Am Mittwoch Abend bespielten Asking Alexandria wieder Mal den Linzer Posthof. Um vieles schlechter besucht als zuletzt und mit neuem Sänger. Als Teenie im Jahr 2008 war ich noch begeistert von der Band, aber das Konzert am Mittwoch war Zeitverschwendung. Sorry, Leute, bis jetzt ist es mir gelungen, durchwegs positive Kritiken zu schreiben – und allen, denen das Konzert gefallen hat, wünsche ich, dass sie sich ehestbald anderen Bands in diesem Genre zuwenden. Denn es gibt sehr wohl KünstlerInnen, die wissen, wie man richtigen Metalcore macht.

Die erste Band dieses Abends hatte den melodischen Namen Bohemian Grove. Nun gut, auf die Bühne gekommen sind die Jungs wie die Großen. Als sie dann jedoch anfingen, gemeinsam ihre Instrumente zu foltern, machte ich mir schon die ersten Sorgen. Eigentlich ein Glück, dass der Tontechniker gestern von Anfang an mies war, denn sonst hätte ich vielleicht die schrägen Töne des grölenden Sängers noch intensiver ertragen müssen. Der Sänger war ja auch so eine Sache für sich. Ein Mittdreißiger, der offensichtlich große Probleme damit hat, erwachsen zu werden. Er wirkte sehr „proletig“ und war ganz und gar von sich überzeugt. Um sein Gegröle überhaupt umsetzten zu können, musste er auf der Bühne Verrenkungen machen, bei welchen ich echte Sorgen hatte, dass er bald massive Rückenprobleme bekommen wird. Das einzige Positive der Band war der Bassist, welcher einen unverkennbaren Kleidungsstil hatte. Ich meine: wer stellt sich denn bitte schön mit einer Regenjacke auf eine Konzertbühne? Dazu gehört wirklich Mut, ich hätte Angst an Überhitzung zu sterben. Angelehnt ist der Band Name an eine elitäre Veranstaltung in den USA, aber auf die Aufnahme in den Bohemian Grove Club müssen die Jungs verzichten. Denn dafür sind sie schlichtweg zu schlecht.

Eine Beleidigung meines Gehörgangs: Bohemian Grove

Die zweite Band, The Word Alive, war natürlich nach diesem schrecklichen Start eine Verbesserung. Sie sorgten endlich für mehr Stimmung im Publikum, die ersten begannen sanft zu pogen, andere schüttelten ihr Haupt in altbekannter Metalmanier. Musikalisch war die Darbietung jedoch auch noch weit entfernt von Metalcore. Es war eher Balladen-Punkrock mit „Metal“-Elementen, also genau das Richtige für das durchwegs junge Publikum. Die Technik war noch immer apokalyptisch schlecht.

Ach ja das Publikum am Mittwochabend war dann auch noch so eine Sache für sich. Bestehend aus 14-18 jährigen jungen Mädels und Burschen war es das erste Konzert, auf dem ich mir richtig alt vorgekommen bin. Ich ging ja davon aus, dass so richtige Emos heutzutage out sind und nicht mehr existieren. Nicht dass ich etwas gegen diese Modeerscheinung hätte. Doch ich habe mich geirrt. Es gibt sie noch – und die Mode hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten nicht verändert. Genau wie bei mir in meiner Teeniezeit sind schwarzer Pony, dunkle schminke, grelle Armbänder und hautenge Hosen noch genauso im Trend wie damals. Da ich weiß, dass die Teenagerjahre ein wichtiger Weg zur Loslösung von den Eltern und zum Finden und Ausfertigen der eigenen Persönlichkeit sind, versuche ich immer, großes Verständnis aufzubringen für die Jugend von heute. Dennoch habe ich aber doch die Hoffnung, dass sich das junge Publikum irgendwann davon erholt und sich einen qualitativ guten Musikgeschmack zulegt.

Viel Bewegung macht nicht unbedingt einen guten Musiker: The Word Alive

Da ich nun schon länger nicht mehr in der Metalcore Szene unterwegs war, habe ich mich auch nicht richtig auf das Konzert vorbereitet und alles was ich wusste war: Asking Alexandria haben einen neuen Sänger. Ich hatte große Hoffnung und habe angenommen, dass nach den zahlreichen Bandneubesetzungen nun endlich auch wiedermal ein Sänger gefunden wurde, der erstens singen kann und zweitens nicht dem Klischee eines 14 jährigen Emo-Boys entspricht. Der neue Sänger der Band ist ein altbekanntes Mitglied der Truppe, nämlich Danny Worsnop. Bisher eher im Backgroundgesang, am Keyboard und dem Synthesizer zu finden. Die neue Tour gestaltet Danny Worsnop schon als Frontsänger mit und ich muss sagen: er macht seine Sache definitiv besser als seine Vorgänger. Jedoch hat Asking Alexandria nach den ganzen Neubesetzungen definitiv ihren Stil verloren. Früher haben die Burschen das Image der Band und die Musikrichtung „Metalcore“ bravourös umsetzten können. Davon ist jedoch kaum etwas übrig geblieben. Die Jungs machen jetzt eher „Kuschel-Metal“, was natürlich bei dem jungen Publikum super ankommt, wenn man sich jedoch darauf einstellt, harte Musik zu hören und im Moshpit ordentlich abzugehen, ist man bei dieser Band mittlerweile an der falschen Adresse.

