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Gospel Dating Service: Champagner bitte!

Gospel Dating Service: Champagner bitte!

„Champagne“ – so heißt das aktuelle erste Album von Gospel Dating Service. Dahinter verbirgt sich jetzt keine Damenvermietung für Erzkatholische, nein, mit Gospel Dating Service haben wir es mit einer der wohl spannendsten Indie/Alternative-Combos zu tun, die der heimische Musikmarkt derzeit hergibt. Das dürften auch die Linzer Konzertgeher so gesehen haben – am Montagabend war die Linzer Stadtwerkstatt rappelvoll.

Nicht ganz rappelvoll war der Saal beim Opener, den Gospel-Dating-Service-Labelkollegen von James Choice & The Bad Decisions. Deren Musik definiert sich laut Eigenaussage als „unglaublich hörbar, dabei aber immer mit überraschenden und unerwarteten Hooks, die mit subtilen Lyrics untermalt werden“. Nunja, klingt sperrig. Live ist das aber eindeutig gut. Musiker, die ihre Töne treffen, sind per se ja schon mal gut. Musiker, die Abwechslung in ihre Setlist bringen, auch. Eine Dreiviertelstunde, die zwischen ruhigen Songs und Klangexplosionen umherschwebt, ohne je langweilig zu werden. Einer der besseren Opener, den wir dieses Jahr sehen durften!

Neben Gospel Dating Service gab es an diesem Abend aber auch noch eine andere Releaseshow. Die Linzer Melody Current veröffentlichten an diesem Abend ihr Debut „Need No Words“, veröffentlicht auf Kofferradio Records (für all jene, denen das jetzt mal garnix sagt: das Label von David Haider, besser bekannt in heimischen Gefilden unter Manuel Normal). Frontfrau Bianca Ortner ist einigen wohl als Teil von Intra, Linz‘ Hoffnung in Sachen Progressive Rock, ein Begriff. Mit Melody Current werden ganz andere Töne eingeschlagen. „Heimisch“ will ich jetzt nicht in den Mund nehmen, nennen wir es mal Mundart. Mundart, die sich in die Texte eingeschlichen hat, weil es ja „ganz nett ist, auch mal auf Deutsch zu schreiben“. Das Ergebnis ist ein Kleinod aus Jazz, ein bisserl Blues, klassischem Pop, mit lokalem Einschlag. Features mit Artists wie Beda mit Palme inklusive. Sicher nicht jedermanns Sache – man muss sich auf diese Platte sicherlich einlassen. Dann wird man aber auch gut unterhalten, auch live.

In eine komplett andere Kerbe wiederum schlagen dann Gospel Dating Service. Zwei Jahre hat es gedauert, bis „Champagne“ endlich in den Startlöchern stand. Zwei Jahre, die sich auszahlten. Die mittlerweile in Wien beheimatete Band mit oberösterreichischen Wurzeln macht live Richtig Spaß. Der Gesang von Christoph Ertl hat hierzulande etwas – bislang schmerzlich vermisstes – Unverwechselbares, und spätestens als mit „Red“, der Single-Auskopplung des Abends, die ersten Töne erklingen, hat das Publikum im jetzt randvollen Saal angebissen. Was folgt? Eine emotionale Achterbahnfahrt, von ruhigen Passagen zu Uptempo-Intermezzi. Ohne Gitarren, wohlgemerkt. Dafür mit Synthies en masse. Auch zu späterer, halloweenbedingt biergeschwängerterer Stunde kommt das live richtig gut an, das Publikum fordert Zugaben. Nicht selbstverständlich, aber mehr als verständlich. Ein musikalischer Champagner, der sogar mir als notorischem Schaumweinverweigerer schmeckt. Eines der Alben, die man 2016 im heimischen Plattenregal stehen haben sollte – wenn das dann noch eine schöne Vinyl-Veröffentlichung ist, dann umso mehr!

Foto: Christoph Thorwartl

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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