Now Reading:

Nintendo Switch: Allroundwunder oder fehlgeschlagenes Wunschdenken?

Ob unterwegs oder zu Hause, ob im Wohnzimmer oder am Balkon. Die neue Nintendo Switch verspricht, immer und überall die persönlichen Lieblingsspiele mitnehmen zu können. Es wird ein nahtloser Übergang zwischen Handheld und TV Konsole versprochen. Kann Nintendo die Ankündigungen halten, oder ist die Switch doch nur ein zerplatzter Marketingtraum?

Wie lange wurde gerätselt, was Nintendos unter dem damaligen Codenamen NX wohl entwickelt. Von WiiU-2.0 bis absoluter Durchbruchskonsole war alles an Vermutungen dabei. In einem ersten Video am 20. Oktober 2016 wurde dann endlich erstmals die Nintendo Switch vorgestellt. Bis heute ist sie ein umstrittenes Thema in der Gamingcommunity. Befürworter loben Konzept, Idee und Umsetzung in himmlischen Höhen, Kontrahenten schaufeln der Switch bereits jetzt ein Grab direkt neben der alles andere als erfolgreichen WiiU.

Am Freitag war es nun endlich soweit. Die Switch wurde auf den weltweiten, öffentlichen Markt losgelassen, und steht nun für jedermann zum Testen bereit. Dies ist jedoch durchaus ein teures Unterfangen. Denn speziell für die Preispolitik der Switch musste Nintendo schon viel Kritik einstecken – und dies auch zurecht. Mit 330 € für die Konsole ohne Spiele oder Zubehör hat Nintendo den Preis höher als erwartet angesetzt. Wäre das zu Release extern veröffentlichte Spiel „1-2-Switch“ – eine kleine Minispielsammlung für mindestens zwei Spieler – wie damals auch „WiiSports“ bei der Switch inkludiert gewesen, wäre der Preis absolut in Ordnung gewesen und hätte sicher auch weniger Menschen an Nintendos neuer Konsole zweifeln lassen. Denn „1-2-Switch“ ist die perfekte technologische Demo für die zahlreichen Funktionen der Joycon, und mit lediglich 28 Minispielen doch kein eigenes vollwertiges Spiel – mehr dazu im ausführlichen Review weiter unten!

Möchte man sich dann noch einen ProController, eine Joycon Ladestation, und natürlich das heiß begehrte The Legend of Zelda: Breath of the Wild kaufen, so landet man schon mal gut und gerne bei 500-600€. Je nach Zubehörwunsch. In zahlreichen Onlineumfragen wurde deswegen der Preis als das größte K.O.-Kriterium von Nintendos neuester Konsole beschrieben.

 

Da stellt sich nun die Frage: Ist die Nintendo Switch das ganze Geld wert? Ein erstes Fazit dazun nach nun 72h Testzeit nach Erscheinen der Konsole

Die Konsole allgemein:

Wenn man die Verpackung der Switch öffnet, erblickt man gleich die zwei Joycons und das Switch Tablet. Die JoyCons sind kleiner und leichter als erwartet, lagen aber wirklich gut in den Händen. Der Joystick auf dem rechten Joycon ist jedoch etwas ungünstig positioniert, und ist nach einiger Spielzeit schon etwas unangenehm. Ich wüsste nicht, wie man es hätte besser lösen können, aber so war es leider doch etwas schwierig, damit effektiv zu spielen – hier kann jedoch der bereits erwähnte Pro Controller (separat erhältlich, 69€) Abhilfe schaffen. Auf diesen werden auch Personen mit größeren Händen gezwungenermaßen zurückgreifen müssen – denn diese werden mit dem JoyCon-Controller wahrscheinlich nicht glücklich werden, dazu sind diese dann doch etwas zu klein geraten.

Switch Unboxing

Switch Unboxing

 

Switch Handheld Version

Switch Handheld Version

Der Pro Controller ist mit 69€ durchaus auch teuer angesetzt. Hier ist das Geld jedoch auf jeden Fall gut investiert. Er ist top verarbeitet, und liegt, speziell durch das höher als erwartete Gewicht, wirklich super in der Hand. Die Knöpfe lassen sich angenehm drücken, und die Joysticks sind gut positioniert. Mit dem Controller kann man auch gut mehrstündige Spielesessions überstehen.

Switch Pro Controller

Switch Pro Controller

 

Nun jedoch zurück zur eigentlichen Nintendo Switch

Das Tablet hat ein angenehmes Gewicht, und die Joycons lassen sich genauso schnell und einfach anbringen wie es auch in dem Trailer angezeigt wurde. Beim Anstecken hört man auch das dazu passende „Switch“ Geräusch des Trailers, welches anzeigt, dass die Joycons erfolgreich angebracht wurden. Die Switch liegt im Handheldmodus super in der Hand.

Was weniger gelungen ist, ist die Tischvariante des Handhelds. Den Ständer der Switch bekommt man nur mit roher Gewalt aus der Konsole, und ist auch nicht wirklich mittig angebracht – man braucht schon eine wirklich glatte, horizontale Oberfläche, dass die Switch gut steht und nicht umfällt.

