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STP Metalweekend: 10 Jahre gegen den Zerfall / frei:raum St. Pölten

STP Metalweekend: 10 Jahre gegen den Zerfall / frei:raum St. Pölten

Zehnte Auflage, erster zweistelliger Geburtstag, X-ter Totalabsturz – egal wie man die St. Pöltner Institution in Sachen Hart, Laut und aus dem Untergrund auch nennen mag, die 2016er Auflage war wieder mal ein Erfolg. Dem Umfeld entsprechend zumindest… Mit dabei: MORTAL STRIKE, MORTAL STRIKE(!), DHARK, UNDERTOW, BODYFARM und und und.

„Dem Umfeld entsprechend“ heißt in diesem Fall: wenn 50 Hansln im Konzertraum stehen und achteinhalb davon mit dem Popsch wackeln, war es schon ein Erfolg. St. Pölten ist ein zaches Pflaster und man kanns den Eingeborenen kaum verübeln. Tut sich halt kaum was. Wien ist ums Eck. Drinnen tschicken darf man auch nimma und es spielen eh immer die gleichen Bands im Frei:Raum. Da bleibt man halt – den frischen Temperaturen des Samstags trotzend – oft lieber draußen, pflanzt den Popsch auf die Bierbank, anstatt damit Metalaerobic zu betreiben. Ein Umstand der auch dem Moderator des Wochenendes, Richard Metfan, etwas sauer aufgestoßen ist. Erklärungsversuche für das bevorzugte Draußenstehen gab es einige, so wirklich schlau ist man im Endeffekt jedoch nicht geworden.

Bei den üblichen Lokalmatadoren – EPSILON (ab jetzt mit WARCULT-Sänger Josch am Mikro), AEONS OF ASHES et al – war aufgrund des Heimvorteils eh ein halbwegs anständiges Publikum anwesend. Was jedoch auffällt: Bands mit dem „gewissen Extra“ ziehen definitiv auch in St. Pölten die Leute in die Halle. Allen voran natürlich die Helden des Wochenendes: MORTAL STRIKE. Die mit Bandpatches zugekleisterte Thrash-Planierraupe aus Wien hat sich ja mittlerweile einen ziemlich guten Namen in der Szene gemacht. Das verwundert aber nicht, denn die Jungs reißen sich den Arsch regelmäßig bis zum Gnack auf und dürften am Freitag eine der elektrisierendsten Shows ihrer bisherigen Karriere abgeliefert haben. Die Chemie stimmt, das Posing verdient sich Höchstnoten und von der Rampensauqualität schaukeln sich MORTAL STRIKE ebenfalls gegenseitig immer höher und höher. Die Krönung der STRIKE’schen Weltherrschaftsübernahme war dann jedoch der Ausfall von UGF, die am Samstag St. Pölten zum Zittern bringen hätten sollen.

Der Drummer von UGF litt unter einem akuten Anfall von Beinbruch – sowas stört beim Trommeln und der Auftritt musste somit gecancelt werden. Was macht also Veranstalter und Szeneeminenz Reini Reither? Um vier Uhr in der Früh werden die wehrlosen MORTAL STRIKE Buam einfach zu einer Neuauflage des vorangegangenen Gigs verpflichtet. Kühler Hopfentee machts möglich! Ritterschlag für Chrir, Matthias, Etzi, Max und Dominique. Im Suff wurde noch eine neue Setlist ausgetüftelt und der verdiente Totalsieg am folgenden Abend endgültig in Stein gemeißelt.

© Markus Wetzlmayr / @wetphoto / www.wet-photo.at NO USE WITHOUT PRIOR WRITTEN PERMISSION // KEINE VERWENDUNG OHNE VORHERIGE SCHRIFTLICHE ERLAUBNIS.

Veni, Vidi, Vici, Vici – Doppelsieg für MORTAL STRIKE.

Abseits von einer allumfassenden Dominanz durch den grünen Panzer waren auch die tschechischen Analfetischisten von GUTALAX ein absolutes Highlight. Derber Grindcore mit ganz ganz viel Klobürsten und dem besten Anblick des Abends: ein GUTALAX-Fan, der in dem üblichen weißen Schutzoverall und einer 10er-Packung Klopapier durch den Eingang marschiert. RAMMSTEIN haben Pyrotechnik, GUTALAX Klopapier. Fetzt und macht einfach keinen Sinn. Wir lieben es!

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Erst wenn die Kacke dampft, wird bei GUTALAX so richtig abgefeiert.

Unvergesslich – besonders für die Jungs selbst – wird die Premiere von DHARK bleiben. Das Metalungetüm entstieg vor kurzem aus der Asche der Wiener Hydraulikpresse PROMETHEUS. Der Name mag sich zwar geändert haben, der Inhalt bleibt jedoch gleich: schwer, schwerer, DHARK. Und zwar so schwer, dass der Laptop der drei Herren einen gekonnten Köpfler vom Drumraiser machte. Resultat: Bildschirm im Jenseits, Band leicht angepisst und beim ersten Auftritt gleich mal ein paar grüne Scheine leichter. Ein Spendenkonto wurde beim WWF und Licht ins Dhunkel eingerichtet. Generell gilt auch mit kaputtem Laptop: DHARK, gerne wieder und gerne mehr!

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DHARK mit pulverisiertem Laptop. #prayfordhark

Insgesamt war das STP Metalweekend wieder mal ein ziemlich ansprechendes und äußerst genickzermarterndes Wochenende in den unendlichen Weiten Niederösterreichs. Wunschliste für den 11. Geburtstag? Ein bissl mehr Abwechslung, ein paar neue Gesichter und einen Einpeitscher, der die Leute hin und wieder vom Vorplatz nach Drinnen jagt – Herr Metfan hätt’s immerhin probiert.

Fotos: © Markus Wetzlmayr

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Markus liefert als Teil der Wiener Fraktion von Subtext Konzertfotos aller möglichen Genres. Egal ob Hip Hop oder Black Metal - Hauptsache die Musik geht unter die Haut und drückt in den Ohren.

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