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STRUNG OUT: „…in the back of an Austrian restaurant“

STRUNG OUT: „…in the back of an Austrian restaurant“

Auch nach dem dritten Punkrock-Konzertabend im Gasthaus Auerhahn mutet es immer noch etwas absurd an, welche Bands sich da momentan im Festsaal des Urfahraner Wirt’n tummeln. Das Line-up am gestrigen Dienstag setzte dem bisherigem Geschehen aber definitiv die Krone auf. Mit Strung Out, A Wilhelm Scream und Such Gold feierten gleich drei US-Bands ihr Premierengastspiel in Linz. Herz, was willst du mehr?

Der Abend begann bereits verdammt stark. Zur Primetime um 20:15 eröffneten Such Gold aus dem Bundesstaat New York den Abend. Für mich persönlich war dies nach dem Fluff Fest in Tschechien und dem Stray Fest in Bayern bereits das dritte Mal innerhalb kürzester Zeit, dass ich die Band bestaunen durfte. Einen ganzen Monat lang sind sie in Europa unterwegs. Abnutzungserscheinungen? Fehlanzeige! Obwohl sie dem Großteil des interessiert lauschendem Publikums noch kein Begriff gewesen sein dürften, sollte es Such Gold mit diesem beherzten Auftritt gelungen sein, einige neue Sympathien zu erobern. Sie spicken ihre schnellen Punkrock-Songs mit reichlich technischer Raffinesse, Rhythmus- und Tempowechseln. Zudem war die Band, wie man mehrmals hören und später auch noch sehen konnte, vollkommen aus dem Häuschen, eine Bühne mit zwei Bands zu teilen, ohne die es sie wohl gar nicht geben würde.

Als wenig später schon A Wilhelm Scream die Bühne betraten, war der vordere Teil des Saals aufgrund des regen Treibens im Raucherbereich noch etwas leer. Was Sänger Nuno Pereira gleich mal als eine Art Einladung ansah, das Publikum wiederholt auf charmante Weise durch den Kakao zu ziehen. „Did you all have lots of cigarettes in a tiny room today? Yes? Ok, cool!“
Es dauerte keine Sekunde, da hatten sie das Publikum mit „The King Is Dead“ schon an der Angel. In den vorderen Reihen wurde fleißig mitgesungen und mit den Köpfen genickt, während die Protagonisten auf der Bühne ein Ausdauersport-Programm abzogen, bei dem der Schweiß regelrecht in Strömen floss. Der mehrstimmige Gesang saß immerzu perfekt und das spielerische Können der beiden Gitarristen lässt einen sowieso gelegentlich daran zweifeln, ob man das eigentlich noch guten Gewissens Punk Rock nennen darf. Es ist eine Freude dieser Band zuzusehen. Ihr übriges dazu tat die starke Setlist, die mit „I Wipe My Ass With Showbiz“ und „The Kids Can Eat A Bag Of Dicks“ bis zum abschließenden „Famous Friends And Fashion Drunks“ ebenfalls kaum einen Hit ausließ. Auch Such Gold Gitarrist und Sänger Ben Kotin ließ es sich nicht nehmen, gegen Ende des Sets einen Gastauftritt hinzulegen, während seine Bandkollegen in den ersten Reihen mitfeierten. Es würde schwer werden für Strung Out, das in irgendeiner Weise nochmal zu toppen!

Doch bevor die Herren aus Kalifornien an der Reihe waren, gab es noch eine kurze Ansprache der beiden Veranstalter, die sich für den vollen Saal und das viele positive Feedback bedankten und bereits ankündigten, weiterhin Konzerte in diesem Stile veranstalten zu wollen. Übrigens: Am Freitag geht es ja mit The Flatliners, The Decline und Spirit Desire bereits wieder weiter mit dem bunten Treiben und im Oktober kommen tatsächlich No Fun At All zur (Pre-)Halloween-Party. Hut ab! Hoffentlich darf sich die Veranstaltungsreihe auch weiterhin über so zahlreichen Support wie gestern Abend freuen.

Strung Out spielten sich zum Abschluss in souveräner Manier durch ihre über 20 Bandjahre umspannende Diskographie. Ob vom legendären 96er Album „Suburban Teenage Wasteland Blues“ oder der 2015, nach sechs Jahren Pause erschienenen Platte „Transmission.Alpha.Delta“ – alles wurde gebührend zelebriert. Vorne in der Mitte wurde getanzt, gemosht und mitgesungen und nun hatte auch Such Gold Bassist Jon „Wolfman“ Markson seinen großen Gastauftritt. Außerdem: Wenn sogar der Veranstalter einen Stagedive hinlegt, merkt man dass es sich hier um eine Herzensangelegenheit handelt und man darf wahrhaftig von einem gelungenen Konzert sprechen. Spätestens beim Zugabenblock mit „Too Close To See“ und „The Misanthropic Principle“ wurden dann auch die letzten vollen Bierbecher zu Gunsten des Mosh-/Circlepits aufgegeben und es gab endgültig kein Halten mehr. Ein toller Abschluss!

Klarerweise haben die Veranstaltungen im Auerhahn noch mit der einen oder anderen Kinderkrankheit zu kämpfen, die sich mit Fortdauer sicher auch noch legen werden. Sieht man aber von der, aufgrund der örtlichen Gegebenheiten, eher suboptimal positionierten PA (die für heute ein liebliches Pfeifen im Gehörgang hinterlassen hat) und dem eher zimmertemperierten Bier ab, bleibt ein grandioser Konzertabend, der sich hoffentlich in dieser Form noch öfter wiederholen wird. Ach und noch was: Wo zur Hölle sind eigentlich die Punk Kids? Ich war gestern mit meinen 23 Lenzen definitiv einer der Jüngsten im Publikum. Just sayin‘!

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Schreibt Albumrezensionen, Konzertberichte und führt gerne Interviews - transkribieren tut er diese aber weniger gern. Immer wieder auch für Blödsinnigkeiten abseits seines Kerngebiets "Musik" zu haben. Hosted einmal monatlich die Sendung "Subtext on Air" auf Radio FRO, ist bei mehreren Kulturinitiativen und in einer Band aktiv.

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