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MARINA & THE KATS: „Es ist nichts Negatives, gerne in alten Zeiten zu schwelgen“

MARINA & THE KATS: „Es ist nichts Negatives, gerne in alten Zeiten zu schwelgen“

Marina Zettl, Thomas Mauerhofer und Peter Schoenbauer sind Marina & The Kats, die ganz frisch ihre zweite Platte „Wild“ herausgebracht haben. Ein Trio, welches Swing zeitgemäß und kokett ins Hier und Jetzt holen möchte. Die Formation, gerne als kleinste Bigband der Welt betitelt, gibt es erst seit 2 Jahren, ein Ende ist derzeit nicht abzusehen, wie die Sängerin im Gespräch mit subtext.at verrät. Es läuft gut, die Band wird viel gebucht, der Zuspruch gibt ihnen Recht.

Die Frage, die sich stellt: Ist Swing-Musik nicht schon längst angestaubt und überhaupt noch zeitgemäß? Immerhin mischt ein anderer Musiker mit seinem modernen Electroswing national wie international die Branche auf. Ein Interview mit Marina Zettl über Nostalgie, Swing und die Liebe zu Vinyl.

© Antonia Renner

subtext.at: Marina, es ist jetzt 11 Uhr morgens. Bist du ein Morgenmensch?
Marina Zettl: Eigentlich nicht. Ich bin ein klassischer Morgenmuffel (lächelt). Ich bin schon sehr fröhlich und aufgeweckt, aber je später es wird, desto höher steigt mein Energiepegel: In der Früh brauche ich immer eine Stunde bis eineinhalb Stunden und ein, zwei Tassen Kaffee, bis ich überhaupt ansprechbar bin (lächelt).

subtext.at: Eleganz ist ein Begriff, der stets mit Marina & The Kats in Verbindung gebracht wird. Was zeichnet Eleganz für dich aus?
Marina Zettl: Unter Eleganz verstehe ich jetzt nicht, dass man zwingend in einem Abendkleid rumstolzieren muss. Man kann auch im Casual-Look, den ich sehr mag, elegant auftreten. Damals, als die Frau selbstbewusster und emanzipierter geworden ist, haben sich die Hosen durchgesetzt. Das hat mich inspiriert und ist für mich auch elegant. Elegant bedeutet für mich auch, wenn man ist, was man macht, was man mag.

subtext.at: Und auf die Musik bezogen?
Marina Zettl: Swing-Musik ist an sich schon elegant. Man ist damals zu der Musik fortgegangen, Tanzen gegangen, hat Leute kennengelernt. Die Musik ist rasant und treibend vom Beat her, hat aber auch etwas Anmutendes. Die Texte sind meist das genaue Gegenteil davon. Das hat mich immer sehr überrascht hat, denn die können beinhart Tacheles reden. Das finde ich wirklich schön, weil es eben elegant zusammengeführt wird. (überlegt) Zu der Zeit wissen wir ja, was politisch alles passiert ist – und trotzdem hat man eine Ausdrucksform gefunden, Kritik auf eine elegante Art und Weise zu üben. Jetzt schreit man sie einfach heraus oder man lässt auf Facebook irgendeinen Mist ab. Man kann das ein bisschen subtiler machen.

© Antonia Renner

subtext.at: Das Wort Nostalgie kommt ebenfalls oft vor, wenn über euch berichtet wird. Nehmt ihr das als Kompliment, wenn jemand sagt, ihr macht nostalgische Musik?
Marina Zettl: (überlegt) Das ist ja recht frei zu interpretieren. Ich finde es gut, wenn man weiß, woher man kommt und wer man ist. Es ist nichts Negatives, gerne in alten Zeiten zu schwelgen.

subtext.at: In politisch unsicheren Zeiten neigt man eher dazu, sich an Vergangenes zu erinnern und in Nostalgie zu schwelgen, sagen Historiker und Forscher.
Marina Zettl: Früher war alles besser, meinst das (lächelt)?

