im eigentlichen musikalischen Sinne. Klarerweise löst Musik Emotion aus – was uns natürlich auch wichtig ist. Wir wollen, dass der Zuhörer etwas empfindet, wenn er Thanks hört – was er dann hineininterpretiert, ist aber ausschließlich seine Sache.

subtext.at: Was ich lustig fand: als ich das neue Album zum ersten Mal spielte, wurde ich sofort gefragt, ob Florence + The Machine ein elektronischeres Album am Markt hätten. Kannst du mir eine Erklärung geben, warum man euch damit assoziieren könnte?
Jimi Hendrix: Es ist schon öfters vorgekommen, dass uns jemand mit Florence verglichen hat, genauso wie Siouxsie and the Banshees und die Yeah Yeah Yeahs. Wir sehen die Ähnlichkeit schon, auch wenn sie jetzt nicht die großen „Influences“ sind, wenn wir uns unsere Musik ansehen. Bei Florence ist es halt die emotionale Power in der Stimme, und die Musik, wo wir auch hintendieren. Und natürlich ist es eine Ehre, mit sowas verglichen zu werden!

subtext.at: Für mich in Europa hat es den Anschein, dass es öfters Perioden gibt, wo eher „härtere“ Musik en vogue ist, gefolgt von eher ruhiger, zurückhaltenderer. Würdest du das auch so sehen, gerade wenn du eure letzten beiden Alben „Blood Sounds“ und „No Mercy on the Mountain“ vergleichst?
Jimi Hendrix: Es ist schwer, die beiden aus unserer Warte zu vergleichen – einfach weil „No Mercy on the Mountain“ noch so frisch ist und wir zur Produktion noch so nahe sind. Außerdem ist das erste Album so weit weg von dem, wo wir aktuell als Band stehen, dass es aktuell fast irrelevant für den Sound ist. Aber um auf die Frage zurückzukommen: „Blood Sounds“ ist ein straighteres Rock-Album, während „No Mercy on The Mountain“ polierter und „produzierter“ ist. Was aber nicht Absicht war.

subtext.at: Bands sagen oft, dass sie unmittelbar nach Veröffentlichung eines Albums nicht mehr damit zufrieden sind. Für mich wirkt es so, dass ihr sehr perfektionistisch in eurem Zugang zur Musik seid. Braucht ihr diesen Perfektionismus auch, um ein Album zu produzieren, mit dem auch ihr leben könnt?
Jimi Hendrix: (lacht) Es ist glaube ich universell gültig, dass Musiker nach Veröffentlichung nicht mehr hundertprozentig zufrieden sind. Auch bei der vorherigen Frage spielt das hinein – wenn du etwas so oft hörst, wenn du ein Album produzierst, verliebst du dich in gewisse Stellen. Gerade, weil die Zeit zwischen Schreiben, Aufnehmen und Veröffentlichen oft immens lange dauert – bis zu Jahren. Zum Perfektionismus: ich glaube nicht, dass wir je perfekt sein können, aber wir versuchen schon, alles mögliche zu tun, damit es möglichst gut wird, bevor wir sagen, es sei fertig. Wenn es fertig ist, ist es das für immer. Da lohnt es sich schon, vorher etwas übergenau zu sein.

subtext.at: Es ist oft schwer zu definieren, was das „einzigartige“ an einer Band sei. Was ist das „Einzigartige“ an Thanks für euch?
Jimi Hendrix: Eine schwere Frage – generell über Dinge, in denen man drinhängt. Aber ganz generell: wir sind sechs Leute in der Band, mit so vielen Einflüssen, und anstelle uns auf einen Weg zu einigen, versuchen wir, möglichst breit gefächert an die Sache heranzugehen. Vielleicht kann man auch deswegen den Sound schwer charakterisieren.

subtext.at: Was sollte eurer Meinung nach über Thanks niemals gesagt werden?
Jimi Hendrix: Wir sind nie zu spät zu einer Party gekommen!

subtext.at: Und zum Abschluss meine Standardfrage an Musiker: was soll mal auf eurem Grabstein geschrieben stehen?
Jimi Hendrix: Als ich die Interviewfragen bekam, waren einige von uns gerade in New York, und wir sahen eine Gruppe Kinder, die gerade auf einen Baum kletterten. Einer sagt zu dem anderen: „Just try your best to try!“ – und da haben wir gedacht, dass so ein Ausspruch „Grabsteinmaterial“ sei. Aktuell also „I tried my best to try!“ – aber nächste Woche wäre die Antwort wahrscheinlich eine ganz andere!

Weiter:

Anmerkung: Das Interview wurde aus terminlichen Gründen via E-Mail geführt

THANKS – EUROPE TOUR 2016
09.05.2016 CZ – Prag, Roxy
10.05.2016 DE – Hannover, Cafe Glocksee
11.05.2016 DE – Chemnitz, Astra
12.05.2016 DE – Berlin, Sage Club
13.05.2016 DE – Weimar, Kasseturm
14.05.2016 DE – Leverkusen, Jazz Lev
16.05.2016 DE – Bamberg, Live-Club
17.05.2016 DE -Dresden, Katy’s Garage
18.05.2016 DE – Gießen, MUK
19.05.2016DE – Rüsselsheim am Main, Waschbar
20.05.2016 AT – Wien, Haus der Musik
21.05.2016 AT – Lustenau, Carini Saal
23.05.2016 AT – Innsbruck, Weekender
25.05.2016 DE – Aalen, Frape
26.05.2016 FR – Nyon, La Parenthese
27.05.2016 DE – Offenbach, Hafen 2
28.05.2016 DE – Bayreuth, Glashaus
30.05.2016 DE – Hamburg, Pooca Bar
01.06.2016 DE – Stuttgart, Cafe Galao
02.06.2016 DE -Leipzig, Moritzbastei
03.06.2016 CH -Aarau, KiFF
04.06.2016 AT – Ebensee, Kino

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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