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BLACKOUT PROBLEMS: „Wir glauben an Freiheit durch Chaos!“

BLACKOUT PROBLEMS: „Wir glauben an Freiheit durch Chaos!“

Seit Anfang Februar ist die Platte „Holy“ der Blackout Problems mittlerweile erhältlich. Im März beehrten sie dann auf der dazugehörigen Releasetour die Stadtwerkstatt in Linz. Eine tolle Gelegenheit, um es sich mit dem Münchener Rock-Trio im Backstageraum gemütlich zu machen und ihnen ein paar Fragen über das Album, ihre harte Arbeitsethik und darüber, was sie als Band antreibt, zu sprechen.

subtext.at: Erst einmal Gratulation zum Album. Meiner Meinung nach ist Holy eine sehr gute Platte geworden, weil ihr darauf genau das einfangen konntet, was euch als Live-Band so auszeichnet.
Markus: Vielen Dank!

subtext.at: Ich würde gerne wissen, ob ihr das auch so ähnlich seht, bzw. was eine Blackout Problems-Liveshow in euren Augen besonders macht.
Michael: Vollkommenes Chaos! Positives Chaos!
Mario: Wir glauben an Freiheit durch Chaos. Das ist eine nebenbei bemerkt eine Zeile aus einem Song von „Gallows. Das finde ich, ist das Schönste bei Konzerten. Wenn so totales Chaos herrscht. Aber das ist, so wie Michi gesagt hat, etwas Positives. So dass alle da total Bock drauf haben.

subtext.at: Also dieses Durchdrehen und alles um sich herum vergessen?
Mario: Ja, genau! Dieses Gefühl, alles fallen zu lassen.
Michael: Keine Grenzen, keine Regeln. Eine Bühne ist da auch eigentlich vollkommen überflüssig. So von wegen – es gibt keinen Unterschied zwischen Musiker und Publikum.

subtext.at: Stimmt ihr mir da zu, in der Ansicht, dass dieses Gefühl auf Holy bisher am besten transportiert wird?
Mario: Absolut! Es ist für uns ein sehr großes Kompliment, dass du das sagst. Weil das war schon so ein bisschen unser Ziel dabei. Wir haben oft schon zu Ohren bekommen, „Ja, ich fand euch live schon ganz geil, aber auf CD ist das irgendwie noch nichts.“ Und genau das wollten wir eben erreichen. Dass die Leute sagen „Hey, das ist live cool und auf CD cool!“. Und wenn du sagst, wir haben’s geschafft, dann haben wir ja immerhin schon einen überzeugen können.

subtext.at: Wir haben vor zwei Jahren, falls ihr euch erinnern könnt,  für Radio FRO schon mal ein Interview geführt. Seitdem hat sich ja einiges getan bei euch. Ihr hattet dazwischen eine EP und jetzt eben das Album, habt jetzt quasi auch noch ein viertes Mitglied dazubekommen [Anmerkung: Livegitarrist Mo] und eine ziemlich engagierte Crew, die euch auf Tour begleitet. Geht es euch mittlerweile schon so, dass ihr aus dem Tourbus aussteigt und erstmal nachfragen müsst, in welcher Stadt ihr denn heute spielt, oder ist diese Gefahr bei euch noch nicht gegeben?
Markus: (lacht) Ne, wir sind immer sehr gerne hier in Wien! Nein, Quatsch! Also wenn das wirklich mal passieren sollte, dann haben wir definitiv irgendetwas falsch gemacht…oder am Vorabend zu viele Drogen genommen. Nein, Scherz! Also das wär schon schade, wenn wir nicht mal mehr das wüssten.

subtext.at: Was hat sich in der Zwischenzeit für euch persönlich am meisten verändert?
Mario: Wir investieren noch mehr Zeit in die Band. Das war vorher schon viel, ist jetzt aber definitiv nochmal mehr geworden. Wir haben zum Beispiel Dinge wie Studium, Praktikas und Nebenjobs, dieses ganze Optionen, die wir vorher eben noch so hatten, über Bord geworfen. Zumindest jetzt im Moment machen wir nichts anderes außer eben Musik. Sonst hat sich persönlich eigentlich nichts geändert. Wir sind immer noch am liebsten mit unseren Freunden unterwegs und haben auch immer noch dieselben Kumpels mit wie schon vor zwei Jahren. Jetzt haben wir Gott sei Dank ein bisschen mehr Platz im Auto und können mehr Leute mitnehmen. Aber wir sind immer noch total froh, dass wir überhaupt die Möglichkeit haben, das alles machen zu dürfen. Ich hab mir das grad gestern wieder gedacht! Das ist jetzt keine Laberei! Ich hab mir gestern bei dem Konzert gedacht „Wow, das ist echt total cool, dass wir die Möglichkeit haben, von Zuhause weg zu sein und Konzerte zu spielen und dass da Leute stehen, die Spaß haben und die Texte mitsingen.“
Michael: …und auch wirklich Eintritt dafür zahlen, im Vorverkauf Tickets kaufen und so weiter.
Mario: Ja, das kommt ja jetzt noch dazu auf der Tour. In Wien zum Beispiel war das das allererste Mal, dass da Leute stehen, die 15 Euro Eintritt bezahlt haben, um uns zu sehen. Und dann waren da, glaube ich so viele Leute wie noch nie zuvor. Das ist für uns schon ein Zeichen: Hey, cool! Da ist echt Interesse da. Diese Leute wollen unsere Musik live hören. Das ist echt etwas Schönes für uns!

