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Lemo: auch in Linz am Himmel!

Lemo: auch in Linz am Himmel!

Donnerstagabend, gut 350 Leute im Konzertsaal – das kommt mal nicht von ungefähr. Wenn man dazu noch mit seinem Debutalbum unterwegs ist, noch weniger. Der gebürtige Grazer und mittlerweile Wiener Lemo lud nicht nur samt Band zur Live-Performance seines Werkes „Stück für Stück“ in den Linzer Posthof ein, sondern auch zu einem gelungenen Pop-Abend. 

Eins vorweg: wer sich hier einen schwermütigen, vor ausgefeilten Arrangements nur so triefenden Musikabend erwartete, wurde bitter enttäuscht. Das Gute daran: das hat sich das überwiegend weibliche Publikum auch nicht. Denn spätestens als Support-Act Thomas Edler – stilecht mit Hut – die Bühne betrat, wird klar, dass der Abend auf Emotion, Liebe und alles was dazugehört ausgerichtet ist. Wenn man das in der ersten halben Stunde so macht wie Thomas Edler, als USP einen Beatboxer mit dabei, und dabei sogar noch sympathisch rüberkommt, hat man nicht viel falschgemacht. Auch das Publikum dürfte das so gesehen haben – aus anfangs mehr als verhaltenem wurde zum Schluss dann doch noch wohlwollender Applaus.

Doch gekommen war der Großteil halt mal wieder nicht wegen dem Support, sondern wegen dem Mainact. Lemo hieß der, und ist nicht nur mit „Vielleicht der Sommer“ in den diversen Radio-Stationen zu hören. Spätestens als die ersten Takte von „Himmel über Wien“ der mehr als spielfreudigen Band ertönen, bewegen sich die – gefühlt – „tausend“ Leute. Nunja, so viele warens dann auch wieder nicht – aber wir haben da schon Schlimmeres im Posthof erlebt. Stilistisch erfindet Lemo das Genre jetzt nicht neu – warum auch? Man fühlt sich schnell an Artists wie Julian le Play (wohlwollend) und Philipp Poisel (in letzter Zeit weniger wohlwollend) erinnert, hat jedoch nie das Gefühl, hier gelangweilt zu werden. Musik, die gerade mit Live-Band funktioniert, und bei Songs wie „Vielleicht der Sommer“, die halt dann doch jeder irgendwie irgendwoher kennt, ist die Stimmung dann auch ausgelassen. Zugaben? Ja, gabs auch. Mangels Material wird dann halt eine eigenwillige „Blues“-Version gespielt – die imaginäre Herzinfarktrate in der Blues-Metropole Chicago dürfte schlagartig gestiegen sein – und als krönender Abschluss halt nochmals „Himmel über Wien“. Hätte nicht sein müssen, trübte aber dann doch nicht den Eindruck eines gelungenen Konzertes.

Foto: © Christoph Thorwartl

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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