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Southside: and when the rain begins to fall…

Southside: and when the rain begins to fall…

Deutschland scheint heuer kein guter Boden für Musikfestivals zu sein. Nach dem sintflutbedingten Abbruch am Rock am Ring hat es an diesem Wochenende auch das Southside Festival erwischt. Mussten Twin Atlantic am Freitag noch krankheitsbedingt absagen, wurde schnell klar, warum das so war. Die hatten den Atlantik einfach nach Neuhausen ob Eck mitgenommen – sintflutartiger Regen, der am Abend einsetzte, machte eine Fortsetzung des Spektakels unmöglich. Brexit, ein abgebrochenes Festival – nein, der 24. Juni 2016 wird nicht zu unserem Lieblingstag. 

Alles hätte so gut begonnen: Skindred, Jamie Lawson, Tom Odell, Balthazar und einige Künstler mehr eröffneten am Freitag den ersten offiziellen Festivaltag am Southside Festival bei strahlendem Sonnenschein, 30 Grad im Schatten und gut gelauntem Publikum. Singen Skindred dann bei „Nobody“ noch ihre berühmte Zeilen „Nobody gets out of dis ya pit alive, Nobody no body gets out alive!“, sollte spätestens zwei Stunden später die Drohung zur Wirklichkeit werden. Da hatten Anti-Flag gerade den Brexit kommentiert, und die Blues Pills auf der Red Stage konnten sich über riesigen Zulauf freuen. Warum das so war? Was mit einer klitzekleinen Regenwolke vor Flogging Molly begann, wurde innerhalb von einer halben Stunde zum wohl schwersten Unwetter, das Neuhausen je gesehen hat. „It’s raining Cats and Dogs“ wäre wohl eine Untertreibung. Das Festivalgelände wurde evakuiert, die Auftritte unterbrochen. Spätestens jetzt sollte klar sein, dass hier nicht mehr „Spaß“ zählte. Die meisten Besucher verhielten sich dann auch zivilisiert, und suchten Zuflucht in den Autos oder den bereitgestellten Bussen. Michael Faraday wäre stolz gewesen. Einige Volltrottel – ja, hier darf man es sagen – hielten es aber dann doch für besser, ins Camp der Securities, die das Gelände derweil evakuierten, einzubrechen und deren Sachen zu klauen. Gratuliere, liebe Leute, ihr seid echt die Größten. Gegen 20:15, zur Primetime sozusagen, hingen die Wolken immer dunkler über dem Festivalgelände. Auch der Campingplatz wurde endgültig geräumt. Eigentlich hätten zu diesem Zeitpunkt Wanda auf der Bühne „Amore“ machen sollen. Diese Liebe verschob sich in die Autos der Festivalbesucher – mal schauen, wie viele Babies im März 2017 außertourlich zur Welt kommen. Dann gings los: Wolkenbruch, Blitze, noch mehr Wolkenbruch, noch mehr Blitze. Spätestens jetzt dürfte jeder verstanden haben, warum das Festival abgebrochen wurde. Was da runterkam, war nicht von schlechten Eltern.

Angesichts der Regenmassen war es verständlich, dass auch ab Samstag nix mehr ging. Zu sehr war das Gelände mitgenommen, und auch am Samstag schiffte es nachmittags ununterbrochen. Scheiße, schade, kein Southside, wie es sein sollte, aber: großes Lob an den Veranstalter. Besonnen reagiert, aus der Scheißsituation das beste gemacht, und keine schwereren Verletzungen. Das war das beste, was man da noch rausholen konnte!

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