Wohl über keine deutsche Satiresendung gab es je so viel Medien- und Politikaufsehen in den letzten Jahren wie über das Neo Magazin Royale. Und wohl keines löste eine vermeintliche Staatsaffäre aus. Doch wie geht man als Sendung selbst damit um? Und wie schafft man nach einer mehrwöchigen Pause wieder den perfekten Anlauf? Beim Neo Magazin Royale stellen sich nicht nur diese Fragen, es beantwortet auch gleich selbige.

#spoileralert! Solltest du die Sendung noch nicht gesehen haben lass lieber die Finger Augen von diesem Artikel!

Jan Böhmermanns Schmähkritik war in den letzten Wochen gefühlt ununterbrochen in den Medien – alle, von der deutschen Bundeskanzlerin über die Größen der Kunstszene bis hin zum letzten Dorfpolitiker gaben ihren Senf und ihre Einschätzung der Lage dazu ab. Nur einer nicht – Jan Böhmermann selbst und das Team rund um das Neo Magazin Royale verordneten sich ein Monat Funkstille und schwiegen zu dem Thema. Ein wirklich schweres Monat, wie der Satireshowmoderator im ZEIT-Interview zugab. Doch wie sollte eine Satiresendung, welche sich mit Tagesthemen beschäftigt, auch agieren wenn sie selbst Thema Nummer eins ist? Weder können in der Sendung aufgrund des laufenden Gerichtsverfahrens laute Statements von sich gegeben werden, noch hätte so weitergetan werden können als wenn nichts gewesen wäre – irgendwo wäre das Publikum immer unbefriedigt gewesen. Desweiteren hätte unter diesem Druck wohl nie eine Sendung zustande kommen können, die für ihre lässig-lockere Art bekannt ist. Die Pause war richtig. Auch, wenn sie für einige Fans und FreundInnen der Sendung (eingeschlossen mir) wirklich schwer war.

Heute ist die Sendung in altem Glanz wiederauferstanden. Die Erwartungen waren riesig. Hordenweise JournalistInnen tummelten sich am Mittwoch während der Aufzeichnung vor dem Studio König und die ZuschauerInnen vor Ort wurden einem Security Check unterzogen, wohingegen das Einchecken am Flughafen ein Fliegenschiss ist, wie FM4 berichtete. Kein Hashtag der Woche war im Vorhinein ersichtlich und allen im Raum wurde Stillschweigen verordnet. Denn eines war klar: Keiner weiteren „Neo Magazin Royale“-Folge wird jemals so viel Beachtung geschenkt werden wie dieser.

Die Witze des Standups wurden dieses Mal nicht von der Redaktion und Böhmermann selbst, sondern von den ZuseherInnen verfasst. Für jeden ausgestrahlten erhielten die EinsenderInnen 103 € – eine Anspielung auf den Paragraphen nach dem Böhmermann von Erdogan verklagt wurde. Aus 10 000 Einsendungen wurden die besten Witze für das Standup ausgewählt und vom Moderator vorgetragen. Trotz dieser Menge an Einsendungen war der eine oder andere Witz jedoch ein wenig dürftig. Da sollte das nächste Mal wohl doch wieder die Redaktion rangelassen werden.

Nach einem „relativ“ freshen Track von Dendemann brachte Böhmermann zig Einspieler aus der RTL-Sendung „Schwiegermutter gesucht“. Etwas ungewöhnlich, da dieses Element in der Sendung eigentlich fast nie eingesetzt wird und hierzulande nur aus „Willkommen Österreich!“ bekannt ist. Doch dann der große Coup: #varoufake war gestern – jetzt ist Zeit für #verafake! Einer der Kandidaten für „Schwiegertochter gesucht“ wurde vom Neo Magazin Royale gestellt und in Folge deckte die Sendung eine Reihe der – auf gut wienerisch – „weniger leiwanden“ Vorgehensweisen der RTL-Redaktion auf und so wurde mit einem Fake der Fake aufgedeckt.

Als Studiogast war dieses Mal Gregor Gysi geladen – der ehemalige „Die Linke“-Obmann ist ja schon für seine Vorliebe humorvoller Formate bekannt und auch für seinen souveränen Umgang damit. Durch seinen Kommentar zur Böhmermann-Affäre konnte in der Sendung nun doch diese Angesprochen werden, ohne Böhmermann ins Kreuzfeuer zu stellen. Auch wurden in der Rubrik „Entscheide Dich!“ dieses Mal nur politische Fragen abgehandelt, in welchen Gregor Gysi seine weltoffenen Standpunkte darstellte.

Durch diese Kombination aus #verafake (dem „Schwiegermutter gesucht“-Beitrag) und Gregor Gysi als Studiogast und dessen Statements konnte die erste Sendung nach der mehr oder weniger erzwungenen Pause nicht nur wieder mit hervorragender Qualität und ausreichendem Entertaimentfaktor starten. Jan Böhmermann und das Neo Magazin Royale präsentieren ihren GegnerInnen, welchen die Schmähkritik wohl nicht so zugesprochen hat und Böhmermann als Rassisten und Hetzer verurteilten, auf eine verpackte Art und Weise auch deren wahres Gesicht und Korrektheit. Das Neo Magazin Royale treibt Satire nicht nur zur Spitze. Es verwendet diese auch um politische Bildung zu betreiben und Missstände aufzuklären. Bildungsauftrag erfüllt!

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#verafake - der perfekte Wiederanlauf für das Neo Magazin Royale?
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