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Adam Green’s Alladin

Adam Green’s Alladin

Adam Green macht es wie die großen Bands von damals: Sein neuestes Album „Alladin“ ist in Wahrheit nur so etwas wie der Soundtrack zum gleichnamigen Film. Jetzt ist es nur noch fraglich, ob Greens Arbeit an jene der Beatles, Elvis oder Prince heranreicht. 

Eigentlich unglaublich, dass Adam Green nun schon seit fast 13 Jahren in unseren Breitengraden bekannt ist: Für viele tauchte er erstmals auf dem Radar auf, als er in locker-flockiger Art über Jessica Simpson sang und sie dabei nicht wirklich gut wegkommen ließ. (Die großen Musikkenner wussten natürlich schon viel früher, dass er als Teil von „The Moldy Peaches“ bereits in den 90ern bemerkenswert hörenswerten Antifolk produzierte.) Seine ersten Alben wurden gefeiert, es gab regelmäßig neuen Output, aber irgendwann war er plötzlich nicht mehr dieser verrückte Vogel, sondern (für das Album „Minor Love“) der gebrochene Mann (mit kurzen Haaren!), der eine Trennung verarbeitete. Er, der immer Lustige, stets Ironische, der mit einfachen, aber sehr fesselnden Bühnenshows die Leute begeistern konnte, lieferte plötzlich etwas ganz anderes ab. Aber auch dieser nachdenkliche Green hatte was, und so taucht er jetzt, 2016, mit Album Nr. 8 (innerhalb von 14 Jahren) wieder auf der Bildfläche auf. Natürlich wieder mit einem vollkommen unbekannten Teil von Green, das man bisher noch nicht so kannte. Aber man rasch zu lieben lernt.

Die Sache mit Alladin ist aber deshalb noch einmal doppelt so interessant, weil das Album der Soundtrack für einen verstörend-bunten aber zugleich wunderschönen Film ist, den Green mittels Kickstarter-Kampagne finanzierte. 561 Fans haben über 50.000 Dollar beigesteuert, damit dieser Film Realität wird. Gefilmt vom nun offiziell als Multitalent agierenden Adam Green. Wer nach dem Trailer interessiert ist – den gesamten Film kann man sich bereits für 2,99 Dollar ausleihen oder um 8,99 Euro kaufen.

Aber kommen wir mal zurück zum Album. Die kecke, freche Art der ersten Alben hat er abgelegt, auch wenn seine Melodien immer noch eine so mitreißende Leichtigkeit in sich tragen, dass man die ganzen 29 Minuten über unweigerlich mit den Füßen mitwippen muss. In den neunzehn Tracks (davon 5 Kurzzitate aus dem Film) tauchen verschiedenste Instrumente auf, wobei sich keines davon unverschämt in den Vordergrund drängen will. Greens Stimme bleibt stets im Mittelpunkt, was eindeutig nicht negativ ist. Und auch seine Texte zeigen erneut, dass er nicht nur der Lustige ist, sondern in Sachen Songwriting allergrößtes Talent mit sich herumträgt.

Songs wie „Never Lift a Finger“, „Fix My Blues“ oder „Me from Far Away“ sind so stimmig wie nur wenige Green-Lieder bisher. Aber das Album hat ein großes Problem: Es ist nur ein Teil von etwas großem Ganzen. Hat man einmal den Trailer gesehen, schließt man fortan beim Album die Augen und stellt sich eine Szene in der Pappmaché-Welt vor. So  sind die 29 Tracks absolut unterhaltsam, aber man hat immer das Gefühl, etwas nicht erfasst zu haben, weil man den Film noch nicht gesehen hat.

Hätte er mit einem solchen Album und Film angefangen, wäre er der verrückte Indie-Typ gewesen, der glaubt, alles sein zu können, der aber zum Scheitern verurteilt ist. Aber unsere Herzen hat er ja schon vor Jahren mit Friends of Mine und Gemstones gestohlen. Jetzt kann er machen, was er will – und ja, er macht es auch heute noch gut. Anders, aber gut. Und wer mal eben 2,99 Dollar auf der Seite hat, sollte sich den Film ansehen. Denn in Wahrheit sollten viel mehr Musiker wieder beginnen, Filme zu ihren Alben zu produzieren.

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29 Jahre alt - Literarischer Blogger (Neon|Wilderness), Autor ("Volle Distanz. Näher zu dir"), Medienblogger (dominikleitner.com), Printschreiber (MFG Magazin), freier Journalist (u.a. BZ), CD-Kritiker (subtext.at) und Detektiv (365guteDinge)

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