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THE FLATLINERS: quo vadis, Sommerloch?

THE FLATLINERS: quo vadis, Sommerloch?

Der Sommer neigt sich in Sachen Konzerte langsam aber sicher seinem Ende zu. Am Freitag gastierten im Auerhahn The Flatliners und The Decline, die auf dem Rückweg vom Punkrock Holiday einen kurzen Österreich-Stop einlegten. Supporten durften – mangels lokalen Punkrock-Bands – unsere Lieblings-Grunger Spirit Desire.

Die Nachricht, dass Linz momentan eine gute Anlaufstelle ist, wenn man gerne US-Punk-Bands aus dem Dunstkreis des Kultlabels Fat Wreck Chords sehen möchte, dürfte schön langsam größere Kreise ziehen. Auch aus Wien waren Leute angereist. Keine Selbstverständlichkeit. Der Grund dafür? The Flatliners waren in der Stadt. Gemeinsam mit den australischen Kollegen The Decline tourt man aktuell für 2 Wochen durch Europa und parkte für diesen Abend den Nightliner im Gastgarten.

Der Saal war um 20 Uhr schon recht anständig gefüllt. Denn wenig später ging es auch schon los mit Spirit Desire. Die legten einen gewohnt guten Auftritt hin (wie wir es dieses Jahr schon einige Male erlebt haben) und präsentierten erstmals zwei brandneue Songs, von ihrem hoffentlich bald erscheinenden Debütalbum. Das Set fiel tempomäßig im Vergleich zu den nachfolgenden Bands naturgemäß ab, qualitativ keineswegs. Es dürfte für einige Anwesende wohl ein kleines „Aha“-Erlebnis gewesen sein, dass sich in Österreich eine solche Band herumtreibt. Bleibt zu hoffen, dass sich nun noch mehr Menschen auf die erste LP der Band freuen.

Die Australier The Decline brachten danach ihren geradlinigen, melodischen Punk Rock aus Down Under mit ins Gasthaus. Stilistisch erinnerte mich das ein bisschen an Millencolin oder Lagwagon. Ein sympathischer und grundsolider Auftritt. Eine kurze Pause aufgrund eines defekten Kabels wurde genutzt, um über die ungewöhnliche Location inklusive Kegelbahn im Backstage Bereich zu schwärmen und ihre Meinung zu österreichischem Bier (Anmerkung: Gösser) kundzutun. „It‘s alright“. Ausnahmslos zu begeistern vermochten die vier Aussies aber leider auch nicht. Der oft zitierte Wow-Effekt blieb, ähnlich wie für sie beim Bier, aus. Nichtsdestotrotz eine Band, die man sich jederzeit gerne zu Gemüte führen kann.

Eine deutlich leichtere Aufgabe war das mit dem Auslösen von Begeisterung dann für den mit Freude erwarteten Headliner – The Flatliners aus Toronto, Kanada. Auch sie sind schon seit fast 15 Jahren im Punk-Zirkus unterwegs. Eine Zeit, in der das Quartett zu einer perfekt aufeinander eingespielten Einheit geworden ist, wie unter anderem ihr letztes Album „Dead Language“ zu bezeugen weiß. Schweißtreibender, flotter Punk Rock mit Wurzeln in Americana und working class Rock’N’Roll. Im Gegensatz zu artverwandten Kollegen wie The Gaslight Anthem aber gänzlich ohne Abnutzungserscheinungen. Sänger Chris Cresswell hatte sich wegen der „fancy occasion“, wie er sagte, sogar in ein frisch gebügeltes Hemd geworfen. Alle Achtung!
Alles in allem legten die Flatliners einen gänzlich runden Auftritt hin. Eines dieser Konzerte, bei denen man auch nichts dagegen hätte, wenn es noch für eine weitere Stunde andauern würde.

Abschließend muss ich noch erwähnen, dass das Bier diesmal kalt und die PA-Boxen höher positioniert waren, was das wunderbare Konzerterlebnis vervollständigte. Während andernorts in kürze die Tore nach der Sommerpause bereits wieder öffnen, gibt es im Auerhahn jetzt erstmal eine kleine Konzertpause. Sommerloch, quo vadis? Der September wird erstmal ruhiger. Am 29. Oktober geht es dann aber wieder weiter mit No Fun At All.

Fotos: Andreas Wörister (Slih’s Photography)

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Schreibt Albumrezensionen, Konzertberichte und führt gerne Interviews - transkribieren tut er diese aber weniger gern. Immer wieder auch für Blödsinnigkeiten abseits seines Kerngebiets "Musik" zu haben. Hosted einmal monatlich die Sendung "Subtext on Air" auf Radio FRO, ist bei mehreren Kulturinitiativen und in einer Band aktiv.

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