Irgendwann ist mir das Konzert einfach auf die Nerven gegangen – was zu einem maßgeblichen Teil am von der Band mitgebrachten Tontechniker lag. Ich habe soundtechnisch noch nie so ein schlecht abgemischtes Konzert im Posthof gehört wie an diesem Abend. Anscheinend hat der Techniker keinen Plan gehabt, was er da fabriziert. Die meiste Zeit hörte man nur den Bass heraus, alle anderen Instrumente und der Gesang waren kaum hörbar und zusätzlich übersteuerte die Anlage ständig. Also beschloss ich kurzerhand mich in den Moshpit zu stürzen und meine aufkommenden Aggressionen ein wenig abzubauen. Doch wie ist es als fast 25-Jährige im Moshpit? Was da im Saal entstanden ist, war kein Moshpit. Es war eher ein Tanzkreis mit ein paar Remplern. Ich stellte dabei jedoch schnell fest, dass es einfach nicht mehr dasselbe war wie früher. Wahrscheinlich ist es mittlerweile die falsche Band, um richtig abzugehen. Irgendwann hatte ich die Nase voll und flüchtete in den Raucherbereich, nur um dort auf ebenfalls „Mittzwanziger“ zu stoßen, die mindestens genauso genervt und verärgert von der lächerlichen Performance waren wie ich. Fazit: drei furchtbare Bands, eine massive Enttäuschung.

Wortspende des Fotografen:
Das war kein Konzertabend. Nein das war eine Zumutung und ein Anschlag auf mein Gehör, durch die Bank eine musikalische Katastrophe. Bohemian Grove klang, wie wenn man einer Gruppe 5-Jähriger Instrumente in die Hand drückt und die dann sinnlos auf diesen herumschlagen. Das war keine sinnvoll komponierte Musik, nein, das war irgendetwas und schon gar keine Musik. Das Mieseste, was ich je gehört habe. Das Kleinkind am Gesang – meine Katze trifft beim Miauen mehr Töne als dieser Herr – wird noch dazu bald den Rest seiner Stimme verlieren, die bereits jetzt die ungefähre Kraft der kleinsten Luftpumpe der Welt hat. Davon, dass der werte Herr mit seiner Art zu singen bald beim Orthopäden landet, ganz zu schweigen. Die nachfolgenden The Word Alive waren dann müder Möchtegern-Pop-Metal. Frei nach dem Motto „Schlimmer gehts nimmer“ zwar eine musikalische Steigerung zur vorherigen Band, aber das heißt in diesem Fall relativ wenig. Dass so etwas heutzutage bei manchen Menschen als hart gilt, ist eine eindeutige Geschmacksverwirrung, aber die kann man dem Großteil des Publikums an diesem Abend sowieso unterstellen.

Erstens musikalisch. Das urteile ich daran, dass die Zumutung am Beginn dieses Abends bei den wenigen Konzertbesuchern dieses Abends sehr beliebt war. Zweitens daran, dass die fünf Tonnen Schminke pro Gesicht doch nicht gesund sein können. Da ist ja Sebastian Kurz noch sparsamer im Makeup- und Haargelverbrauch. Asking Alexandria als glorreicher Abschluss dieses Schundabends war dann genauso furchtbar wie ich erwartet habe. Im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern konnte Danny Worsnop wenigstens gut singen, auch wenn das mittlerweile so soft ist, dass es die Bezeichnung Metalcore nicht mehr verdient. Aber ok, dieses softe Etwas haben sie akzeptabel Zustande gebracht. Gut ist das halt auch nicht mehr. Zusammengefasst: Da wäre selbst der Musikantenstadl qualitativ besser gewesen als dieser Konzertabend. Mit Abstand das Grausamste was ich seit Jahren musikalisch erlebt habe – und das selbst dann, wenn der Tour-Tontechniker nicht dermaßen katastrophal gewesen wäre. Dieser Herr sollte sowieso seit gestern seine Branche gewechselt haben.

Fotos: Andreas Wörister (Slihs Photography)

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