subtext.at: Stichwort: Studium hinschmeißen. Das ist ja eine verdammt große Entscheidung, die man nicht mal eben im Vorbeigehen trifft. Würdet ihr das rückwirkend wahrscheinlich nochmal genauso machen?
Mario: Also ich bereue nichts im Moment!
Michael: Ich bereue ein paar Dinge! (lacht) Nein, ich würd auch alles nochmal genauso machen.
Markus: Du hättest wahrscheinlich noch etwas länger in Linz leben wollen, oder so…
Michael: Vielleicht, ja. Nein, im Endeffekt war das schon der richtige Zeitpunkt.
Mario: Ich versteh das schon. Also dieses Studentenleben, auf der Uni und so…das hat schon auch seine Romantik. Aber das was wir jetzt so machen ist schon noch cooler, finde ich. Zumindest für uns. Das muss ja immer noch jeder selber entscheiden. Wir haben uns eben für diesen Weg entschieden.

Blackout Problems Live

subtext.at: Wenn ihr mit eurem eigenen Ich von vor zwei Jahren reden könntet. Gibt es da irgendetwas, dass ihr euch sagen wollen würdet?
Mario: Ja gibt es! Lass dir die Haare wachsen! (lacht)
Markus: Ja, das wär bei mir auch das Erste! (lacht)
Mario: Was wir gerade in den letzten beiden Jahren gelernt haben war: achte nicht so viel darauf, was Leute denken, oder Leute über dich sagen. Damit meine ich gerade so die Leute, die in der Musikbranche tätig sind. Hör mal auf dich selbst! Schau was du machen willst…und dann mach das einfach mal! …Probier das einfach durchzuziehen! Denn das war schon so etwas, dass uns in den letzten beiden Jahren beschäftigt und auch so ein bisschen blockiert hat. Weil wir haben ja jetzt kein Label und wir haben uns da schon ein wenig davon blockieren lassen. Wir hatten immer dieses Gefühl ein Label finden zu müssen um eine CD rauszubringen. Das ist völliger Schwachsinn! Man braucht kein Label, um eine CD rauszubringen. Man braucht nur Lieder. Dann muss man eben lange genug sparen bis man ins Studio gehen und die aufnehmen kann. Bis wir soweit waren und das realisiert haben ist schon einiges an Zeit vergangen.

subtext.at: Ihr habt damals im Interview auch gesagt, dass ihr diesen nächsten Schritt, dieses Album erst dann machen wollt, wenn für euch die Voraussetzungen und das entsprechende Drumherum gegeben sind. War das jetzt der Fall?
Mario: Ja, genau! Also ich glaub das war so Anfang 2015 als wir draufgekommen sind: „Hey, wir finden kein Label, keinen Partner, der das so mit uns machen will, wie wir uns das vorstellen.“ Daraufhin haben wir drei uns eine kleine Ferienhütte gemietet und haben da beschlossen: „Wir bringen das raus! Egal was da kommt. Wir machen das!“ und haben dann eben begonnen daran zu arbeiten. Und das ist echt total gut aufgegangen in dem Jahr. Es war wahnsinnig viel Arbeit und hat viel Zeit in Anspruch genommen, aber jetzt sind wir einfach froh, dass wir das so gemacht haben. Denn ich glaube, da zerbrechen auch viele Bands daran. Wir waren auch ein paar Mal in so einem Chaos drin, wo wir nicht weiter wussten und haben uns eben immer wieder gesagt: „Scheiß drauf! Wir machen das!“ Und wenn es niemandem gefallen hätte, dann hätten wir es zumindest immer noch genauso gemacht, wie wir das wollten.

subtext.at: Auch auf der Bühne hat sich bei euch etwas verändert seit wir uns zum letzten Mal gesehen haben. Damals war Mo noch als Support mit seiner Band First Class Ticket mit dabei, jetzt bei euch an der Gitarre. Ist er jetzt schon offiziell euer viertes Bandmitglied?
Mario: Er ist unser Livegitarrist. Wir sind jetzt gerade in der Situation, dass wir das öfter gefragt werden und wissen es selber nicht so genau. Wir haben vor der Tour beschlossen, dass wir zu viert auf der Bühne stehen wollen. Wir haben uns überlegt, dass wenn wir „Holy“ so auf die Bühne bringen wollen wie es eben gedacht ist, dann hätten wir ansonsten oft eine zweite Gitarre vom Band laufen lassen müssen – und darauf hatten wir einfach keinen Bock. Unser bester Freund kann singen und spielt Gitarre, also warum nicht? Alles Weitere steht in den Sternen.

