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LEA: Vakuum

LEA: Vakuum

Die junge Sängerin aus Deutschland reiht sich ein in die immer größer (bzw. nie kleiner) werdende Gruppe, die bevorzugt über Liebe, Schmerz und Melancholie sinnieren. Das macht LEA dafür aber besonders gut.

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Mit fünfzehn Jahren brauchte sie nur ein Keyboard, eine Kamera, YouTube und ihre Stimme. Bis heute wurde ihr Video „Wo ist die Liebe hin“ über 2,7 Millionen Mal angesehen worden. Nun, rund 9 Jahre später erschien im April ihr Debütalbum Vakuum, und aus der Singer-/Songwriterin ist eine junge Popfrau geworden. Das große Thema blieb aber: Die Liebe. Das ist nicht unnatürlich, ist es doch etwas, mit dem jeder etwas anzufangen weiß. Und die oft der Hauptgrund für Melancholie zu sein scheint. Aber während zum Beispiel ein Philipp Poisel mit seiner nuschelnden Stimme immer wieder kurz davor ist, im absoluten Kitsch zu versinken (und es doch relativ häufig immer wieder schafft), so erzählt und singt LEA mit klarer Stimme ganze Geschichten. Und das ist vielleicht das Überraschendste daran: der Kitsch, so sehr er auch passen würde, tritt nie bewusst an die Oberfläche. Ganz weg geht er aber natürlich nicht, denn es geht ja schließlich immer noch um die Liebe.

Zwölf Lieder mit rund 45 Minuten befinden sich in LEAs Vakuum: Schon mit dem Opener „Die Segeln sind gesetzt“ zeigt Lea zwei Dinge. Erstens ist sie nicht mehr das Mädchen am Klavier, hier kommt ein völlig anderer, aber ebenfalls großartiger Soundteppich zum Einsatz und zweitens hat diese Frau ihr Songwritertalent weiterentwickelt und bereits im ersten Lied voll ausgelebt.

Kennst du das – wenn die Welt sich nicht mehr dreht und wenn sie
Kennst du das – wenn sie einfach plötzlich steht und wenn sie
Kennst du das – und du läufst und läufst und läufst und kommst nicht an

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All ihre Texte handeln von vielen verschiedenen Themen: vom Erwachsenwerden z.B., oder von der Sehnsucht nach Freiheit, von der Liebe natürlich, von Freunden, von Leiden, und all diesen Gegensätzlichkeiten, mit denen man sich plötzlich auseinandersetzen muss, im Zwischenmenschlichen oder ganz einfach auch nur im gesamten Leben. Das verpackt LEA in zart-poetische Texte, in eine sanfte, aber doch feste Stimme, in schöne Kompositionen. Zu den großen Liedern zähle ich dabei „Schwerelos“, „Nachtzug“, „Dach“ und „Vakuum“.

»Ich hab kein Problem, mit mir selbst zu reden / Hab nur ein Problem damit, mich zu verstehen«, singt LEA. Das ist so treffend, so entwaffnend, schmerzlich wie wunderschön. Dieser Satz könnte die Essenz von »Vakuum« sein. – So steht es im Pressetext zu LEAs Album. Ich finde, es gibt da viele weitere Essenzen. Von den Texten her erinnert sie LEA etwas an Klee, doch der jungen Deutschen haftet in ihrem Gesang so etwas Zerbrechliches an, was Frau Kerstgens von Klee wahrscheinlich nie wirklich hatte. Und so hallt in Vakuum die pure Melancholie wieder. Niemand will hier zu weit nach vorne schauen, niemand will sich hier selbst anlügen. Man suhlt sich, und das besonders gut.

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29 Jahre alt - Literarischer Blogger (Neon|Wilderness), Autor ("Volle Distanz. Näher zu dir"), Medienblogger (dominikleitner.com), Printschreiber (MFG Magazin), freier Journalist (u.a. BZ), CD-Kritiker (subtext.at) und Detektiv (365guteDinge)

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