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Wasser marsch, oder so ähnlich: Ahoi! The Full Hit of Summer

Wasser marsch, oder so ähnlich: Ahoi! The Full Hit of Summer

Das Ahoi! The Full Hit of Summer-Festival im Linzer Donaupark war schon Wochen zuvor ausverkauft. Grund dafür waren wohl die beiden Headliner Beirut und Sigur Rós. Gestern feierten 9.000 Menschen auf im Donaupark die wunderbare Musik. Auch wenn das Wetter nicht unbedingt an Sommer erinnerte.

Pünktlich zum Beginn des Ahoi! The Full Hit Of Summer begann der Regen. So war der Andrang für den erste Act eher mäßig bis nicht vorhanden. Klassische Stücke wurden vom Anton Bruckner Streichquintett neu interpretiert, und begeisterten das vorhandene Publikum – auch wenn man unfreiwillig an den Untergang der Titanic erinnert wurde. Jack Dawson lässt grüßen. Musikalische Rettungsboote brauchte man aber nicht.

Poliça – cuteness overload
Schon beim Soundcheck war klar: Poliça gewann den Cuteness-Preis, mit auf der Bühne war das kleine Kind der Sängerin – gut geschützt mit großen Kopfhörern begleitete es hier die Mutter auf die Bühne. Für Musikernachwuchs ist also gesorgt!

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Die weiche Stimme von Sängerin Channy Leaneagh verschmolz mit den elektronischen Klängen. Verträumt, hypnotisch, düster und doch in einer gewissen Form lebensbejahend verschafft sich die Band die volle Aufmerksamkeit des Publikums. Nach und nach füllte sich die Donaulände und zur Freude aller schaffte es auch die Sonne sich durch die Wolken hervorzukämpfen. Poliça tourt momentan mit ihren dritten Album“United Crushers“ quer durch die Weltgeschichte – umso schöner ist es, dass sie auch Halt in Linz machten. Der Kritik „enough for dance floors, and dreamy enough for headphones“ kann man sich nur anschließen. Ein Musikarrangement bestehend aus Sängerin, Bassist und zwei perfekt aufeinander abgestimmten Schalgzeugern, welches unter die Haut geht.

Ásgeir – mystisch wie Island selbst
Melancholisch geht es auch mit dem ersten isländischen Act des Abends weiter. Und wie wir es von den Isländern gewohnt sind, begeisterten auch Ásgeir mit perfekt durchdachten musikalischen Meisterwerken. Spätesten mit  „In Harmony“, „Higher“ und „King and Cross“ hatte er das Publikum in seinen Bann gezogen. Auch wenn die meisten Lieder nicht aus seiner eigenen Feder stammen, sorgte der junge Musiker für eine andächtige Stimmung. Ein ideales, wenn auch im Vergleich zum folgenden Programm ein kontrastreiches Aufwärmprogramm.

Beirut – fröhliche Abwechslung
Ungewöhnlich fröhlich für den Abend, geht es Posaunen und Trompeten weiter. Sommerliche Indieklänge laden zum Tanzen ein. Mit dem 2015 erschienen Album „No No No“ machten Beirut einen Neunanfang und verzichteten vermehrt auf dumpfe schwere melancholische Töne – gesamt gesehen viel fröhlicher als die vorhergegangen Werke. Und im vergleich zu Ásgeir eine willkommene Abwechslung, um nicht komplett in eine musikalische Depression zu fallen. Wer aber allen Grund hatte zu weinen war der Himmel. Es schüttete aus Kübeln – und nachdem wir heuer am Southside-Festival schon abgesoffen sind, können wir zurecht behaupten, dass „Schütten“ auch hier das angebrachte Wort war. Die Linzer sind es seit unzähligen verregneten Linzfesten gewöhnt, trotz Regen auszuharren und abzufeiern. So sangen und tanzten 9.000 mit blauen Regenponchos bekleidete Menschen zu den Liedern von Beirut, wie zum Beispiel zu „No No No“oder „Nantes“. So wie sie den Abend begonnen hatten, so beendeten sie ihn auch. Beirut konnten gestern in Linz sicher einige (klatschnasse) Fans dazu gewinnen. Danach war Umbau angesagt, und es war unsicher, ob Sigur Ros ob des drohenden Gewitters noch auf der Bühne stehen sollten.

Sigur Rós – Theater für die Ohren
Haben wir gerade Gewitter geschrieben? Ja? Stimmt – es wurde ein Gewitter. Allerdings ein musikalisches. Pünktlich als Sigur Ros die Bühne betreten, hört dann auch der Regen auf. Auch der Wettergott dürfte irgendwo zwischen Reykjavik und Eyjafjallajökull ein Domizil haben. Kein Wunder, wenn man Exporte wie Sigur Ros hat. Die mitunter wohl opulenteste Produktion, die Linz je gesehen hat. Ein Konzert einer Band, wo man grade nicht so recht weiß, wo sie sich hin entwickelt. Jónsi und Co verstehen es aber immer noch, das Publikum auf ihre ganz, ganz eigene Art und Weise zu verführen. Eine Gratwanderung zwischen Ambient-Sounds und Klangexplosion. Eine Mixtur aus ruhigen, intimen Momenten, um dann wie ein Vulkanausbruch auf das Publikum hereinzubrechen. Ja, Sigur Rós wissen, wie man mit den Sinnen spielt. Ein perfekt inszeniertes Bühnenbild tut sein Übriges. Außergewöhnliche Musik braucht auch außergewöhnliches Wetter- und knapp eine Dreiviertelstunde, nachdem das Konzert beendet war, ging auch der Wettergott wieder auf die Toilette, und es schüttete weiter. Irgendwie passend.

Neben der Musik – ein kleines Resümee
Es ist immer wieder erstaunlich wie schnell sich ein Gelände, in ein Festival verwandeln kann. Wo eine Woche zuvor noch der Ferienbeginn bei einem gemütlichen Dosenbier gefeiert wurde, feierten gestern 9.000 Menschen die wunderbare Musik von Poliça, Ásgeir, Beirut und Sigur Rós. Vor allem hat sich das Festivalgelände den Namen auch wirklich verdient – ausreichend Bars, Toiletten und sogar ein Mini-Streetfoodmarket waren vorhanden. Ein gelungene Ausgabe des ersten Ahoi! The full Hit of Summer, das nach einer Wiederholung schreit. Wir träumen bereits von möglichen Headlinern!

Foto: Christoph Thorwartl, Andreas Wörister

 

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