subtext.at: Das kommt wahrscheinlich davon.
Marina Zettl: Musik ist ja Selbsttherapie, mit Sicherheit. Oder generell ein künstlerischer Ausdruck. Man will etwas verarbeiten. Man gibt etwas von sich preis, was man vielleicht sonst nicht machen würde. In jeder Geschichte steckt eine Wahrheit drin – auch, wenn das ein oder andere Ende vielleicht adaptiert ist. Auch wenn man jetzt einen Sound macht, den es vor vielen Jahrzehnten schon gegeben hat, da kann man trotzdem versuchen, es ins Hier und Jetzt zu holen. Damals waren das großartige Musiker und Künstler, kann man alles auf YouTube nachschauen, die auch Entertainer waren. Nicht im platten Sinne, sondern sie haben immer eine Tiefe gehabt. Ich vermisse das ein bisschen heutzutage. Im Radio gibt es viele tolle Künstler, aber auch Sachen, die überhaupt nicht sein müssen. (überlegt kurz) Wir haben einen gewissen Look, unsere Fotos sehen eben so aus – da ist nichts Verwerfliches daran.

© Antonia Renner

subtext.at: Wie macht man überhaupt Swing, der zeitgenössisch klingen soll?
Marina Zettl: Wir nehmen einfach Themen, Texte, die uns beschäftigen und geben dem Ganzen einen schönen Look. Wir machen eben Swing und da war es klar, wie es klingen soll. Da gab es den Spielraum, dass wir Electroswing machen könnten, aber wir haben uns bewusst dagegen entscheiden, weil es das schon gibt. Wir haben uns auch gefragt, wie wir etwas leider Verstaubtes den jungen Leuten erneut schmackhaft machen können. Sie sollen es auch lässig und geil finden. Wir finden, man kann Swing auch modern interpretieren. Mir persönlich hat Swing schon immer gefallen. Da wir nur zu dritt sind, muss jedes Rädchen funktionieren. Jeder muss bei der Sache sein. Wir möchten die Leute auf eine Reise mitnehmen. Die Texte widmen sich aktuellen Themen. Das Album heißt auch deswegen „Wild“, weil es eben darum geht: Um Selbstbewusstsein. Ich lasse mir von niemandem sagen, was ich tun muss, sondern ich tue das, was ich will.

subtext.at: Das Album gibt es auch als Vinyl-Variante. Zu einer Gruppe wie euch passt das wie die Faust aufs Auge.
Marina Zettl:
Ja eh. Vinyl schaut toll aus, greift sich super an, klingt anders und man nimmt sich da einfach anders Zeit für die Musik. Es ist wie eine Zeremonie. Du machst sie auf, tust die Platte rein, tust die Nadel drauf. Ich höre wenig Musik zu Hause. Wenn ich viel unterwegs bin oder auf Tour, da habe ich gar keine Lust, mir etwas anzuhören. Wenn, dann ist es gezielt und ausgesucht. Eine Platte zu haben, ist für mich ein Luxus.

subtext.at: Inwieweit kokettiert ihr mit eurem Image als wilde Truppe?
Marina Zettl: Ich gehe selbst gerne bis in die Puppen fort und hab es gern wild (lächelt). Ich schlafe gern lange und habe mir ein Leben ausgesucht, wo ich das machen kann, wobei vielleicht nicht jeden Tag. Ich kann mein Leben so gestalten, wie ich will, mit Musik als Lebensinhalt, was mir wichtig ist. Ich bin froh, dass ich das machen kann und es erfüllt mich mit Stolz. Es ist eine Freiheit, mit der ich mein Geld verdiene. „Wild“ ist für uns als Band auch ein neuer Anker. Wir sind da, wir gehen nicht weg, es geht noch weiter. Uns gibt es ja noch nicht so lang. Das erste Konzert war im Februar 2015. In dieser Zeit ist so viel passiert und da stellt sich für uns nicht die Frage, ob das überhaupt gut ankommt, was wir machen. Es kommt gut an. Wir spielen viel und unser Label hat gemeint, wir sollen doch schon ein zweites Album vorlegen. Wir haben einen Nerv getroffen. Es ist egal, ob es hip ist. Es ist hip (lacht).

GEWINNSPIEL:
Wir haben zwei signierte Alben für euch. Einfach bis 14. November 2016 hier auf Facebook mitmachen

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