Wer Frühlingsgefühle wecken kann, obwohl es aus Kübeln schüttet, hat meinen größten Respekt. So verzauberte die Band Anna Katt bei ihrer Release-Show am Samstag im den Linzer Kammerspielen knapp 250 Personen. 

Zugegeben, die Kammerspiele sind für eine Releaseparty schon sehr extravagant und eine willkommene Abwechslung zu Stadtwerkstatt und Co. Die Bühne selbst war nur sehr minimalistisch ausgestattet. Schwarzer Vorhang im Hintergrund und Musikinstrumente und Tontechnik im Vordergrund, sonst war nicht anderes auf der Bühne zu finden – mal abgesehen von den Musiker*innen. Der nichtvorhandene Schnickschnack lenkte somit auch nicht, ab und die gesamte Aufmerksamkeit richtete sich zu 100% an die Band.

Gleich zu Beginn wurden Songs vom neuen Album „Till en vän“, wie etwa „Ström“, das auf Schwedisch gesungen wird, oder „Cows on the moon“ gespielt. Kristina Lindberg, die Sängerin von Anna Katt, war selbst auch ganz überwältigt vom Publikum, wo sie laut eigener Aussage fast 80% der Besucher*innen persönlich kannte. Und auch von dem Platzangebot auf der Bühne: oft ist es ja so, dass auf so einer Bühne kaum Platz zum Bewegen ist.

Eine etwas andere Location für ein Album-Release: Anna Katt in den Linzer Kammerspielen!

Zu dem Lied „Stan“ vom Album „Blue or Grey“gibt es jetzt einen kleinen Bruder ,“Steven“. Dieses außergewöhnliche Stück ist, wenn ich mich nicht verhört habe, einen gewissen Peter Philipp gewidmet, der beim Schreiben der Songs immer eine große Stütze war. Sich für die wichtigen Dinge Zeit nehmen, ist ein Vorsatz, den sich jeder Mensch zu Herzen nehmen soll/kann – vor allem wenn die Botschaft so nett verpackt wie im Song „Time“ präsentiert wird.

Das gesamte Album steht unter dem Titel „Begegnungen“. Umso besser passte dann auch der Song „Old Friend“ ins Konzept. Ein Song über Freunde. Freunde, die sich nicht beschweren, weil man sich Wochen nicht gemeldet hat, sondern einfach den Moment genießen wo man sich wieder sieht. Apropos alte Freunde: auch Lieder vom alten Album hörte man wieder, wie etwa „Madland“ oder „Hide no more“.

Überraschend schummelten sich zwei Covers von Scott Matthew in die Setlist. Wunderbar neuinterpretiert wurde zB der Song „I wanna dance with somebody“ (original von Whitney Houston) – gemeinsam mit der Ukulele. Für alle Kinder, die in den vergangen Jahren ein Teil von Kristina Lindberg waren und sind, gab es eine ganz spezielle Widmung in Form des Songs „Avenue“ – und als Kindergartenpädagogin kommt da schon einiges zusammen.

An der Gitarre: Stefan Lindberg!

Mein persönliches Lieblingslied, „Lighter“, machte dann das Abschlusslicht im wahrsten Sinne des Wortes. Das Ende kam sehr überraschend, so wurde einem erst jetzt bewusst wie gebannt man gelauscht hat und in der Musik der wundervollen Band eingetaucht ist. Den restlichen Besucher*innen ging es wohl nicht anders – so war der Applaus zu beginn doch sehr verhalten, bis alle aus ihrer Trance aufwachten und der Band Standig Ovations zollten.

Als Zugabe gab es die Lieder „A Song“ und „Till en vän“. „Till en vän“, übersetzt „an einen Freund“ ist ein Lied, das einer Freundin in Schweden gewidmet wurde, welche gelernt hat, das Neue anzunehmen und mutig neue Wege geht. Die Videopremiere machten dann aber wirklich den Abschluss des Abends. Ein Abend, der geschickt die Band Anna Katt in den Mittelpunkt rückt und perfekt ausleuchtet. Authentisch und einfach sympathisch präsentiert sich die Sängerin. So wird einem nicht mal die Wahl gelassen: man muss sich einfach in das neue Album und in die neuen Lieder verlieben.

Fotos: Andreas Wörister (Slih’s Photography)

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