Now Reading:

Ein feuchter, lauter Keller…

Ein feuchter, lauter Keller…

„Geschlossene Gesellschaft“ prangt in großen, fetten Buchstaben über dem Eingang zu einem Keller in der Linzer Innenstadt. Ein Keller, in dem der ideale musikalische Wochenausklang stattfand. Gleich vier Bands luden nämlich in die Katakomben eines Hausprojektes in der Linzer Innenstadt und ließen die Woche mit der gebührenden brachialen Gewalt in den Ohren ausklingen.

laessig.booking und das Regio Bash Festival hatten sich zusammengetan, und luden am vergangenen Sonntag zum lauten Wochenausklang der Extraklasse. Die Location? Ein ranziger, feuchter Keller in einem autonomen Hausprojekt in der Linzer Innenstadt. Eine PA? Vorhanden! Eine Küche? Vorhanden! Ein Merchstand? Vorhanden! Genug Bier? Vorhanden! Also steht doch einem lauschigen, weil lauten Konzertabend nix mehr im Wege!

Zugegeben, es ist ein „ganz“ anderes Erlebnis, wenn man solch einem Konzert beiwohnt. Wohnzimmeratmospäre trifft auf schneidende, verrauchte Luft, und, Gott sei Dank, eiskaltes, wohlfeiles Bier. Dazu noch vier Bands, die die Herzen von Musikfans härterer Gangart höher schlagen ließen. Zu beginn beispielsweise gleich mal Wet Spinach – Linz‘ finest in Sachen Heavy Rock ließen sich auch hier live nicht lumpen. Der Sound? Nicht immer perfekt – aber wurscht in diesem Inbegriff des D.I.Y.-Konzertes. Nicht nur in Quasi-Proberaumatmosphäre empfehlenswert!

Als erster Gast aus dem Ausland stellten sich danach havarii. ein. Postrock aus Hamburg. Extrem guter Postrock aus Hamburg, wie wir finden. Sängerin Mareike muss den übrigen Jungs nach dem „Unfall“ mit einem Pedalboard aber sicher mit der einen oder anderen Runde Bier aushelfen. Tracks wie „herbst“ und  „In Diskrepanzen“ machen Spaß, nicht nur für Postrock- und -Core-Freunde. Detail am Rande: ja, jede Band, die gegen Grenzen eintritt, ist unterstützenswert!

Die beiden Headliner-Slots wurden danach von „Snareset“ und „Deadends“ bespielt. Die haben zwar ein Tape miteinander aufgenommen, aber noch nicht wirklich oft miteinander gespielt. Snareset machten dabei den Anfang. Die Punkrocker aus der weltweit bekannten Metropole Greven brachten dann zwar die PA doch an ihre Grenzen, geben sich live aber keine Blöße. Da wird geknüppelt, was das Zeug hält – nach so einem Gig braucht man sicher ein oder besser mehrere Biere.

Deadends aus Graz waren zuletzt nicht nur happy, in einem österreichischen Hausprojekt spielen zu dürfen (endlich!), sondern machten genauso wie Snareset davor wenig falsch. Etwas poppiger als die Vorgänger, dennoch nicht weniger Spaß machend, darf man sich die Grazer Truppe gerne live geben. Auch wenn es an diesem Abend in diesem feuchten Keller schon sehr spät war, war das einer der energiegeladensten Gigs der letzten Monate. Abschließend bleibt noch zu sagen: ein arschkalter Sonntagabend, ein verdammt schwüler, feuchter Keller, verdammt gutes, kaltes Bier und vor allem verdammt motivierte Bands – was war das bitte für 1 Konzert?

Foto: Christoph Thorwartl

Share This Articles
Written by

Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eishockeyfan. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

Suchbegriff hier eingeben und mit Enter bestätigen