Was noch im Lieferumfang der Switch enthalten ist, ist natürlich das Verbindungsdock für den Fernseher. Dieses hätte ich mir etwas hochwertiger vorgestellt, es ist aus sehr leichtem Plastik gefertigt. Ich hätte mir hier etwas mehr Widerstand gewünscht, wenn man die Switch reinsteckt. Auch diverse Steckmöglichkeiten wären toll gewesen. Man kann so die Switch nur von oben reingeben, bei vielen Fernsehtischen ist jedoch nicht genug Platz in den Fächern für das Dock und dann auch noch die Switch, wenn man sie reinstecken möchte. Aber das Dock ist ansich klein genug, so dass man es im Notfall auch neben dem TV platzieren kann. Auf der Rückseite lässt sich ein kleines Fenster runterklappen, welches die Kabel verbirgt und auch zusammenhält.

Generell ist die Switch aber wirklich ordentlich und sehr gut verbaut, und es fühlt sich mit Ausnahme der Dockstation auch wirklich hochwertig an! Ob der Preis von 330€ gerechtfertigt ist, kann man nun noch schwer beurteilen. Auf den ersten Blick wirkt es nicht so. Sollten alle verbauten Teile auch eine hohe Haltbarkeit und Lebensdauer aufweisen, dann ja. Sollten sie schneller kaputt gehen, dann auf keinen Fall.

Switch Dockingstation

Switch Dockingstation

Grafik und technische Ausstattung
Die Switch selbst besteht aus einem kapazitiven 720p Touchscreen mit einer Größe von 6,2 Zoll. Verbindet man die Konsole mit dem TV, erweitert sich die Auflösung auf 1080p. Damit kann die Konsole leider noch lange nicht mit den aktuellen 4K-Giganten am Konsolenmarkt mithalten. Man merkt auch beim Spielen, dass Grafik und Technik nicht ganz ausgereift sind, denn so ist bei Zelda doch ab und zu ein Ruckeln in der TV Version zu sehen. Im Handheldmodus läuft das Spiel jedoch ohne Probleme!

Der interne Speicher bietet nur 32GB, von welchem ein Teil für die interne Betriebssoftware reserviert ist. Man ist hier also gezwungen, analoge Spielekarten zu erwerben, oder den Speicher mit SD-Karten zu erweitern. Die Akkulautzeit schwankt offiziell zwischen 2,5 und 6 Stunden. Bei einem persönlichen Test mit dem neuen Zelda hielt der Akku in der mobilen Variante knapp 3 Stunden. An Anschlüssen bietet die Switch einen Klinkenslot für diverse Kopfhörer, und einen USB-C Anschluss für das Ladekabel. Diesen begrüße ich sehr, so kann man jederzeit auf ein standardmäßiges USB-C Ersatzkabel ausweichen, und muss kein spezielles Ladegerät verwenden. Was aber enttäuschend war, war die Tatsache dass nur ein Ladekabel im Lieferumfang enthalten war, welches man bei der Switch oder der Dockstation braucht. Möchte man nun zum Beispiel im Bett noch mit der Switch spielen, braucht aber das Kabel, weil der Akku zu neige geht, muss man dies immer extra wieder aus der Dockstation entfädeln. Ein Tipp hier ist es deswegen, sich ein zweites USB-C Kabel zuzulegen, sollte man es brauchen – dies ist jedoch Kritik auf sehr hohem Niveau,  oder ein reines Bequemlichkeitsproblem. Ansprechen wollte ich es dennoch.

 

Fazit

Die Nintendo Switch ist wirklich gut verarbeitet. Die JoyCons funktionieren toll, der ProController ist top, und das „Switchen“ funktioniert wirklich wie versprochen ohne Probleme. Wenn es jedoch an die innen verbaute Technik geht, hat die Switch einige Mängel aufzuweisen, und kann nicht mit den heutigen Giganten von Sony und Microsoft mithalten – muss sie aber auch nicht. Denn die Stärke der Switch liegt definitiv in ihrem einzigartigem „Switch-Konzept“, welchem die Konsole alle Ehre macht, und natürlich auch bei Nintendos Zugpferden wie Zelda und Super Mario. Generell wäre die Switch jedoch eher als Handheld zu empfehlen, um tolle Spiele wie Zelda abseits des TV zu spielen. Denn die TV Version braucht noch etwas Feinschliff – ich hoffe sehr, dass es in zukünftigen Softwareupdates dazu kommt, und diverse technische Schwierigkeiten ausgebessert werden. Es ist generell zu empfehlen, mit dem Kauf noch etwas zu warten – bis das Spieleangebot gewachsen ist, und auch ein ordentliches Bundle im Laden erhältlich ist. Denn so ist für das Gebotene der Preis doch noch zu hoch.

Share This Articles
Written by

Mediendesign Studentin | Liebhaberin von jeglicher guten Livemusik - der Fotografie speziell bei Sonnenuntergang - Sarkasmus - guten Videospielen - und einer heißen Tasse Kaffee am Morgen!

Suchbegriff hier eingeben und mit Enter bestätigen