Einen der Plätze, worüber wahrscheinlich jeder seine „Gschichtln“ erzählen kann, hat wohl jeder. Stammbeisl sagt man dazu wahrscheinlich. Eines dieser „Stammbeisln“ in der Linzer Innenstadt feierte letztes Wochenende seinen neunten Geburtstag. Zeit also für eine kleine Dankesrede, liebes Solaris!

Ein Bier nach der Arbeit, ein paar Biere mehr am Wochenende, einen Cocktail, um sich mal selbst zu belohnen, oder einfach nur mal einen Kaffee am Nachmittag – wohl jeder von uns hat einen Ort, wo er oben genannten Aktivitäten gerne fröhnt. Außer er ist Antialkoholiker – in dem Falle kann man gerne auch das Wort „Bier“ oben mit „AZM“ oder „Peda-Cola“ ersetzen. Für viele Linzer und Linzerinnen ist genauso ein Ort das Linzer Solaris. Ein Name, der relativ schnell genannt wird, wenn man die Wörter „Linz“ und „Clubkultur“ assoziiert. Auch für mich ist das Solaris so ein Ort – doch eigentlich viel mehr als nur ein „Stammbeisl“. Natürlich trifft sich hier die „Kulturszene“, natürlich trifft man hier immer Leute, die man kennt – doch damit hätte man sich noch keine Dankesrede verdient.

Man könnte jetzt anfangen, und sagen, dass das Solaris quasi das Mekka der mitunter doch mal dürftigen Linzer Clubkultur sei. Stimmt. Veranstaltungen wie „Lost in Linz“ (für die Freunde elektronischer Musik) oder „State of Yo!“ (für die Hip-Hop-Headz) sind der Beweis dafür – wenn man zu Hause am übernächsten Tag oft noch immer den Geruch einer durchzechten Nacht riechen kann, hat man als Location definitiv was richtig gemacht. Zu oft sind wir schon im Morgengrauen herausgewankt, und wussten, dass sich letzte Nacht ausgezahlt hat. Also alleine dafür, dass geile (jetzt nicht im oberaffentittengeilen Sinne, sondern im wahren!) Parties noch ihren Platz in dieser oftmals so müden Stadt haben: danke, liebes Solaris!

Was man in diesem Zusammenhang erwähnen muss, und was nicht nur unterschwellig mitschwingen soll, ist Offenheit. Vielleicht ist es gerade in Zeiten wie diesen aktueller denn je, dass dort Parties wie das queere „Schmusn“ oder auch Poetry Slams stattfinden. Toleranz, egal wem gegenüber – und möge er noch so betrunken sein – will ich auch haben, wenn ich mal fünf Bier zu viel habe. Eine vielfältige Kulturlandschaft sowieso. Dafür, dass diese Toleranz groß geschrieben wird: danke!

Dass der OK-Platz zu den schönsten Plätzen der Stadt zählt, braucht man nicht mehr extra zu erwähnen. Und apropos fünf Bier zu viel: natürlich auch danke, liebes Solaris, dass du uns ab und zu einiges von diesem köstlichen Gerstensaft vergönnst. Danke dafür, dass wir meistens nicht mal mehr bestellen müssen, um den auch zu erhalten. Und „danke“ dafür, dass du hauptverantwortlich dafür bist, wenn ich wieder mal am Sonntagmorgen mit stinkenden Klamotten und einem Schädel, der kurz vorm Zerplatzen steht, aufwache. „Danke“ dafür, dass mein sonntägliches Gebet weniger der Kirche, sondern dem Porzellangott zu Hause gilt. „Danke“ dafür, dass ich so oft auf den Sonntagsbrunch verzichten darf. Danke dafür, dass ich die so verhassten Verwandtschaftsbesuche am Wochenende nach dem Date mit dir ausfallen lassen durfte, nur um am Sonntagabend wieder bei dir zu landen. Danke für die Green Destinys, die nicht zu Unrecht berühmt (und vor allem berüchtigt) sind. Danke dafür, dass es dich jetzt schon neun Jahre und hoffentlich noch länger gibt. Und zuletzt: danke, liebes Solaris, dass du 2017 endlich zum Nichtraucherlokal wirst!

Foto: Andreas Kepplinger

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