Blackout Problems 2016

subtext.at: Ihr seid in den letzten beiden Jahren viel mit Heisskalt auf Tour unterwegs gewesen, deren Gitarrist Philipp Koch nun in weiterer Folge eure Platte aufgenommen und produziert hat. Was habt ihr euch von dieser Erfahrung mitgenommen? Hat sich diese Zusammenarbeit auf der gemeinsamen Tour ergeben?
Markus: Ich finde, dass diese Tour und gerade diese freundschaftliche Beziehung, die da mit den Jungs von Heisskalt in den letzten knapp zwei Jahren entstanden ist äußerst prägend für uns waren. Wir hätten das, was wir jetzt gemacht haben nie zustande gebracht, wenn wir nicht diese Möglichkeit gehabt hätten, Tag für Tag irgendwo anders mit ihnen zu spielen. Weil wir uns a) untereinander super verstanden haben und b) die Zielgruppe für uns als Band ganz einfach eine ähnliche ist.
Mario: Zur zweiten Frage: Die Idee für die Zusammenarbeit kam dann nach der Tour. Dieses Umfeld von Heisskalt kennenzulernen war so eines der besten Dinge, die uns 2014 passiert sind. Daraus sind ganz viele Sachen entstanden. Wir haben beispielsweise auf der Tour unseren jetztigen Manager kennengelernt. Wir haben Phil kennengelernt, der uns glaube ich anfangs gar nicht so gemocht hat und uns sehr, sehr kritisch gegenüberstand. Was im Endeffekt auch ein Grund war warum wir gesagt haben „Hey, der könnte unser Album produzieren!“ Das war so geil! Er stand da während der Shows immer so am FOH und hat ultra grimmig gekuckt. Da hast du gemerkt, der Phil ist kein Fan davon, dass man zum Beispiel Synthesizer vom Band spielen lässt und so weiter. Man hat gemerkt, dass er eine starke Meinung zu uns hat. Dann haben wir ihn nach der Tour angerufen und haben gesagt „Phil, wir denken du bist der Typ der unser Album produzieren sollte.“ und er hat geantwortet, „Yo! Okay, mach ich!“.

subtext.at: Ihr wolltet also unbedingt jemanden, der euch auch mal in den Arsch tritt und gerade heraus sagt, was er gut und was er scheiße findet. Kann man das so sagen?
Mario: Ja…und wir wollten einfach jemanden, der ein Gespür für das hat, was wir machen wollen. Wir haben schnell gemerkt, dass er einen Sinn für die Art von Musik hat, die wir auch mögen und das wir stark von den selben Bands geprägt worden sind. Phil hat einfach ziemlich schnell verstanden wo wir hin wollten und war dann dafür verantwortlich den Style und den Sound so hinzubekommen. Er hat eigentlich gar nicht ins Songwriting eingegriffen, sondern hat sich eben stark mit dem Sound und der Art und Weise, wie wir recorden, beschäftigt. Zum Beispiel, dass man den ersten Take von einem Song schon mal nehmen kann, wenns vom Feeling her geil war, auch wenn da vielleicht ein paar Fehler drin waren. Deswegen finde ich, ist das am Ende so eine Charakterplatte geworden. Das zeichnet das Ganze irgendwie aus und das hat uns auch sehr viel Selbstvertrauen gegeben.

subtext.at: Gibt es unter diesen 13 Songs, die auf „Holy“ sind, einen auf den ihr ganz besonders stolz seid, den ihr euch ohne dieser Form vor ein paar Jahren vielleicht gar nicht getraut hättet?
Markus:Follow Me“…wahrscheinlich! Wir hatten von dem Song keine Ahnung wie viele Versionen…
Michael: …gefühlt Hundert!
Markus: …und wir wussten lange nicht wie der klingen soll. Dann war Phil uns und wir haben diesen Intro-Teil mit der Punchline und dieser Gitarrenmelodie probiert. Das war auf jeden Fall etwas ganz Neues für uns. Das hätten wir so sicher nicht ganz einfach an einem Sonntagnachmittag im Proberaum geschrieben. Wir sind natürlich auf dieses gesamte Werk „Holy“ stolz, aber das war auf jeden Fall ein Song, der das Album ein Stück weit geprägt hat.

subtext.at: Abschließend – Was wurdet ihr in einem Interview bisher noch nie gefragt, würdet ihr aber total gerne mal beantworten?
Mario: Wir würden voll gerne mal gefragt werden, was denn eigentlich unser Name bedeutet! (lacht)
Markus: …oder ob wir lieber Club- oder Festivalshows spielen! Ne, Spaß! …Was wollen wir wirklich gefragt werden?
Michael: Vielleicht was die tollste Stadt auf der Tour mit den großartigsten Menschen und der besten Szene war? …Linz!

subtext.at: Eine glatte Lüge, aber ein toller Schlusspunkt! Danke für das Gespräch und viel Spaß auf der Bühne!

 

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Schreibt Albumrezensionen, Konzertberichte und führt gerne Interviews - transkribieren tut er diese aber weniger gern. Immer wieder auch für Blödsinnigkeiten abseits seines Kerngebiets "Musik" zu haben. Hosted einmal monatlich die Sendung "Subtext on Air" auf Radio FRO, ist bei mehreren Kulturinitiativen und in einer Band aktiv.

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